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Der Drachenprinz
 
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Der Drachenprinz [Gebundene Ausgabe]

Florian Russi
5.0 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (1 Kundenrezension)

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Produktinformation

  • Gebundene Ausgabe: 222 Seiten
  • Verlag: Bertuch Verlag (20. August 2004)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3937601082
  • ISBN-13: 978-3937601083
  • Durchschnittliche Kundenbewertung: 5.0 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (1 Kundenrezension)
  • Amazon Bestseller-Rang: Nr. 2.992.258 in Bücher (Siehe Top 100 in Bücher)

Produktbeschreibungen

Kurzbeschreibung

Ins volle Leben greifen diese Geschichten. Liebe und Hass, Freude und Leid, Solidarität und Hinterlist, Tugend und Skrupellosigkeit, Verrat, Rache, Mord, Gier, Mobbing, Impotenz… Kaum ein Thema wird ausgespart. Warum verlässt Kaiser Rotbart nicht den Kyffhäuser, um Deutschland aus seiner Krise zu retten? Weshalb wartet ein heidnischer Germanenstamm sehnsüchtig auf den Mann, der ihm das Christentum bringen will? Wieso werden in Gräfenroda Zwerge hergestellt? Was geschah während der Wende - von 1945 ? Womit half Wotan nach der zweiten großen Wende den Arbeitslosen? Dieses Buch gibt unerwartete Antworten. Die Erzählungen sind voller Fantasie und doch zielgerichtet, ohne Schnörkel. Einige sind romantisch und gefühlvoll, die meisten bösartig, grausam, scheinbar unmoralisch. Ethik heißt dann: Verhindere, dass man dir Unrecht tut.

Viele Dinge gibt es in der Mitte Deutschlands, die erklärt und gewürdigt werden müssen. Jeder Baum und Strauch, jeder Fels und Hügel, Flüsse und Teiche, Brücken und Hütten, Pflanzen und Steine, alle haben ihre eigene Geschichte und Geschichten. Wenn man sie reden lässt, hören sie nicht mehr auf zu erzählen. - Florian Russi hat zugehört. Ein Lesevergnügen.

Prolog. Abdruck erfolgt mit freundlicher Genehmigung der Rechteinhaber. Alle Rechte vorbehalten.

„Viele Dinge gibt es in der Mitte Deutschlands, die erklärt und gewürdigt werden müssen. Jeder Baum und Strauch, jeder Fels und Hügel, Flüsse und Teiche, Brücken und Hütten, Pflanzen und Steine, alle haben ihre eigene Geschichte und Geschichten. Wenn man sie reden lässt, hören sie nicht mehr auf zu erzählen.“ Florian Russi widmet sich diesen Gegenständen und Phänomenen, erfindet Geschichten wie zum Beispiel über Drachen, die in der heutigen Zeit nun Jünglingen und nicht mehr Jungfrauen zusetzen, über den Streit zweier Riesen, die ihr Unwesen in der Gegend vom Inselberg bis zum Brocken getrieben haben und deren Schlossmauern zum Bau der Stadt Erfurt gedient haben sollen. In ätiologischen Sagen soll erklärt werden, warum in Gräfenroda Gartenzwerge hergestellt werden und die Häuser im Dorf Tiefengruben um den Marktplatz gruppiert stehen. Neben diesen ganz neu erzählten Geschichten bedient sich Russi aber auch altem Sagen- und Legendengut. Die Geschichte der Heiligen Agatha von Catania ist Grundlage für eine neue Heiligenlegende über die erste Heilige im Stamm der Hermanduren, die im heutigen Thüringen gelebt haben. Mit neuem Witz, aber auch der Tragik des Erzählmotivs der unschuldig Verleumdeten wird das Schicksal eines jungen, gutgläubigen Mädchens erzählt, das eigentlich ein frommes, gottesfürchtiges Leben führen wollte und zum Spielball der damaligen Machtstrukturen wird. Auch die vielfach literarisch verarbeitete Bergentrückungssage vom Kyffhäuser erfährt eine Neubearbeitung. Kaiser Friedrich I., auch Barbarossa genannt, sitzt laut der Sage mit seinen Untertanen im Berg und wird zu gegebener Zeit erwachen, um das Reich zu retten und zu neuer Herrlichkeit zu führen. Im 19. Jahrhundert wird die Sage mit aktuellen politischen Forderungen nach einem Nationalstaat verknüpft, so entsteht 1817 die wohl bekannteste Adaption von Friedrich Rückert „Der alte Barbarossa“. Nach der Reichseinigung von 1871 nimmt die Sage Bezug auf das Weltmachstreben des deutschen Kaiserreichs unter Wilhelm II. Auch Russi versieht den alten Erzählstoff mit einer aktuellen politischen Intentio, indem er die Frage in „Kaiser Rotbarts Raben“ aufwirft, wann denn endlich nach Weltkriegen, Völkermord, Schreckensherrschaften, wirtschaftlichen Krisen und Zerstörung der Natur durch den Menschen der richtige Zeitpunkt für den Kaiser gekommen sei, zu handeln. Die Geschichten aus der Mitte Deutschlands zeichnen sich vor allem durch ihre Vielschichtigkeit aus: Erzählungen über Ritter und Burgen, Fabelhaftes über Riesen und Zwerge – aber auch der selbstironische Witz einer jüdischen Geschichte fehlt nicht. (Die meisten Erzählungen sind jedoch grausam, brutal und oft unmoralisch. Das Gesetz des Stärkeren herrscht und bestimmt über Schicksale, Ethik und Moral werden hinterfragt. Russi gibt mit seinen Geschichten ohne Zweifel unerwartete Antworten auf Geschehnisse, zwischenmenschliche Beziehungen und ungewöhnliche Erscheinungen des Thüringer Landes.)

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Die hilfreichsten Kundenrezensionen
2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Florian Russi, Der Drachenprinz

Russis „Geschichten aus der Mitte Deutschlands" sind schöne poetische Erfindungen, die den Leser bei der ewigen Suche nach persönlicher Identität begleiten und bestärken. Sie sind in der nach der Wende neugewonnenen Mitte Deutschlands angesiedelt, und gleichzeitig ist diese „Mitte Deutschlands" ein fiktives, ein imaginäres Bild, das Verlangen hervorruft nach dem alten Einssein mit Land und Stein und Baum, welches es wahrscheinlich nie gegeben hat, nach welchem sich die Menschen aber stets gesehnt haben. So sind die meisten Geschichten in einem echten Sinne romantisch.
Der Autor bedient sich mit Stilbewusstsein der Sprache der Sagen und Legenden und versteht es gleichzeitig, den Leser aufzuschrecken und mit ironischer Distanz wieder aus seiner Versenkung zu holen, wenn er zum Beispiel in der Geschichte „Der letzte Wolf" den Wolf Bero überlegen lässt (vor zweihundert Jahren!) : „Sein genetisches Erbe weiterzugeben war nicht mehr möglich..." (S. 162)

Viele der Geschichten sind skurril und überraschen den Leser mit unerwarteten, auch grausamen Wendungen. Dennoch beendet man die Lektüre des Buches getröstet und vertraut darauf, dass, wie es am Ende heißt, „die Menschen, diese kleinen Wesen auf dem Staubkorn Erde, im unendlichen Weltall auch zu Großem fähig sind." (S. 222). Ob die Geschichten wahr sind? Natürlich sind sie wahr, sonst hätten sie doch nicht erzählt werden können.
Dieter Stockmann hat schöne Zeichnungen gemacht. Das Buch ist sorgfältig ediert und großzügig ausgestattet.
Russi, Florian. 2004. Der Drachenprinz. Geschichten aus der Mitte Deutschlands, mit Zeichnungen von Dieter Stockmann. Weimar: Bertuch Verlag.

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