Ein Wort, das wirklich zu diesem Buch passt, ist 'sinngewaltig'. Vielleicht ein kleiner Neologismus, doch sicherlich treffend, da auch in diesem Band der Rinland-Saga viele Sinnfragen aufgegriffen und tiefer ergründet werden: Woher komme, warum lebe und wohin gehe ich? Wie sollte Macht gehandhabt und am besten eingesetzt werden, wenn man damit einem Maximum an Menschen helfen will?
Besonders anhand des neuen Protagonisten Sorayn hat der Leser die Reise nach dem 'W' bestritten ' der Junge hat einen mehr als harten Weg zu gehen, weil die Menschen wie immer im ersten Moment nur das Äußere wahrnehmen. Hieraus lernen wir, dass gerade die Personen, von denen man es nicht erwartet, das Unmögliche vollbringen. Wahre Schönheit findet sich eben doch unterhalb der Haut!
Sorayn hat mich wirklich mehr als berührt und wieder einmal bin ich begeistert von Klassens gut durchdachter, einfühlsamer und starker Charakterzeichnung.
Natürlich fragen sich die Leser von Band 1, was aus unserem Unglückspaar Mino und Blitz geworden ist ' dazu möchte ich gar nicht allzu viel verraten. Nur so viel, dass sie weiterhin allerhand Enttäuschungen erleben, sich noch größeren Gefahren, aber auch einigen unerwarteten Wendungen des Geschehens stellen müssen. Die Gefühlsachterbahn dürfte sich in dieser Reihe auf dem Niveau der 'Silver Star' im Europapark befinden. Von dem Buch brauche ich meistens eine Lesekur, weil ich so fertig bin ' und das ist jetzt nicht im schlechten Sinne gemeint, auch wenn die aufkommenden Emotionen nicht immer zu den guten gehören.
Mich haben Mino und Blitz zwar zeitweise angekotzt, weil sie um ihr Unglück wissen und es anfangs trotzdem einfach so hinnehmen, doch andererseits bleiben sie dadurch ihrer Verantwortung und ihren Moralvorstellungen treu, was ich wiederum gut heiße. Eine Zwickmühle!
Auch die Bösen haben sich weiterentwickelt ' sie sind noch hinterhältiger und fieser geworden, aber gleichermaßen auch vielschichtiger. Diese Grauschattierung bei den Charaktereigenschaften sollten sich wirklich viele andere Autoren abgucken, denn besser geht es für mich nicht!
Und 'Der Erbe der Riesen' wäre kein Rinland-Roman, wenn nicht wieder eine neue Symbolfigur verwendet worden wäre. Im Gegensatz zu Band 1, wo die Möwe der Wegbeleiter der Protagonisten war, ist es hier jetzt der Adler. Der Adler steht schon seit der Antike symbolisch für die Begriffe Macht und Kraft. Zumindest meine ich das einmal gelesen zu haben, doch es passt auch. Beides muss Sorayn bis zum Abwinken aufbringen, um seine Aufgabe bestreiten zu können.
Ich glaube nicht, dass ich übertreibe, wenn ich sage, dass diese Trilogie zu den beeindrucktesten gehört, die ich je gelesen habe. Wirklich ' viel mehr Leute sollten zu Klassens Büchern greifen!
Für mich auf jeden Fall zeichnen sie sich dadurch aus, dass ich mir auch vieles für mein Leben herausziehen kann, denn der philosophische Aspekt spricht den Mensch in seinem Wesen und in der Rolle als Schachfigur des Lebens oder des Schicksals an? Oder gar doch eher als Spielmaster? Das muss jeder selbst entscheiden.