Ich bin heillos enttäuscht! Seit ich erfahren hatte, dass Terry Pratchett an einem neuen Roman schrieb, fieberte ich diesem entgegen. Und jetzt das! Ok, einige der (Stil - und sonstigen) Brüche dürften auf den Übersetzer zurückgehen, v.a. das Siezen der Zauberer untereinander fand ich wirklich befremdlich, aber anderes ist einfach inhaltlicher Murks. Was ist mit dem Quästor? Weshalb muss Ponder Stibbons dessen Aufgeben übernehmen? Trotz aller Verrücktheit hat er doch als Quästor "funktioniert"! Und wieso bietet Ridcully Stibbons eine Professur an? Er ist doch schon Professor für unbestimmte Studien!
Ich hatte beim Lesen wirklich das Gefühl, als ob sich Pratchetts Krankheit auch auf sein Erinnerungsvermögen hinsichtlich dessen, welche Funktionen und Fähigkeiten er seinen Figuren bereits zugewiesen hat, ausgewirkt hat.
Und was sollen die ganzen sich überlappenden, aber schlussendlich fast unzusammenhängenden Handlungsfragmente? Das Gerangel mit dem ehemaligen Dekan ist a) absolut langweilig (kein Vergliech z.B. zu "Heiße Hüpfer" oder "Rollende Steine") und stört b) nur unnötig den Handlungsverlauf, v.a., da es zu keinem Ziel führt. Und die Sprache (ok, das könnte auf Kosten des Übersetzers gehen ...)! Ich möchte daran erinnern: Nobby Nobbs ist so gewöhnlich, wie es nur irgendwie geht, aber selbst er spricht nicht in so einem Möchtegern-Gossenjargon!
Mit Nutt hat Pratchett außerdem garantiert eine seiner langweiligsten Figuren geschaffen. Bei "Hohle Köpfe" konnte man die Verzweiflung der Golems verstehen und mit ihnen "mitleiden". Aber hier? Die ewige Fragerei "Habe ich mich als nützlich erwiesen?" nervt! Die Figur hat nichts Liebenswürdiges an sich, das den Leser fesselt, sondern erscheint nur schrecklich besserwisserisch und "tot", was aber übrigens auch für alle anderen Figuren gilt. Kurz: Ich vermisse die herrlich durchgeknallte Anarchie, die alle Romane, in denen die Zauberer auftraten, ausstrahlten!
Ich kann nur hoffen, dass der nächste Roman wieder etwas besser ausfällt.