Als ich das Buch an einem Strand gelesen habe, sah ich desöfteren vorbeigehende Männer, die zum Buchcover schielten. Völlig verständlich. Das Foto und der darüber stehende Titel lassen viele Fragen offen, auf dessen Lösung man in den nächsten kurzweiligen Stunden hofft. Der Autor hat sich damit Zeit gelassen. Die Affen-Dompteure kommen erst im letzten Kapitel zum Zuge. Interessanter noch fand ich allerdings die vorangegangenen Kapitel: der vermeintliche Tourist Andrej gibt unerwartete Einblicke in unbekannte soziale Verhaltensweisen und in Gedankengänge der Unterschicht Rios. Genau die Schicht, die als Wurmfortsatz der Gesellschaft angesehen wird, als Brutstätte von Kriminalität und Verschandelung des Stadtbilds der "wunderschönsten Stadt" der Welt. Der Autor bemüht sich, dieses Bild zurechtzurücken. Das es dabei oft um die primitiven Urinstinkte des Menschen geht, daran muss man sich erst gewöhnen. Fortpflanzung ist einer dieser Instinkte. Er ist uns angeboren. Und er kann zum Geld verdienen genutzt werden. Wer weiss das nicht? Soziale Not und schlechte Ausbildung zwingen zu Handlungen, die man vielleicht nicht will. Oder doch? Der Autor stellt genau dies in Frage. Lust oder Geld verdienen? Oder beides zusammen? Bestimmt kein Buch für den Ethik-Unterricht, aber trotzdem etwas Schule fürs Leben. Leichtigkeit wechselt sich mit Bedrücktheit ab. Ein Wechselspiel der Gefühle, die einen zum Lachen zwingen und kurz danach einen Klos im Hals stecken lassen. Der Autor verschleiert nichts, redet nicht um den heissen Brei, sondern zeigt einen Teil der Gesellschaft, wie er real existiert. Im Falle von Rio de Janeiro ein beträchtlicher Teil der Bevölkerung. Nur weiss das keiner in Europa. Genau deswegen sollte man das Buch lesen!