Der Film "Der Dieb" ist für mich geradezu ein kleines Filmhiglight in diesem Jahr gewesen. Auf eine ganze besondere Art und Weise wird die Geschichte eines kleinen Jungen erzählt, der sich nach einer starken Vaterfigur sehnt, weil er nur seine Mutter hat und mit dieser vagabundisch umherzieht.
In einem Reisezug treffen beide auf einen jungen Mann, der sich als Hauptmann des russischen Militär ausgibt, aber eigentlich als Nomade kleine diebische Raubzüge durch die Städte Russland unternimmt. Die Mutter des Jungen sieht in diesem Mann ihre große Liebe, verliebt sich in ihn, zweifelt aber an seiner Profession, ohne jedoch vorher zu wissen, wie er seinen Lebensunterhalt verdient. Die Drei ziehen schlussendlich gemeinsam durch die Lande und während die Mutter ihre Liebe in dem neuen Mann zu finden versucht, projiziert der Junge in ihn seine Hoffnung auf ein Leben mit einer unverrückbaren Vaterfigur an seiner Seite und imaginiert sich eine glückliche Familie. Doch anstatt sich für ein neues und vernünftigeres Leben mit der Mutter und ihrem Kind zu entscheiden, will der Dieb sein Lebensstil nicht aufgeben und so kommt es wie es kommen muss, er wird schlussendlich gefasst und ins sibirische Zwangslager für etliche Jahre gebracht. Kurze Zeit nach dem Beginn der Haft verstirbt die Mutter verarmt in einem Dorf an einer eigentlich unproblematischen Krankheit und der Junge wird in ein Waisenhaus gebracht, ohne je die Gedanken an seinen inhaftierten Ersatzvater aufzugeben, der nun sein einziges Familienmitglied darstellt.
Nach etlichen Jahren, der Junge ist nun fast ein jugendlicher Mann, trifft er den Dieb durch Zufall wieder und bemerkt an seinen Äußerungen und seinem Verhalten, dass dieser sich weder geändert hat, noch dass er seine Mutter angemessen geachtet bzw. geliebt haben kann. Die Tragödie nimmt ihren Lauf.
Die Geschichte ist insgesamt so großartig fotografiert und dermaßen anders erzählt, dass man schon allein aufgrund der russischen Exotik wegen kaum weggucken kann. Die Tragik ist groß, die Geschichte hat Seele und die Figuren sind wunderbar durch die Schauspieler verkörpert. Das Ganze erinnert tatsächlich an die großen, tragischen und in gewisser Hinsicht auch harten Geschichten der großen russischen Schriftsteller wie Dostojewski oder Tolstoi.
Wer sich für das etwas andere Kino interessiert, wird mit diesem cineastischen Juwel seine Freude haben. Mehrmals anschauen macht hier definitiv Freude.