Die Geschichte des Irans ist gekennzeichnet durch wechselnde Machtverhältnisse. Gruppierungen mit unterschiedlichen Zielrichtungen beherrschten das Land und bildeten den Humus, auf dem sich Revolutionen und Kämpfe innerhalb der Bevölkerung abspielten. In seinem Roman schildert Mahmud Doulatabadi am Beispiel des ungenannten Colonels den Zerfall einer Familie nach dem Sturz des Schahs von 1979.
Aufruhr und Revolution charakterisieren das Leben im Iran, als die Masse der Bevölkerung nach Veränderung, Freiheit und Unabhängigkeit ruft. Wie es im Nachwort heißt, geht die emanzipatorische Zielsetzung der Revolution nach einer neuen Gesellschaftsordnung später tragischerweise mit der Herrschaft der Islamisten in rückwärts gewandten Ideologien unter.
Mit düsteren Gedanken und umwölken Gefühlen berichtet der 'Colonel,' ein ehemaliger hoher und patriotisch gesinnter Offizier des Schahs von Persien, über ein Land, in dem seit dem Sturz des Schahs bis heute kein Frieden eingekehrt ist. Die Handlung ist in einer Provinzstadt angesiedelt, und wir schreiben das Jahr 1980.
Die gegensätzlichen Machtkämpfe, die sich auch innerhalb der Familienmitglieder des Colonels widerspiegeln, beschwören Furcht und Schrecken herauf. Der Colonel sieht sich im Taumel des Untergangs, denn alle seine Kinder, Söhne wie Töchter, gehen nach und nach im Kampf der Revolution, der sie sich verschrieben haben, verloren. Mit fast prophetischen Worten beklagt der Colonel in einer Art Trauergesang den Verlust seiner Kinder und seiner Frau, die er im Eifersuchtswahn umgebracht hat.
Die apokalyptischen Szenarien beinhalten Folter, man erlebt blutige Verhöre und beobachtet, wie der Sohn Amir in Folge der Marter den Verstand verliert. Menschen geraten zuweilen ohne Grund in die Fänge der Geheimpolizei, die mit Grausamkeit unter ihren Opfern wütet. Andere drehen ihr Fähnchen nach dem Wind, um immer wieder zu obsiegen.
In einer Nacht wird der Colonel von den Schergen des Regimes zu Hause abgeholt, um seine jüngste Tochter zu beerdigen. Niemand weiß genau, wie sie umgekommen ist.
Szenenwechsel ereignen sich abrupt und verstärken den Eindruck der Hilflosigkeit des Individuums gegenüber der jeweils herrschenden Macht. Die Darstellung changiert zwischen gestern und heute, zwischen Wachen, Schlafen und Traum. Dabei entfaltet der Autor eine Dynamik, die den Leser mit unnachahmlichem Sog ganz in das unheimliche Geschehen hinein zieht. Die Erzählform mit ihren wechselnden Szenarien, den düsteren Perspektiven und der Aussichtlosigkeit der Lage schürt Angst und Verzweiflung. Es entsteht auf diese Weise eine dramatische Stimmung, deren Atmosphäre eindeutig auf zwei Gegenpole zeigt: hier die Gewalt, die Macht und die Herrschaft, dort die Beklemmung des einzelnen mit seinem Kampfgeist, der auf verlorenem Posten zu stehen scheint.
Mit visionärem Geist entwirft der Autor ein Bild seines Landes, im dem Rechtlosigkeit und ein gravierender Mangel an Freiheit herrscht, der die geistigen und schöpferischen Kräfte beengt und an der Entfaltung hindert.
Die Lage ist prekär und ist es bis heute geblieben.
Der Autor lebt mit seiner Familie als freier Schriftsteller und Literaturdozent in Teheran. Er gilt als bedeutendster Schriftsteller des Landes.