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Keine Frage, Sarah Hall hat gut recherchiert. Und trifft mit ihrer Prosa einen eigenen Ton. Eindringlich beschreibt sie das illustre Treiben im Seebad Morecamb Bay an der englischen Nordwestküste und im Vergnügungspark auf Coney Island in den 20er Jahren. Plastisch erzählt sie die Geschichte des Tätowierens: Ein Panoptikum gestrandeter Gestalten zwischen Freakshow, Vaudeville und zerbröckelnder Hafenromantik. Am Anfang kann der 2004 für den Booker Prize nominierte Roman mit atemloser Prosa in den Bann ziehen. Doch die Schilderungen des jungen Cy, der sich der Tätowierkunst verpflichtet, in die neue Welt auswandert und am Ende desillusioniert wieder heimkehrt, können die Spannung nicht über 400 Seiten halten. So detailverliebt Hall uns die Hinrichtung eines Zirkuselefanten oder die Verwandlung einer Akrobatin in ein ganzkörpertätowiertes Kunstwerk auch miterleben lässt - keine ihrer Figuren geht dem Leser wirklich nahe. Sie bleiben allesamt Jahrmarktsattraktionen. Lauter kleine effektvolle Sensationen, aber keine wirklichen Menschen. (ascho)
Kurzbeschreibung
Cyril Parks wächst Anfang des letzten Jahrhunderts an der Nordwestküste Englands auf. Nach dem Tod seiner Mutter wird er als Lehrling von dem Tätowierer Eliot Riley aufgenommen, einem notorischen Trinker und Querulanten, der zugleich ein begnadeter Künstler ist. Bei ihm lernt er alles über die Abgründe des Lebens und die hohe Kunst des Tätowierens. In den dreißiger Jahren verläßt Cyril Parks seine Heimatstadt und schifft sich nach Amerika ein, wo er sich auf Coney Island als "Elektrischer Michelangelo" niederläßt. Auf dem ewigen Jahrmarkt vor den Toren New Yorks, zwischen Freakshows und Achterbahnen, verliebt er sich in die Zirkusakrobatin Grace, die mit einem ungewöhnlichen Auftrag an ihn herantritt... Sarah Halls von der englischen Kritik gefeierter Roman ist ein atmosphärisch dichtes, virtuos erzähltes Buch voller skuriller Figuren und Begebenheiten, in denen sich das universelle Drama der Menschheit widerspiegelt.
Über den Autor
Peter Torberg, geboren 1958 in Dortmund. Er übersetzte u.a. Oscar Wilde, Mark Twain, Raymond Federman, Michael Ondaate, Rudyard Kipling und für DuMont James Coltrane und James Buchan.