Sicherlich "Der Deal" ist das erste deutsche Buch, dass sich mit der Thematik von Übernahmen und Kapitalmarkt auseinandersetzt und hier bietet der Fall Vodafone/Mannesmann genug Zündstoff, um einen hochspannenden und komplexen Wirtschaftsthriller nach wahrer Begebenheit zu schreiben.
Leider jedoch schafft es Thomas Knipp nicht einmal annähernd sich dem Thema mit der nötigen Detailschärfe zu näheren. Auffälligstes Merkmal ist wohl, dass alle Protagonisten des Buches gut wegkommen und zwar in einem kaum vorstellbaren Maße. Es fällt nahezu kein kritisches Wort und falls doch einmal ein negativer Aspekt erwähnt wird, so bemüht sich der Autor wenige Seiten später die vermeintliche Schärfe seiner Worte zu revidieren. Nur über den seinerseitigen stellvertr. Aufsichtsratsvorsitzenden von Mannesmann Klaus Zwickel fallen zwei Seiten kritische Bemerkungen. Vielleicht will es sich Knipp ja in seiner jetzigen Funktion bei einer Beratungsfirma für Unternehmenskommunikation nicht mit immer noch einflussreichen Wirtschaftsbossen verscherzen.
Wer erwartet mit "Der Deal" ein ausgewogenes Buch lesen zu können, wird insoweit nicht enttäuscht werden, als dass er nach der Lektüre am Liebsten alle die damals mitgemischt haben in den Arm nehmen würde und ihnen sagen möchte, wie toll sie doch seien. Etwa die Hälfte des ohnehin nicht sehr dicken Buches wird die positiven Biografien aller Beteiligten verwendet, in Bezug auf den eigentlichen Deal wird dann lediglich die "Roadshow" geschildert, also aneinander gereiht, wer sich mit wem getroffen hat. Knipp tut hier so, als wäre er bei den Gesprächen stets persönlich anwesend gewesen und lässt regelmäßig Esser, Gent, sowie alle anderen Beteiligten in direkter Rede kommunizieren. So was ist zwar nicht gravierend, verstärkt aber abermals das komische Gefühl, dass hier zu viel Fiktion mit den Fakten gepaart wurde. Wer andere Bücher dieses Genres wie "Club der Diebe" oder "Barbarians at the Gate" (im Deutschen: Die Nabisco Story) gelesen hat, wird vergeblich nach dem sonst üblichen langen Anhang voller Belege für Aussagen, Stellungnahmen, etc. suchen. Der Autor scheint hier alles Negative kategorisch ausgeblendet zu haben und somit der Auffassung zu sein, nichts belegen zu müssen. Ein so einseitiges Buch kann nun wahrlich nicht empfohlen werden. Wer es dennoch liest, hat nur kurz Freude daran, da es doch sehr einfach geschrieben ist und nicht einmal zum Nachdenken motiviert, da ist die Lektüre eines Lexikonartikels schon gewinnbringender, denn dort erfährt man vielleicht auch noch kritische Fakten oder sogar unbekannte Tatsachen.
Könnte man "0 Sterne" vergeben, so wäre das durchaus angebracht.