Miguel Barnet lässt in diesem Buch Esteban zu Wort kommen, einem der letzten ehemaligen Sklaven, die damals noch auf Kuba lebten.
Das Buch beruht auf Tonbandaufzeichnungen. Angeblich soll damit gewährleistet sein, dass Esteban hier besonders authentisch zu Wort kommen kann.
Der Stil des Buches ist einfach; allerdings soll dadurch auch die Einfachheit und Ungebildetheit der Hauptperson dieses Buches zum Ausdruck kommen.
INHALT: Esteban kommt auf einer Zuckerrohrplantage zur Welt. Seine Eltern kennt er nicht. Er ist von klein auf zur harten Sklavenarbeit bestimmt. Die Arbeit unter menschenunwürdigen Bedingungen gefällt ihm dort allmählich immer weniger. Schlafen muss er in primitiven Holzbaracken mit vielen anderen Sklaven zusammen, was oft zu Spannungen untereinander und zu Krankheitsübertragungen führt. Es kommt oft zu Morden und Selbstmorden.
In ihrer geringen Freizeit pflegen die Neger ihre aus Afrika mitgebrachten oder von den Spaniern übernommenen Musiktraditionen, trommeln und tanzen viel.
Die alten Neger- Geister- Religionen haben in Kuba zu diese ZEit noch einen sehr großen Einfluss unter den Sklaven, auch wenn sie verboten sind. Auch Esteban ist Anhänger dieser aus Afrika stammenden synkretistischen "Santeria-" Religionen, die den NEgern Identität und Hoffnung in eienr für sie ungerechten und gefährlichen Welt gibt.
So alt wie die Sklaverei in Kuba ist auch die Geschichte der "Cimarrones", der entlaufenen Sklaven, die sich alleine oder in kleinen Gruppen in den unzugänglichen Urwäldern in den Bergen aufhalten, verfolgt von den Sklavenbesitzern und ihrer -jäger, auf sich alleine gestellt, und immer dem drohenden Zugriff ausgesetzt, und damit drakonischen Strafen bis hin zur Todesstrafe.
Dennoch sehen viele der Sklaven dem Leben als Cimarron keine Alternative, und ziehen das dortige gefährliche, aber freie LEben dem eines Sklaven vor.
Auch Esteban denkt so. Als er sich stark genug dazu fühlt, ergreift er eine Gelegenheit, um zu flüchten.
Fortan wird er völlig alleine im Urwald leben. ER meidet jeden menschlichen Kontakt; denn auch jeder "Freund" könnte ihn verraten. Und Esteban hat große Angst, gefangen zu werden, da ihn drakonische Strafen erwarten würden.
Er lebt in Höhlen, von Pflanzen und Tieren, die er fängt. Vor allem aber pflegt er dort auch seine alte afrikanische Religion, die ihm auch über die Einsamkeit hinweghilft.
Als er erfährt, dass in Kuba die Revolution begonnen hat, um Unabhängigkeit und auch ein Ende der Sklaverei in Kuba zu erreichen, glaubt Esteban hier seine Chance zu sehen: er geht aus dem Urwald heraus, um "Mambi" zu werden, Unabhängigkeitskämpfer; denn hier geht es auch um seine Freiheit, um sein Leben.
Meist nur mit der Machete bewaffnet, nimmt er so den Kampf gegen die verhassten Spanier und deren kubanischen Helfer auf.
Die Revolution siegt. Doch für Esteban ändert sich zunächst nicht viel: in der neuen Freiheit stellt er verbittert fest, dass zwar die Schwarzen einen großen Teil der Last im Krieg getragen haben, dafür aber auch danach benachteiligt sind; für sie bleibt auch hier meist nur die Arbeit auf den Plantagen, wenn auch nicht mehr als Sklaven. Dennoch versucht er sich in anderen Berufen, und lernt das Stadt- Leben kennen.
Doch ist die Fremdherrschaft der Spanier bald vor allem einer anderen Fremdherrschaft gewichen: nämlich der der USA, deren Hilfe zu Gunsten der Unabhängigkeit einen hohen Preis gefordert hatte: nämlich den einer quasi Hegemoniestellung derselben über Kuba. Unter dem Einfluss der USA wird Kuba in den nächsten Jahrzehnten stark abhängig von diesen. Viele Kubaner fordern ein Ende dieses Einflusses auf ihr Land. Denn die USA unterstützen sehr fragwürdige Diktatoren - zunächst den brutalen Batista -, die in Kuba ein gewalttätiges Regime errichten, vor allem aber große Bevölkerungsschichten auf der Karibikinsel stark verarmen lassen. Das führt zu viel Widerstand.
Letztlich führt das zur "Castro- Revolution" auf Kuba, die von den meisten Kubanern begrüßt und unterstützt wird. Auch Esteban unterstützt diese Revolution, die endlich mehr Gerechtigkeit bringen soll, ist aber schon ein alter Mann zu dieser ZEit.
Den STIL finde ich etwas langweilig. Er ähnelt einem Zeitungsbericht. Er ist ziemlich sachlich. Ich finde es etwas fade. Ich hätte es dem Thema angemessener empfunden, wenn man einen spannenderen Stil gewählt hätte.
Zum INHALT: wer das Buch liest, weil er sich für das Leben eines Cimarrones in der Einsamkeit in den Wäldern interessiert, alleine auf sich gestellt, wird vom Buch enttäuscht werden! Denn nur sehr wenige Passagen im Buch handeln überhaupt von Esteban's Leben im Urwald. Dagegen kommt die alte synkretistische Neger- Religion (die auch heute noch auf Kuba sehr viele Anhänger hat) sehr oft zur Sprache.
Auch mich hatte vor allem sein Leben im Urwald interessiert; denn das ist sehr hart und entbehrungsreich und forderte unter diesen Umständen damals nicht selten Todesopfer. WEiß man doch, dass unter solchen Bedingungen - völlig abgeschnitten von anderen Menschen - das Leben sehr gefährlich, fast unmöglich ist (Viele Ex- Sklaven gaben auf, und gingen freiwillig wieder zurück in die Sklaverei). Der Leser fragt sich: ist Esteban jahrelang wirklich Niemandem begegnet?; was waren die Gefahren, denen er ausgesetzt war?; wurde er einmal von Hunden gehetzt?; was hat er gemacht, wenn einmal der Hunger zu groß wurde?; hat er seine Kleidung etwa immer selber hergestellt?; hat er nie menschliche Behausungen aufgesucht?
Sicher hätten solche Fragen viele LEser sehr interessiert! Aber im Buch wird das auf wenigen Seiten abgehandelt.
Wesentlich mehr komtm das Thema (Neger-) REligion zur Sprache.
Und auch dem Thema Freiheitskrieg wird viel Raum gewidmet. Allerdings kann der deutsche Leser meist wenig mit bestimmten Namen aus diesem Umfeld anfangen.
Besonders spannend wird aber auch nicht über das Thema Krieg geschrieben: so wird z.B. kaum über eine Kampfhandlung geschrieben. Man erfährt nicht so richtig, was Esteban im Krieg so alles durchgemacht haben muss.
Viel wird über das Leben auf den Plantagen geschrieben: Arbeit, Freizeit, Frauen, Religion, Konflikte.
Das buch ist immer aus Sicht eines einfachen, ungebildeten Negersklaven geschrieben. Das macht das Buch auf seine Art interessant: der "Autor" hat keine Ahnung von größeren politischen oder wirtschaftlichen Zusammenhängen; er sieht die Welt immer "von unten", aus der Sicht des ungebildeten, einfachen Plantagenknechtes. Eine Sicht, mit der sich viele Kubaner zur Zeit der Veröffentlichung dieses Buches sicherlich gut identifizieren konnten. - Und entsprechend oft hat sich das Buch ja auch in Kuba verkauft!
Der Nachteil dieser Sicht ist aber, dass derjenige (deutsche) Leser, der keine Ahnung hat von den "übergeordneten" politischen Vorgängen Kubas zu dieser Zeit, sich oft keinen rechten Reim darauf machen kann, in welchem Zusammenhang die beschriebenen Zustände gerade standen; und es gibt dazu auch keine Erklärungen.
Gut und unverzichtbar sind dagegen die "Anmerkungen des Herausgebers" im Anhang des Buches, die viele im Text verwendeten kubanischen Begriffe erklären, z.T. auch weitgehendere Erläuterungen abgeben, so dass der Kontext erhellt wird.
Der Leser erfährt viel über die Zustände Kubas zu dieser Zeit, vor allem die Zustände auf den Plantagen und die Lebensverhältnisse der einfachen Leute. Das Buch ist daher ein nicht unwichtiges kulturhistorisches Zeugnis.
Was die ENTWICKLUNG DES CIMARRON angeht, so wird beim Lesen des Buches ziemlich deutlich, dass dieser eine Art "idealtypische Entwicklung zum sozialistischen Menschen" durchmacht: Esteban lebt erst als entrechteter Sklave in einer Sklavenhaltergesellschaft, die dazu noch eine Kolonie einer anderen Macht ist; er zieht das Leben in einsamer und geächteter Freiheit vor, geht dafür gewissermaßen in die "Illegalität" innerhalb eines "Unrechtsstaates"; aus dieser tritt er heraus, um seinen eigenen, aber auch den Unabkängigkeitskampf der Neger im Besonderen und überhaupt aller Kubaner im Allgemeineren zu führen; die verhasste Fremdmacht und die Sklavenhaltergesellschaft wird so besiegt; aber dafür tritt als neue "Fremdmacht" die USA in Kuba auf; von ihr begünstigte Diktaturen folgen, die wieder viel für Unrecht sorgen auf Kuba; daraus resultierend erneuter Widerstandskampf vieler Kubaner gegen die Terrorregime; schließlich gewinnen Castro's (sozialist.) Truppen; Gerechtigkeit wird hergestellt, aber auch der Sozialismus wird installiert; der "Cimarron" ist zufrieden, weil ihm Gerechtigkeit widerfährt, das seinen Vorstellungen entspricht, usw.
Das Buch kann daher auch als RECHTFERTIGUNGSSCHRIFT angesehen werden für das CASTRO- REGIME! Denn immerhin ist es ja dort in den 60er Jahren verlegt worden, in einem Land, das nicht gerade für seine Presse- und Meinungsfreiheit bekannt ist! Doch wird das Regime kaum etwas dagegen gehabt haben, dass das Buch dort verlegt wird; wird doch deren Staatsphilosophie durch das Buch sehr gestützt!
Ich habe daher den verdacht, dass das Buch von vornherein eine gewisse Tendenz haben sollte, die den Sozialismus stützen sollte, selbst wenn der Inhalt immer stimmen sollte!
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