Mit seinem Buch über den Da Vinci Code versucht Erwin W. Lutzer die durch Sakrileg/The Da Vinci Code verursachten Angriffe auf den (seiner Ansicht nach) historischen Jesus abzuwehren und setzt damit zu einem beispielhaften Gegenangriff auf Dan Brown und dessen Megaseller an.
In einem sehr mitreißenden Stil verfasst gelingt es Lutzer, trotz des stellenweise eindeutig geifernden Protests auch Leser anzusprechen die Sakrileg/The Da Vinci Code nicht gelesen haben und nur vom Hörensagen kennen. Damit spricht er ganz gezielt eine Zielgruppe an, die sich zwar über den Da Vinci Code informieren will, ohne sich den Roman zu Gemüte zu führen. Bereits nach den ersten Kapiteln wird für Gralsforscher" und entsprechend gut informierte Leser jedoch deutlich, dass der Autor sich selbst des Vorwurfs der mangelhaften Recherche schuldig gemacht hat.
Noch dazu fühlt sich Lutzer auch in seinem festen Glauben angegriffen, was in geifernden Attacken auf die gnostischen Evangelien ausartet, wobei er sich immer wieder auf die Unfehlbarkeit der Bibel beruft. Seine Darlegungen über die gnostischen Evangelien mögen zwar auf Fakten beruhen und richtig sein, dennoch rechtfertigen sie nicht den kaum noch sachlichen Ton. Vor allem weniger bibeltreuen Gläubigen wird es schwer fallen, Lutzers Ausführungen Sympathie entgegenzubringen, wenn dieser die Ereignisse des neuen Testaments als unanfechtbare und historische Wahrheit darstellt.
Wie mit den Seiten deutlich wird, spekuliert Lutzer selbst auf eine Verschwörung von Feministinnen und New-Age-Jüngern, die die wahre Geschichte umschreiben wollen, die dem Da Vinci Code zu Grunde liegt. Leider verwirkt Der Da Vinci Code - Fakt oder Fiktion?" sein Potential durch eben solche sehr spekulativen und umstrittenen Aussagen, denn Erwin W. Lutzer scheint ein sehr belesener Mensch zu sein, der seine Ausführungen auch immer wieder mit verständlichen Allegorien ergänzt, um deren Inhalte verständlicher zu machen.
Fazit:
Wer von diesem Buch eine kritische Abhandlung des Da Vinci Codes erwartet und der sich mit den Aussagen amerikanischer Fernsehprediger identifizieren kann, dem möchte ich dieses Buch gerne empfehlen. Ansonsten wäre es nur für Leser interessant, die sich mit der heftigen Kritik am Da Vinci Code seitens gläubiger Christen befassen möchten.