"Der Eid der Kreuzritterin" ist ein historischer Roman von Ricarda Jordan. Hinter Ricarda Jordan verbirgt sich niemand anderes als Christiane Gohl, die auch unter den Pseudonymen Sarah Lark und Elisabeth Rotenberg schreibt. In der Regel werden Pseudonyme dazu verwendet, dem Autor einen neuen Markt zu öffnen, ohne dass er von Vorurteilen zu seinen bisherigen Werken verfolgt wird - umso mehr mag es auf den ersten Blick den Leser irritieren, dass bei "Der Eid der Kreuzritterin" auf dem Buchumschlag damit geworben wird, dass Bestsellerautorin Sarah Lark als Ricarda Jordan den Leser ins Mittelalter entführt.
Lässt man sich von dieser ersten Merkwürdigkeit nicht irritieren und widmet sich dem eigentlichen Buch und seiner Geschichte, findet man sich zurück in der Zeit versetzt. Als Schauplatz hat die Autorin das 13. Jahrhundert mit seinem geheimnisvollen Kinderkreuzzug ausgewählt. Der Kinderkreuzzug ist ein eher umstrittenes Ereignis der Geschichte, worauf Ricarda Jordan allerdings auch in ihrem Nachwort ausführlich eingeht. Doch ebenso wie in anderen historischen Romanen, in denen er aufgegriffen wurde, verkörpert er auch in "Der Eid der Kreuzritterin" einen Traum - ebenso wie bei seinem großen Bruder, dem "normalen" Kreuzzug, ist es oft die große Verheißung auf Ruhm, Ehre und vor allem Macht und Reichtümer, die die Leute anzieht sich ihm anzuschließen.
Ricarda Jordans Hauptfiguren sind da keine Ausnahme, auch wenn ihre Hoffnungen oft eher ehrenhafter Natur sind, aber hier hat Ricarda Jordan für eine ausgeglichene Mischung gesorgt, sowohl was Charaktere als auch Streben ihrer Hauptfiguren angeht.
So umstritten die historische Grundlage des Kinderkreuzzuges ist, so umstritten sind auch die Reaktionen, an den Ricarda Jordan den Leser teilhaben lässt - von vielen Außenstehenden wird der Kreuzzug belächelt oder schlichtweg ignoriert und im schlimmsten Fall gefürchtet. Doch für die Teilnehmenden bedeutet er viel mehr, da die meisten Teilnehmer mittelos sind und ein Kind unter der Knute einiger Mönche kaum dazu geeignet ist, einen Kreuzzug von dieser Größe zu organisieren, ist die Geschichte an der der Leser teilhat, nur zu oft tragisch - viele Randfiguren fallen den erbärmlichen Zuständen zum Opfer und sterben an Hunger, Entbehrung, Entkräftung oder einfach an Krankheiten. Während der Leser mit den kleinen oder großen Tragödien der Hauptfiguren beschäftigt ist, stellt dieses oft sinnlose Sterben einen festen Teil der Grundstimmung dar, die dieses Buch ausmacht und ihm seine Tiefe verleiht.
Aber trotz aller Dramatik darf natürlich nicht die Liebe fehlen, auch wenn sie vielleicht gerade neben den anderen Geschehnissen eher rosarot und etwas übertrieben wirken kann, da es teilweise zu einfach ist.
Alles in allem hat Ricarda Jordan mit "Der Eid der Kreuzritterin" eine interessante Mischung geschaffen, die sowohl jugendliche als auch erwachsene Leser anspricht durch die gewählten Charaktere, die auf der Schwelle zwischen beiden Stufen stehen. Zusätzlichen Charme bekommt das Buch dadurch, dass der Kreuzzug und die Umstände nicht beschönigt werden, auch wenn die Hauptfiguren vom Schlimmsten verschont bleiben. Und genau diese Kombination aus Realität, etwas Dramatik und einem Schuss rosaroter Liebe ist es, die dieses Buch durchaus lesenswert macht.