Es wird Zeit, dass dieser eindrucksvolle Film endlich wieder zu seinem Publikum findet.
1972 gedreht, verschwand er zu DDR-Zeiten irgendwann in der Versenkung. Es mag einerseits an der Darstellung des unorthodoxen Lebenswandels der beiden Hauptdarstellerinnen, die nicht in die Theorie von der "Familie als kleinster Zelle der sozialistischen Gesellschaft" passten, oder auch an der Atmosphäre eines Diakonissenhauses, mit deren (in vielen Bereichen der sozialen Versorgung notwendiger!) Existenz man sich in der DDR schwer tat, und andererseits an der Haltung des Regisseurs Egon Günther gelegen haben, der, obwohl SED-Mitglied, zuvor bereits mehrfach in Ungnade gefallen war, weil seine filmische Lesart nicht in das Konzept dessen passte, was in der DDR offiziell unter sozialistischer Menschendarstellung verstanden wurde, und der daraufhin die DDR ebenso verließ, um fortan in der damaligen BRD zu arbeiten, wie Jutta Hoffmann und Armin Müller-Stahl. Dies alles bot wohl in den Augen der DDR-Oberen zu viel potentiellen Zünd- und Kritikstoff.
Wieder haben wir es mit einer Produktion zu tun, die von schauspielerischer Extraklasse lebt. In der Besetzungsliste liest man große Namen, die jede Rolle mit ihrer unverwechselbaren Darstellungsweise prägten: Rolf Ludwig, Armin Mueller-Stahl, Erika Pelikowsky, Christine Schorn, Klaus Manchen, Jaecki Schwarz, Fred Delmare, Jutta Hoffmann und, im Hinblick auf diesen Film oft zu Unrecht an zweite Stelle gesetzt, Barbara Dittus. Für die leider früh (Juni 2001)verstorbene große Charakterdarstellerin aus Theater und Film fand Henryk Goldberg in seinem Nachruf schöne Worte und Bilder, die in dieser Rezension noch einmal zitiert sein sollen:
"Jede Frau braucht eine beste Freundin für die ernsten Probleme des Lebens, die Männer also. Margit hat Lucie. Die beiden Frauen, als das mit den Männern sehr verworren scheint, küssen einander, sanft und zärtlich und ein wenig verlegen. [...] Margit, das war Jutta Hoffmann, Lucie das war Barbara Dittus. [...] Barbara Dittus hat /im Film; cdf/ eher selten die ganz großen, die tragenden Rollen gespielt aber sie war von einer Kraft, die sie erinnerlich bleiben ließ als Bezugspunkt der Hauptrollen. Das Gesicht, mit dem sie Jutta Hoffmann küsste, wird länger leben als die Erinnerung an des Kinos nackte Leiber."(Quelle: http://www.getidan.de/schauspieler/henryk_goldberg/11573/barbara-dittus-11-07-1939)