Andreas Brandhorst hat sich als Übersetzer zugunsten seiner eigenen schriftstellerischen Tätigkeit zurückgezogen. Seit "Schöne Scheine" ist daher ein deutlicher Qualitätsverlust in den übersetzten Texten aus meiner Sicht spürbar. Im Internet ist zu erfahren, dass der Verlag die Scheibenwelt-Bücher einem breiterem Publikum zugänglich machen will, da angeblich die Vielschichtigkeit und Tiefe von Pratchetts Können in den Übersetzungen von AB nicht ausreichend zur Geltung kommt. Zudem sehe man diesen Autor in der reinen Fantasy-Ecke nicht ausreichend gewürdigt. Keine Ahnung, wer im Verlag auf diese Idee kam. Ich jedenfalls kenne viele Menschen, die Pratchett lesen, ohne ansonsten Freude an Fantasy zu haben. Wie auch immer: Nach und nach sollen alle Bände neu übersetzt in den Markt kommen - Stilbruch mit Ansage also. Und das merkt man auch diesem Buch an. Ich habe immer die feine Ironie im Text, die Anspielungen und Hiebe auf unsere Kulturbereiche genossen. Die toll entwickelte Story obendrein... Manches erschloß sich mir auch erst beim zweiten Lesen.
Hier gelang dies leider nicht. Der Umgang der Zauberer untereinander wirkt durch das plötzliche gesieze unglaubwürdig. Originale wie diese, die bändeweise gemeinsam allerhand erlebt und durchgemacht haben, gehen sicherlich nicht derartig steif mehr miteinander um (auch wenn "you" im englichen Sprachgebrauch nicht einfach dem deutschen "du" gleichzusetzen ist). Insofern ist das Projekt Neuübersetzung sogar "geglückt". Man kommt sich vor, als begegne man den Figuren zum ersten mal...in nicht sonderlich sympathischer Darstellung.
In der Story geht es u.a. um Fußball, Europas liebster Sport. Und um seine Ursprünge, die wenig mit unserer heutigen Spielweise zu tun haben. Noch in den 20er Jahren des vorigen Jahrhundert galt Fußball vielfach als roher Sport der Gosse, von ebenso rohen und einfachen Menschen betrieben. Es geht darum, wie dieser Sport breitentauglich wurde. Welche Leidenschaft, ja Magie er auslösen kann. Um den "kleinen Mann" auf der Strasse, ein fast vergessenes Gemetzel an Minderheiten, etc....also vielschichtig genug, um ein tolles Thema für die Scheibenwelt darzustellen. Nur, für Leser der ersten Stunde so was von uninspiriert umgesetzt. Mich erinnert dieses Projekt an die aus meiner Sicht unglückliche Neuübersetzung vom "Herrn der Ringe". Dort wollte man vor Jahren ebenfalls neue Leser gewinnen und löste ähnliche Kontroversen aus. Heute wird wie folgt beworben:..."in der beliebten Übersetzung von...." -damit ist nur noch die "alte" Übersetzung gemeint...