Aus der Amazon.de-Redaktion
Lange Jahre mussten eingefleischte Wiltianer auf ein Wiedersehen mit ihrem Helden warten. Nun endlich erscheint das vierte Buch um den antriebsschwachen Alkoholfreund und Collegelehrer Wilt, dessen nervende Kollegenschar und noch nervendere Brut. Tom Sharpe, Urgestein der Britsatire, gelingt das Kunststück, selbst in einer Welt, die ihn als Realsatire längst eingeholt hat, seine eigentümliche Giftmischung zu verspritzen. Wilts Reisen entpuppen sich so als seltsam romantischer Mix aus Miss Marple und Monty Python. Schwärzestes Lesevergnügen ist garantiert.
Kaum hat die Restfamilie den Flieger bestiegen, erfüllt sich Wilt einen alten Traum. Englands wildromantischer Westen will wandernd entdeckt werden. Selbstredend, dass dieses Vorhaben sehr bald im Schlick der Hochmoore absäuft. Aber auch Eva und die Vierlinge kommen nicht ungeschoren davon. Kaum auf amerikanischem Boden gelandet, werden sie zu unfreiwilligen Opfern wildgewordener US-Drogenfahnder. Von nun an blendet der Roman schicksalhaft zwischen beiden Seiten des Atlantik auf und ab. Gerät der wandernde und daueralkoholisierte Wilt in eine wüste Gemengelage zwischen einem adligen Perversling, einem Schattenminister und dessen fieser Gattin -- so verstößt überm Teich die Wiltsche Viererbande gegen fast jedes Reinheitsgebot des bigotten Erbonkels. Das Vermächtnis wackelt, der Kollaps ist nahe!
Ländliches England versus ländliches Amerika. Schräge Impressionen mit altmodischem Touch. Zusätzlich geschüttelt und gerührt von einem Tom Sharpe in Bestform. Großartig! --Ravi Unger
Kurzbeschreibung
Klappentext
The Times
"Mit diesem Buch meldet sich der unumstrittene Meister des britischen schwarzen Humors zurück!"
Mail on Sunday
"Auch der vierte Roman um den Unglücksraben ist turbulent und wunderbar boshaft."
Maxi
Über den Autor
Auszug aus Der Einfaltspinsel von Tom Sharpe, Hans M. Herzog. Copyright © 2005. Abdruck erfolgt mit freundlicher Genehmigung der Rechteinhaber. Alle Rechte vorbehalten.
bei einem Bier im Garten des Duck and Dragon saßen und
einem Ruderer nachsahen, der in seinem Boot den Fluss hinabglitt.
Es war Sommer, und die Abendsonne glitzerte auf dem
Wasser. "Nach dieser verdammten Krisensitzung musste ich
Johnson und Miss Flour erst einmal beibringen, dass sie den
Einsparungen zum Opfer fallen und ihre Jobs los sind. Und
nachdem man mir erst gesagt hatte, die Computerabteilung
werde den Stundenplan erstellen und ich müsse mich nicht mehr
darum kümmern, schickt mir der stellvertretende Direktor
heute ein Memo, in dem steht, es gebe irgendeinen Fehler in dem
Programm oder so was, und ich dürfe es wieder selbst machen."
"Man sollte meinen, wenn ein Computer für etwas gut ist,
dann dafür, Kurse einzuteilen und in die richtigen Räume zu
stecken. Das hat doch nur was mit Logik zu tun", sagte Braintree,
Fachbereichsleiter Englisch.
"Logik, dass ich nicht lache. Versuch mal, Mrs. Robbins mit
Logik zu kommen. Sie will nicht in Raum 156 unterrichten,
weil Laurence Seaforth gleich nebenan in 155 ist und ihre
Stimme nicht gegen den Heidenlärm ankommt, den sein Theaterkurs
veranstaltet. Und Seaforth will nicht umziehen, weil er
schon seit zehn Jahren in dem Raum ist und es nirgendwo eine
bessere Akustik gibt, um "Sein oder Nichtsein" oder die Rede
Heinrichs des Fünften in Azincourt in voller Lautstärke zu deklamieren.
Versuch mal, das von einem Computer berücksichtigen
zu lassen."
"Das ist der Faktor Mensch. Ich hatte die gleichen Probleme
mit Jackson und Ian Wesley. Sie sollen dieselben Klausuren
zensieren, und wenn Jackson einer Arbeit eine gute Note gibt,
erklärt Wesley unweigerlich, sie sei hundsmiserabel. Immer
wieder der Faktor Mensch."
"In meinem Fall eher der Faktor Unmensch", sagte Wilt.
"Ich habe mich breitschlagen lassen, Ms. Lashskirts Kurs
über Geschlechtsspezifisches Durchsetzungstraining zu unterrichten,
weil der Fachbereich Soziologie sich geweigert hat,
sie zu übernehmen und sie deshalb nun schon seit einem
Monat krank feiert. Versuch du mal, mit fünfzehn voll entwickelten
Schülerinnen klarzukommen, die wild entschlossen
sind, ihr Durchsetzungsvermögen unter Beweis zu stellen, und
die nicht erst lernen müssen, wie man das macht. Ich verlasse
diesen Kurs immer als gebrochener Mann. Letzte Woche habe
ich blöderweise gesagt, Frauen seien bei Ausschussberatungen
erfolgreicher als Männer, weil sie pausenlos redeten. Damit
hatte ich wahrlich in ein Wespennest gestochen. Und als ich
an dem Tag nach Hause kam, machte mir auch noch Eva die
Hölle heiß. Warum meint heutzutage jeder, man müsse so verdammt
aggressiv sein? Sieh dir das an."
Eine Motorbarkasse war um die Flussbiegung gekommen
und hatte das Boot des einsamen Ruderers unter Wasser gesetzt.
Er zog es ans Ufer, um es auszuschöpfen.
"Auf dem Fluss gilt eine Geschwindigkeitsbegrenzung, und
die hat dieser Mistkerl überschritten", sagte Braintree.
"Bei uns zu Hause gilt eine zeitliche Ausgehbegrenzung, und
die überschreite ich gerade", sagte Wilt. "Außerdem bekommen
wir heute noch Besuch. Egal. Wenn ich mich ohnehin verspäte,
kann ich mir genauso gut noch ein Bier genehmigen, um
das Donnerwetter abzufedern."
Er stand auf und betrat den Pub.
"Wer kommt denn heute Abend?", fragte Braintree, als Wilt
mit zwei großen Bieren zurückkam.
"Die üblichen Verdächtigen. Mavis und Patrick Mottram,
außerdem Elsa Ramsden mit einem neuen Jünger, der schreibt
und Gedichte rezitiert, nehme ich an. Nicht dass ich mich daran
beteilige. Ich muss schon tagsüber genug Mist über mich
ergehen lassen."
Braintree nickte. "Kürzlich haben mich La Lashskirt und
Ronnie Lann im Lehrerzimmer bearbeitet, ich sollte das Bewusstsein
der Schüler in Richtung Multisexualität erweitern.
Ich erwiderte, meine Schüler seien multisexuell viel bewusster,
als ich es bin oder jemals war, außerdem hätte ich Vorbehalte,
das Thema Sexualität so sehr in den Vordergrund zu stellen.
Lashskirt möchte einen Kurs über Oralsex und klitorale
Stimulation für Kindergärtnerinnen abhalten. Ich sagte nur:
zum Teufel damit."
"Ich kann mir nicht vorstellen, dass Mrs. Routledge damit
einverstanden ist. Sie wird ausrasten."
"Ist sie schon. Und noch dazu gegenüber dem Direktor bei
der Personalversammlung", sagte Braintree. "Hat gemeint, sie
würde die Angelegenheit dem Schulamt zur Kenntnis bringen,
mal sehen, wie denen das gefiele."
"Wie hat der Direktor darauf reagiert?", fragte Wilt.
"Der fand, wir dürften nicht den Anschluss an moderne
Ansichten und Praktiken verlieren und müssten neuen Schülern
etwas bieten. Heutzutage komme es nur auf Zahlen an.
Dann mischte sich der alte Major Millfield ein und sagte, widernatürlich
sei widernatürlich, und da es im Alten Testament
ausdrücklich verboten sei, wisse er nicht, wie man so etwas zu
einer modernen Praktik erklären könne. Und schon hatten
wir einen handfesten Krach."
Wilt trank sein Bier und schüttelte den Kopf.