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Der Ego-Tunnel: Eine neue Philosophie des Selbst: Von der Hirnforschung zur Bewusstseinsethik
 
 

Der Ego-Tunnel: Eine neue Philosophie des Selbst: Von der Hirnforschung zur Bewusstseinsethik [Kindle Edition]

Thomas Metzinger , Thorsten Schmidt
4.2 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (37 Kundenrezensionen)

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Produktbeschreibungen

Pressestimmen

"Ein kluges und gewichtiges Buch. Was der Leser in diesem Buch erfährt, kann ihm helfen, sich selbst und die Welt etwas besser zu verstehen." (Süddeutsche Zeitung )

"Dieses Buch zu lesen ist ein bereicherndes Erlebnis." (Die Zeit )

Kurzbeschreibung

Die Erkenntnisse der Hirn- und Bewusstseinsforschung zeigen für Thomas Metzinger, dass unser „Selbst" ein Konstrukt unseres Gehirns ist. Was bedeutet das für unser Menschenbild? Brauchen wir neben der Neuroethik eine Bewusstseinsethik? Wir stellen uns unser „Selbst" als etwas Eigenständiges vor, als einen Kern, der wir im Innersten sind. In seinem Buch Der Ego-Tunnel zeigt der Philosoph und Bewusstseinsforscher Thomas Metzinger dagegen: Dieses „Selbst" existiert gar nicht. Das bewusst erlebte Ich wird lediglich von unserem Gehirn erzeugt, und was wir wahrnehmen, ist nichts als „ein virtuelles Selbst in einer virtuellen Realität". Zum Beleg liefert Metzinger eine Vielzahl von Beobachtungen aus den Neuro- und Kognitionswissenschaften. So haben manche Menschen, denen von Geburt an ein Arm oder Bein fehlt, oft dennoch die Empfindung, diese Gliedmaßen tatsächlich zu besitzen. Oder es ist - mit Hilfe moderner Technik - sogar möglich, das elementare Ichgefühl in ein computergeneriertes dreidimensionales Bild des eigenen Körpers im Cyberspace hineinzuversetzen. Wenn es stimmt, dass unser erlebtes Ichgefühl eine Schöpfung unserer Hirnfunktionen ist und dass sich unsere subjektive Wirklichkeit bald immer genauer manipulieren lässt, dann wirft dies drängende Fragen auf: Gibt es überhaupt so etwas wie eine Seele und einen freien Willen? Werden auch Roboter bald Selbstbewusstsein besitzen? Thomas Metzinger führt den Leser in die moderne Bewusstseinsforschung ein und macht ihn mit den für die Diskussionen der Zukunft wichtigen Fragen vertraut. In einer Zeit, in der Hirnforschung, Kognitionswissenschaften und Neuroethik so kontrovers diskutiert werden wie einst die Evolutionstheorie, eröffnet Der Ego-Tunnel einen ebenso faszinierenden wie fundierten Zugang zur geheimnisvollen Welt des menschlichen Geistes.

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144 von 161 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Philosophie vom Feinsten 24. September 2009
Von R. Ritter
Format:Gebundene Ausgabe
Was ist der Kern unseres Bewusstseins? Was ist das, was meine Augen benutzt, um in die Welt hinauszuschauen? Diese Frage interessiert mich schon seit über zehn Jahren. In diesem Buch kann mir Thomas Metzinger leider keine Antwort darauf geben.

Was er jedoch sehr gut darstellt und erklärt, ist die Art und Weise wie mein Gehirn die Welt konstruiert, in der ich lebe. Jeder lebt in seiner eigenen subjektiven Welt und ist darauf angewiesen, dass die Informationen, die er über seine Sinneskanäle erhält, vom Gehirn gefiltert werden. Ohne diese neuronalen Filter könnten wir uns nicht mehr zurechtfinden, da wir mit der Reizüberflutung heillos überfordert wären. Das Gehirn bahnt uns also einen "Weg" durch diese Flut an Informationen: den Ego-Tunnel.
Das was wir durch diesen Tunnel erleben, ist jedoch nicht die objektive Realität selbst, sondern nur eine Art "innere Welt", die vollständig vom Gehirn erzeugt und gewissermaßen nur an die "Außenwelt" angepasst wird. Unser Körper ist auch Teil dieser simulierten Realität. Das zeigt sich z.B. nach Amputationen, wenn die betroffenen Personen die entsprechenden Gliedmaßen noch "fühlen" können, obwohl diese gar nicht mehr existieren.
Auch im Traum bewegen wir uns in solch einer inneren Welt. Nur fehlt uns dann der "Input" über unsere Sinneskanäle, ohne den eine Anpassung an die reale Außenwelt jedoch nicht stattfinden kann. Das erklärt die oftmals surrealen Situationen, in die wir im Traum gelangen können. Eine besondere Form des Träumens ist der Klartraum (Lucid Dream), in dem wir uns der Tatsache bewusst werden, dass wir träumen. Ich habe das große Glück, soetwas schon einmal erlebt zu haben und kann daher aus eigener Erfahrung bestätigen, was Metzinger zu diesem Thema schreibt. Die Qualität des Traumerlebens ändert sich fundamental! Bis zum Moment des realen Erwachens hat man den Eindruck, dass das was man durchlebt tatsächlich passiert - obwohl man sich bewusst ist, dass man träumt!
Neu war für mich folgender Gedanke: Könnte es nicht sein, dass das Phänomen der "außerkörperlichen Erfahrung" nur eine Sonderform des Klartraums ist, bei der man eben nicht realisiert, dass man träumt?

Das Buch ist in drei Teile gegliedert. Im ersten Teil erläutert Metzinger das Phänomen Bewusstsein und sein Modell "Ego-Tunnel". Der zweite Teil informiert den Leser über den aktuellen Stand der Forschung in den entsprechenden naturwissenschaftlichen Fachgebieten und die Bedeutung der dort gewonnenen Erkenntnisse für die Philosophie des Geistes. Dies wird anhand einiger Experimente deutlich gemacht, die sehr gut erklärt sind und dem Leser einen Einblick in die derzeitige Forschungspraxis gewähren. Im letzten Teil des Buches zieht er Schlussfolgerungen für unser Bild vom "Ego" und betrachtet die Möglichkeit zukünftiger künstlicher "Ego-Maschinen", die seiner Ansicht nach fast zwangsläufig Bewusstsein entwickeln werden. Wie sollen wir damit umgehen? Dürften wir solche Maschinen bauen und wenn ja: Dürften wir sie wieder abschalten? Für solche und ähnliche Fragestellungen wie z.B. unseren Umgang mit den neuen bewusstseinsverändernden Substanzen brauchen wir eine neue Art von Ethik: Bewusstseinsethik. (Darf es "illegale" Bewusstseinszustände geben?)

"Der Ego-Tunnel" ist ein auch für den Laien gut verständliches sehr informatives Buch, das zum Weiterdenken anregt. Ich kann es allen wärmstens empfehlen, die sich mit den Themen Bewusstsein, Hirnforschung oder Philosophie befassen.

Ergänzung (30.09.2009):
Laut Metzinger simuliert uns das Gehirn nicht nur die Welt, in der wir leben, sondern auch unser "Selbst". Die Hauptthese des Buches, nach der dieses Selbst gar nicht existiert, da es ein Konstrukt des Gehirns ist, kann ich durchaus nachvollziehen. Doch wem erscheint dann eine Welt? Was ist der Kern meines Bewusstseins?
Das "Wer-Problem" (Seite 97), muss auch der Autor zugeben, "ist das tiefste Rätsel der Bewusstseinsforschung". Ich persönlich bezweifle, dass wir es jemals lösen werden.
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6 von 6 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Format:Taschenbuch
Metzinger stellt in dieser Monographie die Ergebnisse der Neurophysiologie und der Philosophie des Geistes zur Bewußtseinsforschung vor. Sein Ansatz ist naturalistisch. Ausgangspunkt: "Ein Ego-Tunnel ist ein Bewußtseins-Tunnel, der die zusätzliche Eigenschaft entwickelt hat, eine stabile Erste-Person-Perspektive zu erzeugen, eine subjektive Sicht auf die Welt. Es ist ein Bewußtseins-Tunnel plus das Erscheinen eines phänomenalen Selbst." ( S. 28)

Allgemein ist Bewußtsein das Erscheinen einer Welt. Es ist kulturell eingebettet, graduell (tritt in variierenden Stärkegraden auf) und besitzt verschiedene Aspekte: Gedächtnis, Aufmerksamkeit, Gefühle, Wahrnehmungen, Selbstbewußtsein usw. Metzinger stellt in einer Tour durch den 'Tunnel' die verschiedenen Konfliktfelder vor: Wie aus dem rhythmischen Feuern der Nervenzellen sich selbst metarepräsentierende Bewußtseinszustände entstehen, wie bewußte Repräsentationen einen illusionären Punkt der Gegenwärtigkeit benötigen, wie die Transparenz des Weltmodells in unserem Kopf uns zu naiven Realisten werden läßt, daß wir selbst für die einfachsten Bewußtseinszustände (z.B. Farbwahrnehmungen) keine instrospektiven Identitätskriterien besitzen, wie Bewußtsein evolutionär als 'virtuelles Organ' entstand und ob es bewußte Erlebnisse ohne erlebendes Selbst gibt.

Das grundlegendste Selbstgefühl ist das Bild des Körpers in Raum und Zeit plus Transparenz. Der Organismus repräsentiert sich im Gehirn als Ganzheit, das Körpermodell wurde global verfügbar, zugänglich für bewußtes Erleben. Dieses Selbstmodell und die Kontrolle der eigenen Aufmerksamkeit ('attentionale Agentivität') ermöglichte Erweiterungsphänomene wie die 'Gummihand-Illusion' oder außerkörperliche Erfahrungen, aber auch mühelosen Werkzeuggebrauch, die Fähigkeit, sich in einer virtuellen Umgebung als anwesend zu erleben und sich künstliche Handlungsinstrumente anzueignen und sie mit dem Gehirn zu kontrollieren.

Bemerkenswerterweise ist Denken ursprünglich ein motorischer Vorgang. Gedanken sind Modelle erfolgreich beendeter Handlungen, abstrakte Formen des Ergreifens. Und 'Denken' ist größtenteils subpersonal, ein innerer Monolog aus Erinnerungen, Bewertungen und kleinen Geschichten! Es hat eher mit Musterverarbeitung und einem dauernden Wettstreit zwischen inneren Bildern zu tun. Das Ego dient dem Organismus zur Erklärung und narrativen Darstellung innerer wie äußerer Handlungen, zur Voraussage des eigenen Verhaltens, und zur Überwachung kritischer Systemeigenschaften.

Metzinger macht interessante Anmerkungen zu dem Streit zwischen Determinismus und Willensfreiheit und führt in die neuesten Forschungen zu 'Spiegelneuronen' ein, die selbst dann 'feuern', wenn wir andere Personen bei einer Handlung nur beobachten. Spiegelneuronensysteme existieren auch für Gefühle und Vernunft. Sie erlauben uns, andere Menschen ebenfalls als Egos zu erleben. Der Autor erörtert die Frage, unter welchen Bedingungen postbiotische 'Ego-Maschinen' möglicherweise zu Erlebnissubjekten werden und welche moralischen Konsequenzen das hätte, weist auf den 'kognitiven Gesichtsfeldausfall' der Gegenwartsphilosophie hin, die Leid und Schmerz aus ihrem Gegenstandsbereich ausklammert, und betont den Widerspruch zwischen den Ergebnissen der Neurophysiologie (Wir sind selbstlose Ego-Maschinen) und dem uns biologisch eingebrannten Überlebensimperativ: Das Ego ist ein System, das der eigenen Existenz einen fast unendlichen Wert beimißt und aus Sehnsucht nach Unsterblichkeit besteht. Abschließend entwirft er eine 'Bewußtseinsethik' für den Umgang mit dem sich abzeichnenden 'Phenospace' und problematisiert den zukünftigen Kampf um die begrenzte Ressource 'Aufmerksamkeit', der eine 'Neurodidaktik' erforderlich macht.

Das Werk verbindet inhaltliche Tiefe mit thematischer Weite. Es ist ausgezeichnet verständlich, ja unterhaltsam, und ich kann es vorbehaltlos allen an Bewußtseinsforschung und der Philosophie des Ichs interessierten Menschen empfehlen. Gewünscht hätte ich mir, daß der Autor die Gefahren erweiterter Zugriffe auf das Bewußtsein (die er sehr wohl sieht) noch etwas stärker akzentuiert. Erstaunlicherweise stellt Metzinger die Frage, was den Übergang zum bewußten Selbstmodell des Menschen möglich gemacht hat. Dies ist selbstverständlich unsere propositionale Symbol- und Satzsprache, die mit ihrer Fähigkeit zur Objektivierung einerseits beliebige Wirklichkeitskonstruktionen erlaubt und andererseits zur Emergenz eines Werteuniversums mit unauflösbaren Wertekonflikten führt. Weiterführend: MITHEN, Steven: Prehistory of the Mind: A Search for the Origins of Art, Religion and Science (1996), derselbe: Singing Neanderthals: The Origins of Music, Language, Mind and Body (2006), TOPITSCH, Ernst: Erkenntnis und Illusion: Grundstrukturen unserer Weltauffassung (1988²), EIBL, Karl: Animal Poeta - Bausteine der biologischen Kultur- und Literaturtheorie (2004) und TUGENDHAT, Ernst: Egozentrizität und Mystik: Eine anthropologische Studie (2003)
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94 von 110 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Von ATT
Format:Gebundene Ausgabe
In den ersten beiden Teilen seines Buches gibt Thomas Metzinger einen fundierten und durch eine beeindruckende Zahl von Literaturhinweisen untermauerten Einblick in die moderne Hirn- und Bewusstseinsforschung sowie in sein Modell vom Ego-Tunnel. An der Qualität gibt es nichts zu rütteln. Schwachpunkt des Buches ist m.E. der dritte Teil mit dem Titel "Die Bewusstseinsrevolution". Hierzu vier Kritikpunkte:
1. Mit seiner Spekulation über künstliche Ego-Maschinen macht der Philosoph Metzinger den zweiten Schritt vor dem ersten, obwohl er in seinem Buch selber mehrfach betont, dass zunächst einmal eine philosophische Begleitung und Grundlegung der neuen Erkenntnisse der Hirn- und Bewusstseinsforschung vordringlich seien. Die verschiedenen Wissenschaften haben noch nicht einmal eine eindeutige, geschweige denn einmütige Definition von Selbst und Ich - da sind künstliche Ego-Maschinen kein akutes Problem.
2. Obwohl im Untertitel des Buches eine "Bewusstseinsethik" als thematisches Ziel genannt wird, bleibt Metzinger eben diese schuldig. Er stellt nur endlose Reihen von Fragen, die die Notwendigkeit einer solchen Ethik deutlich machen sollen, gepaart mit einigen einfachen Beispielen. Diese Fragen hat er vor wenigen Jahren wortgleich schon an anderer Stelle gestellt. Gibt es keine neuen Erkenntnisse? Seine Aussage "Ich habe meine Vorstellungen darüber, was ein wertvoller Bewusstseinszustand sein könnte, und Sie haben Ihre" (S. 333) ist banal. Natürlich kann er auch als Philosoph keine Vorgaben machen, aber wenn er nur "einige Grundideen skizziert" (ebd.), ist das für ein Buch mit diesem Untertitel zu wenig.
3. Metzingers Darstellungen bewusstseinsverändernder Drogen grenzen stellenweise an Schwärmerei für diese Substanzen, manches Mal erscheinen sie mir sogar naiv. Dieses sehe ich sehr kritisch (s.o. Punkt 1).
4. Als unnötig empfinde ich die an mehreren Stellen durchbrechende und m.E. unkontrollierte Polemik gegen die Kirchen, gegen Religion und gegen deren Vertreter (Spiritualität gut, Kirchen/Religion böse). Hier treten eindimensionale Klischees zu Tage, die dem Thema des Buches abträglich und in dieser Form eines Philosophen nicht würdig sind. Seine Warnungen vor einem "spirituellen Vakkum" sind nachdenkenswert, bedürfen aber keiner Polemik.

Die Lektüre dieses Buches war lehrreich, für mich sind viele Fragen aufgeworfen worden, zu manchen hätte ich mir hilfreichere Denk- und Lösungsangebote gewünscht. Ich bin gespannt auf das, was Metzinger noch veröffentlichen wird.
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