Ben hat in seinem jungen Leben schon einiges durchgemacht. Seine Mutter war eine Trinkerin und seit sie gestorben ist, muss er sich ganz alleine durchs Leben schlagen. Trotzdem hält er sich wacker: Er hat eins der leeren Häuser bezogen, das zurückgeblieben ist, als die Mine im Dorf geschlossen wurde und alle Arbeiter Trollfurt verlassen hatten. Er lebt von dem, was er finden kann, angelt mal ein paar Fische oder stiehlt sich ab und an einen Apfel. Zur Schule geht er nicht, das kann er sich einfach nicht leisten, doch besondere Lust hat er auf den Unterricht sowieso nicht. Aufgrund seines Lebenswandels ist er bei den Dorfkindern natürlich nicht sehr hoch angesehen, nur Yanko hält uneingeschränkt zu ihm. Der Sohn des Schmieds lässt sich von niemandem sagen, in wessen Gesellschaft er seine Zeit verbringen soll.
Als eines Tages ein reicher Mann samt seiner Familie nach Trollfurt kommt, ändert sich für Ben alles. Die Familie hat einen Drachen bei sich und für den Jungen gibt es nichts, was ihn mehr begeistert, als die geschuppten Riesenechsen. Als kleines Kind hat er einen Drachenritter gesehen und wünscht sich seither nichts sehnlicher, als selbst eines dieser hoch angesehen Mitglieder des Drachenordens zu werden. Die Ritter schlagen den Drachen die Flügel ab und erlösen sie so von ihrem Fluch, der sie zu gefährlichen Bestien macht. So erlöst lassen sie sich leicht zähmen und sind friedliche Freunde des Menschen. Doch alles kommt anders, als Ben es erwartet hat. Er ist nicht nur arm und hat deswegen schlechte Chancen beim Orden, er wird auch noch eines Verbrechens bezichtigt, das er nicht begangen hat, und muss Trollfurt fluchtartig verlassen. Auf seiner Flucht trifft er jedoch neue Freunde und lernt, dass nicht immer alles das ist, was es zu sein scheint.
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Mit "Der Drachenflüsterer" hat Boris Koch ein außergewöhnlich humorvolles Fantasybuch geschaffen, das sich vor allen Dingen an Jugendliche richtet (und hier bevorzugt an Jungs), doch auch Erwachsene können mit dem Roman jede Menge Spaß haben. Hat man einmal mit der Lektüre begonnen, mag man das Buch kaum mehr aus der Hand legen. Es liest sich sehr flüssig und man möchte einfach wissen, wie es weiter geht. Den Protagonisten Ben hat man schnell ins Herz geschlossen. Er ist keiner der typischen Helden, sondern ganz im Gegenteil widerfährt ihm ziemlich viel schlechtes. Und gerade wenn man glaubt, schlimmer geht es nicht mehr, setzt der Autor doch noch einen drauf.
Das eigentliche Highlight der Geschichte sind die Drachen, besonders der, mit dem sich Ben (natürlich) anfreundet. Die Idee erinnert ein wenig an den Film "Dragonheart", in dem der Drache, ebenso wie hier, ein völlig missverstandenes Wesen darstellt, und sich sowohl als wortgewandt als auch als humorvoller Sprücheklopfer erweist. Bei all dem Augenzwinkern gelingt es Boris Koch trotzdem, eine packende Geschichte zu erzählen. Besonders die Idee der Herkunft der Drachen ist wunderschön erdacht. Und natürlich dar auch eine kleine Romanze am Rande nicht fehlen, wobei sich die genauso überraschend entwickelt, wie der Rest der Erzählung.
Allen Drachenfreunden kann man den "Drachenflüsterer" wirklich sehr empfehlen. Wer bei der flachsigen Titelparodie auf "Der Pferdeflüsterer" reinen Klamauk erwartet, liegt auf jeden Fall falsch, denn der Roman hat tatsächlich wesentlich mehr zu bieten. Das Ende ist zum Teil offen, so dass die Geschichte zwar abgeschlossen ist, aber dem Leser genug Raum bietet, um seine eigenen Gedanken fliegen zu lassen und dem Autor die Möglichkeit gibt, seinen Roman weiterzudichten. Außerdem ist "Der Drachenflüsterer" zu einem besonders günstigen Preis in der gebundenen Ausgabe erhältlich. Fazit: Zugreifen und Spaß haben.