„Der Enzyklop" ist dem Untertitel nach „Ein Wörterbuch" - wohlgemerkt EIN Wörterbuch. Das Ganze ist auf ca.160 Seiten auch akribisch mit Silbentrennung und Querverweisen wie ein Lexikon gestaltet. Doch findet man beim Durchblättern auch gleich folgenden Hinweis:
„Wenn Sie deutsch sprechen, lesen oder schreiben und dabei Rat oder Auskunft suchen, finden Sie hier, was Sie nicht gesucht haben."
Autor René Gisler, Schweizer, Jahrgang 1967, kennt die Regeln für Wortbildung im Deutschen ganz genau und wendet sie dort an, wo man es nicht darf. Wenn es kometenhaft gibt, dann gibt es auch die Kometenhaftung, wenn es Seemänner gibt, dann auch Seememmen (freuen sich am Land). In über 3500 Lexikoneinträgen wird der Leser von irrwitzigen Neologismen angefallen - teils Konstruktionen, die sich aus purem Gutklang ergeben (Ein Messerwisser weiß Beschneid), teils logische Konstruktionen, die man schon mal ganz gut gebrauchen könnte, wie Genethik, Mietleid, Ehelend, Zivilisolation, alkoholen oder arrogantworten. Das Nichtsonett stammt ebenso wie die Sündphonie vom Kompomist oder Erschlagersänger; Espenraub ist ein überraschelnder Laubüberfall. Ein Torkelner sorgt für Ausschwank, der Nichteinochausweis ist ein Unfähigkeitszeugnis; Makrobatik ist das Gegenteil von Miniaturnen. 190 Abbildungen zeigen den Papageier beim Fraas, spontan erscheinende Leeren, ungewöhnlich stark schaaflose Hügel, Bartgenossen oder handzahme Erdbärchen. Besonders hat es dem Autor immer wieder die Tierwelt angetan. Es entstehen Gattungen wie die Repetiere, denen der Paperlapagei, das Schaschaf, das Serieh oder der Hahase angehören. Ebenso gibt es die Mutiere (z.B. das Nochmeerschweinchen), die Nachtlaubtiere (läuberische Säugetiere), Nahgetiere (unterscheiden sich von Ferngehtieren durch geringere Schleichweite), Spezifische, das Kameleon, Fragmentiere (z.B. Quartiere und Hundertstel); schwer auszumachen sind für das menschliche Auge das Ungefährkel, die Transparente, das Unsichtbareh und der Unsichtbarsch. Den Gewesen gehören die Nichtmeerschweinchen, Warwölfe und Vorübären an.
Manchmal braucht man ein paar Sekunden, um richtig guten Kalauern auf die Spur zu kommen: Sporadieschen sind Gemühseh, da rar.
Man könnte es mit entsprechenden Lexikoneinträgen so formulieren: Ein Enzyklopädagoge bringt dem Dudenuzer flunderbaren Vokabeljau.
Bevor dieser völlig alphabetrunken ist, kann er den im Buch enthaltenen Hinweisen auf das Internet folgen. Dort findet er die eidgenössische Trugwildmeldestelle, aber auch die Möglichkeit zum Einsenden eigener Ideen, die veröffentlicht werden, und kann somit an (hoffentlich folgenden) weiteren Auflagen mitwirken.
Alles in allem große Anerkennung für etliche geniale Kalauer, leichten Abzug für den Klamauk dazwischen. Aber wie es eben so ist - „Wortpflanzungsfähigkeit ist stark von der Qualität des Saatgutes abhängig."