Ein fast moderner Roman
Zu Beginn des 20. Jahrhunderts wandert Jurgis mit seiner Familie aus Litauen in die Vereinigten Staaten nach Amerika Chicago aus. So wie in der Geschichte oft praktiziert, wurde den Menschen über Mundpropaganda im Ausland ein freies Leben mit der Aussicht auf Reichtum versprochen.
Jurgis hat den Wunsch zu arbeiten, zu heiraten und mit seiner Familie ein nach seinen Vorstellungen normales Leben zu führen.
Groß ist der Schock, die diese Familie bei ihrem Eintreffen erlebt.
Graue und hässliche Landschaften, sowie unermesslicher Gestank, der über Chicago und seinen Schlachthöfen liegt, lassen erste unangenehme Gefühle zu.
Jedoch faszinieren Jurgis die gut durchdachten riesigen Anlagen der Schlachthöfe.
Seine Gedanken streifen aber auch die Grausamkeiten, die an den Tieren begangen werden. Noch nimmt er die entsetzlichen Schreie wahr, die die Tiere von sich geben, bevor sie ihr Leben beenden müssen.
Jurgis ist ein ganz normaler Mensch, der leben möchte. Er streift alle diese Gedanken ab. Er muss arbeiten und für seine Familie eine Existenz aufbauen und sein Wunsch ist es ein Teil dieses Getriebes werden.
Mit seiner körperlichen Stärke und seinem Arbeitswillen wird er dann auch eines der kleinsten Rädchen in einer riesengroßen Maschinerie.
In seinem Leben muss Jurgis eine Wahrheit erfahren, die er nicht annähernd für möglich gehalten hätte. Der Mensch ist nichts wert.
Sowie dem Tier im Schlachthof alles genommen und verarbeitet wird, ob genießbar oder nicht, wird auch den Arbeitern alles genommen. Selbstverständlich hat das so zur Stärkung der führenden industriellen Großmächte zu sein! Es bleibt nichts übrig. Alles wird verbraucht. Nicht ein kleines Stück Würde. Einem am Boden liegenden Menschen kann man immer noch etwas nehmen und es findet sich ein Mensch, der das tut. Sei es aus Gier oder aus purer Lebenslust".
Der Einfallsreichtum der Menschen dazu ist groß und das Verhalten passt sich dem Bedarf an. Die Korruption hat Hochkonjunktur.
Man kann sich nicht gegen den Eindruck wehren, dass das Wort Menschenwürde" nur zeitweise einen Zugang zum Gehirn des Vernunftbegabten" hat. Und in dem Moment, wo der Mensch die Chance dazu erhält einen anderen auszubeuten, schiebt sich automatisch eine Blockade davor, die ihm den Bezug zur Realität verbietet. Wie auch immer.
Jurgis klammert sich zum Ende der Geschichte an die Idee des Sozialismus. Was er sicher nicht bedacht hat, ist, das auch an dieser Idee und zuletzt an der Umsetzung Menschen mitwirken.
Beim Lesen plagten mich ständig Assoziationen zur heutigen und zu allen Zeiten. Glücklich hat mich gemacht, dass nach dem Erscheinen des Buches, sich die Hygienevorschriften in den Schlachthöfen geändert haben sollen. Besonders betroffen hat mich gemacht, dass es das Einzige war, was die Menschen damals nach dem Lesen beunruhigt hat. Das Buch ist insofern auch irgendwie modern.