Wenn man einen Schauspieler hat, der so viele Sympathien auf sich ziehen kann wie Dieter Pfaff, dann ist es auch nicht wirklich problematisch, wenn man eine Serie schafft, die eigentlich fast ein Remake einer früheren Fernsehserie ist. "Der Dicke" - hier liegt die zweite Staffel vor - ist mit dem älteren "Liebling Kreuzberg" schon sehr verwandt, wenn man die Fälle und die soziale Umgebung betrachtet. Es geht also um einen Anwalt der kleinen Leute. Hier allerdings nicht in Kreuzberg, sondern auf Sankt Pauli.
"Der Dicke" ist eine ARD-Serie zur besten Sendezeit und als solche natürlich einigen Gesetzen des Marktes unterworfen. Da gibt es Sozialkitsch, das ist insgesamt trotzdem sehr brav, jede Folge hat ein Happy End - das Urteil könnte also schnell gesprochen sein. Aber "Der Dicke" ist auch Komödienkunst auf ganz hohem Niveau, und es werden eben auch Probleme angesprochen, mit denen der Durchschnittskonsument eigentlich gar nicht konfrontiert werden will.
Und die Besetzung hat offenbar Spaß an dieser Serie, an gut getimten Gags, an herzlichem und dennoch einigermaßen seriösem Spiel. Dieter Pfaff (Gregor Ehrenberg), kein gemütlicher Dicker, sondern einer, der auch unverhohlene Autorität ausstrahlen kann, Burcu Dal (Yasmin Ülküm), pfiffig und sehr hübsch, Gisela Schneeberger (Christina Ehrenberg), ein bisschen braves Muttchen, durchaus aber auch mal sehr seriöse und gestrenge Staatsanwältin, und Katrin Pollitt als raubeinige Gudrun sind ein gutes Team, das sich sehr schöne Wortgefechte liefern kann. Dazu kommt Peter Franke als Lieblingsnachbar Norbert, der manchmal der kernige ehemalige Seemann ist, manchmal aber auch der weise Buddha aus dem Imbiss.
Der Vier-DVD-Schuber ist schick gestaltet, allerdings hat man leider an der Sonderausstattung nicht nur gespart, man hat schlicht und einfach nichts gemacht - da gibt es nur die dreizehn Folgen und sonst nichts. Da könnte bei dem durchaus nicht günstigen Preis ein wenig mehr Liebe in die Zweitverwertung gesteckt werden. Ein kleines Interview hier, ein netter Blick hinter die Kulissen oder zumindest eine Filmographie der wichtigsten Beteiligten - das wäre nicht zu viel verlangt.
Nein, wir sprechen hier nicht von anspruchsvoller Cinematographie, diese Serie ist Unterhaltung und das in ihrer nettesten Form, nicht mehr, aber sicher auch nicht weniger