"Man sieht nur mit dem Herzen gut. Das Wesentliche ist für die Augen unsichtbar."
Dieses Zitat von Saint-Exupéry ist bezeichnend für die Figur des John Merrick, einem jungen Mann des viktorianischen England, der aufgrund der absurden Deformation seines Kopfes (mit fast einem Meter Umfang) und seines mit Geschwüren bedeckten Körpers zum Schau- und Spottobjekt seiner Umwelt wird. Vom Londoner Arzt Dr.Treves für seine wissenschaftliche Forschung entdeckt und, nach mehreren Hindernissen, auf Dauer in einem Hospital untergebracht, stellt sich heraus, dass Merrick nicht, wie man wegen seiner zunächst apathischen Stummheit vermutet, schwachsinnig, sondern ein sensibler Mensch mit wachem Reflektionsvermögen ist, ein einsamer, misshandelter Mann, der jahrelang wie ein Tier gehalten wurde und nie eine Chance hatte mit anderen Menschen in gleichberechtigten Kontakt zu treten.
John Hurt gelingt es (obwohl er unter der Maske nicht mehr wiederzuerkennen ist) seiner Darstellung dieses gequälten Mannes, grosse Würde und Sensibilität zu geben, Eigenschaften, die ihn menschlicher und liebenswerter machen, als die meisten seiner Zeitgenossen, die ihn ihm nur das Schauobjekt sehen und die die wahren Monster sind.
David Lynch verfilmt hier eine historisch belegte Geschichte. Ihm gelang ein atmosphärisch dichtes und überaus packend erzähltes Werk mit grandiosen Schwarz-Weiß-Bildern.
"Der Elefantenmensch" ist eine Geschichte über menschliche Einsamkeit, über die Sehnsucht nach Geborgenheit inmitten einer brutalen, materialistischen Welt. Wenn John Merrick sagt, dass er nur geliebt werden will, so wie er ist, dann spricht er nicht nur für sich, sondern eigentlich für jeden von uns.
Gleichzeitig ist der Film ein Plädoyer dafür, Menschen nach ihrem Wesen und nicht ihrem Äusseren wahrzunehmen und zu beurteilen.