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Der Chronist der Winde, 4 Cassetten
 
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Der Chronist der Winde, 4 Cassetten [Hörkassette]

Henning Mankell , Edgar M. Böhlke
4.6 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (65 Kundenrezensionen)

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Produktbeschreibungen

Aus der Amazon.de-Redaktion

Eine magische Aura umweht den afrikanischen Straßenjungen Nelio: Noch nie hat jemand gewagt, ihn zu verprügeln. Vielleicht weil aus dem 10-Jährigen, dem sich die irdischen Abgründe viel zu früh erschlossen haben, eine greise Weisheit spricht. Jetzt aber liegt Nelio mit schweren Schusswunden auf dem Dach eines ärmlichen Theaters. Dort erzählt er -- zwischen kräftezehrenden Fieberschüben -- dem Bäckerjungen José Antonio Maria Vaz sein Leben. Das beginnt mit der Erinnerung an die Banditen, die sein Dorf niederbrannten, seine Schwester töteten und vor denen er geflüchtet ist, als sie ihn zwingen wollten, einen Verwandten zu erschießen. Und es endet bei den Straßenkindern in der Stadt, denen Nelio zu einem an Fairness und Reife geradezu übermenschlichen Anführer wurde: Gestohlen jedenfalls wird nicht unter seinem Regime; bestenfalls -- in der Villa eines verreisten Entwicklungshelfers -- der Kühlschrank leer gegessen.

Henning Mankell -- mit seinen Stories um den Kult-Kommissar Kurt Wallander dauerhaft auf den einschlägigen Bestseller-Listen vertreten -- präsentiert sich also seinen Fans hier nicht als Krimi-Autor, sondern als poetischer Anwalt der Chancenlosen: Derer, die gezwungen sind, "das Leben roh zu essen". Trotz aller Tragik des Sujets gleitet der Romancier, der dem heimischen Schweden zeitweise den Rücken kehrt, um in der mosambikanischen Hauptstadt Maputo Theaterstücke zu inszenieren, aber nicht in schwermütige Betroffenheitsprosa ab. Es darf -- mit anderen Worten -- auch gelacht werden: Über die Tomaten- und Zwiebelkulturen beispielsweise, die in Mandiocas Hosentaschen hervorragend gedeihen. Oder über den schwerfälligen Tristeza, der eine Bank gründen will und dem Nelio für den Fall, dass er seine Denkgeschwindigkeit steigert, erst einmal ein Paar Turnschuhe verspricht.

Vor allem aber bekennt sich Der Chronist der Winde -- in Schweden mit dem Sveriges-Radio-Romanpreis 1996 ausgezeichnet -- bedingungslos zur Kraft der Träume: "Man kann fliegen, ohne sichtbare Flügel zu haben, dachte Nelio. Die Flügel sind in uns, wenn uns vergönnt ist, sie zu sehen." --Christine Wahl -- Dieser Text bezieht sich auf eine vergriffene oder nicht verfügbare Ausgabe dieses Titels.

Kurzbeschreibung

Ein Roman über das Leben der Straßenkinder in Afrika, der in seinem legendenhaften Erzählton die wunderbare Balance hält zwischen der grausamen Alltagswirklichkeit und den magischen Kräften der Phantasie. Ein Buch der Emotionen, das uns daran erinnert, wozu Menschen - im Guten wie im Bösen - fähig sind.Henning Mankell, 1948 als Sohn eines Richters in Stockholm geboren, wuchs in Härjedalen auf. Als 17-jähriger begann er am renommierten Riks-Theater in Stockholm, das Regiehandwerk zu lernen. 1972 unternahm er seine erste Afrikareise. Sieben Jahre später erschien sein erster Roman "Das Gefangenenlager, das verschwand". In den kommenden Jahren arbeitete er als Autor, Regisseur und Intendant an verschiedenen schwedischen Theatern. 1985 wurde Henning Mankell eingeladen, beim Aufbau eines Theaters in Maputo, Mosambik, zu helfen. Er begann zwischen den Kontinenten zu pendeln und entschied sich schließlich, überwiegend in Afrika zu leben. Dort ist auch der größte Teil der Wallander-Serie entstanden. Außerdem schrieb Henning Mankell Jugendbücher, von denen mehrere auch in Deutschland ausgezeichnet wurden.

Der Verlag über das Buch

»Die Geschichte des Straßenkindes Nelio hat die Sachlichkeit eines Dokuments und den universellen Glanz einer Legende. Ein Buch von internationalem Rang.« Sydsvenska Dagbladet

»Die Botschaft des Stückes lautet: Das Elend der um ihr Leben kämpfenden Kinder resultiert aus Unwissenheit und Zivilisationsferne, mithin aus der Gleichgültigkeit der Reichen auf der Welt.« Toni Meissner in der ›Abendzeitung‹ -- Dieser Text bezieht sich auf eine andere Ausgabe: Taschenbuch .

Der Autor über sein Buch

Der Schwede Henning Mankell ist seinen Lesern in Deutschland als Bestsellerautor der berühmten Wallander-Krimis bekannt. Doch dies ist nur die eine Seite des Schriftstellers. Schon als Kind träumte er von einer Reise nach Afrika und bereits bei seinem ersten Besuch dieses Kontinents fühlte er sich dort zu Hause. Als man ihn später einlud, bei der Gründung eines Theaters in Mosambiks Hauptstadt Maputo mitzuwirken, brach er sofort auf.

"Seitdem hat sich natürlich meine Beziehung zu Afrika verändert und vertieft und ist zu einem entscheidenden Teil meiner Identität als Schriftsteller geworden. Nun stehe ich sozusagen ziemlich breitbeinig da, mit dem einen Fuß im Schnee und dem anderen im Sand" , sagt Mankell.

Seit Jahren lebt er nun die Hälfte des Jahres in Afrika und leitet das Theater in Maputo. Diese Arbeit bedeutet ihm ebensoviel wie das Schreiben, denn Mankell möchte hier auf eine andere Art Geschichten erzählen. "Ich habe hervorragende Schauspieler, die problemlos Shakespeare in Europa spielen könnten", meint er. In einem Land, wo der Analphabetismus durch die Armut noch weit verbreitet ist, sieht er das Theater auch als Mittel, den Menschen von dem zu erzählen, was in der Welt vorgeht. So verbinden sich für Mankell Phantasie und Realität auf dem Theater zu einer Möglichkeit, die Komplexität des Lebens besser zu verstehen. "Als Junge träumte ich davon, zum Ende der Welt zu reisen. Und für mich war Afrika dieser Ort. Es war gerade so weit weg, wie meine Phantasie reichte." -- Dieser Text bezieht sich auf eine vergriffene oder nicht verfügbare Ausgabe dieses Titels.

Autorenportrait

Henning Mankell, 1948 als Sohn eines Richters in Stockholm geboren, wuchs in Härjedalen auf. Als 17-jähriger begann er am renommierten Riks-Theater in Stockholm, das Regiehandwerk zu lernen. 1972 unternahm er seine erste Afrikareise. Sieben Jahre später erschien sein erster Roman "Das Gefangenenlager, das verschwand". In den kommenden Jahren arbeitete er als Autor, Regisseur und Intendant an verschiedenen schwedischen Theatern. 1985 wurde Henning Mankell eingeladen, beim Aufbau eines Theaters in Maputo, Mosambik, zu helfen. Er begann zwischen den Kontinenten zu pendeln und entschied sich schließlich, überwiegend in Afrika zu leben. Dort ist auch der größte Teil der Wallander-Serie entstanden. Außerdem schrieb Henning Mankell Jugendbücher, von denen mehrere auch in Deutschland ausgezeichnet wurden.

Auszug aus Der Chronist der Winde. von Henning Mankell. Copyright © 2000. Abdruck erfolgt mit freundlicher Genehmigung der Rechteinhaber. Alle Rechte vorbehalten.

Verwundert lauschte Nelio ihren Erzählungen, und er stellte fest, daß er einer der Ihren war, sie hatten die gleiche Herkunft und die gleichen Erfahrungen. In ihren Geschichten erkannte er sich selbst wieder, ebenso wie sie alle das verbrannte Dorf in sich trugen. Oft, wenn er im Bauch des Pferdes lag und auf den Schlaf wartete, dachte er, es sei, als hätte dieselbe Mutter sie alle geboren. Eine Frau, einst jung und voller Kraft, später jedoch von Banditen, von Monstern, von Armut herabgewürdigt zu einem zahnlosen, geduckten Schatten. Er wußte, daß es das war, was sie wirklich verband, nichts zu besitzen, mit iderwillen in die Welt geboren zu sein, oder hinausgeworfen in ein Elend, das von Banditen und Monstern geschaffen worden war.
Ihre Aufgabe im Leben war: zu überleben.
Tagsüber sah er im Zentrum der Stadt die Reichen auf den breiten Avenues aus ihren glänzenden Autos steigen und wieder wegfahren, weiße Männer, schwarze Männer, Inder. Von Cosmos hatte er erfahren, was diese Autos kosteten. Die Summe war so schwindelerregend, daß es war, als hätte Cosmos von der Entfernung zu einem Stern gesprochen und nicht vom Preis eines Autos. Wenn er diese Reichen betrachtete, konnte Nelio zugleich seine eigene Armut sehen. Zwischen den Reichen, die offenbar dauernd in eiligen Angelegenheiten unterwegs waren, und dem Rudel der Straßenkinder gab es einen Abgrund, den er sich täglich öffnen sah. Sie überquerten ihn, wenn sie rasch zur Stelle waren und baten, das Auto waschen oder bewachen zu dürfen, während der schwarze, weiße oder indische Mann, der mit seinem Aktenkoffer ausstieg, seine bedeutenden Aufträge erledigte. Nelio hatte Cosmos einmal gefragt, wer diese Männer seien, was sie in ihren Aktenkoffern hätten, und wieso sie immer so beschäftigt wirkten. Cosmos hatte keine Antwort gehabt, aber zugegeben, daß es wertvoll sein könnte, es in Erfahrung zu bringen. Bei einer günstigen Gelegenheit hatte er Mandioca und Tristeza angewiesen, ein Auto aufzubrechen und den Aktenkoffer zu stehlen, der darin lag. Anschließend hatten sie hinter der Tankstelle Schutz gesucht und den Koffer untersucht. Mandioca hatte phantasiert, er wäre voller Geld. Aber als sie die Schlösser öffneten und den Deckel aufklappten, hatten da nur die vertrockneten Reste einer Eidechse gelegen. Es war ein magischer Augenblick, denn niemals hätten sie sich vorgestellt, eine tote Eidechse könnte das Geheimnis der großen Reichtümer sein.

-Sie tragen Kästen mit toten Tieren herum, sagte Cosmos gedankenvoll. Vielleicht sind es spezielle Eidechsen, die vor bösen Geister schützen?
-Es ist eine gewöhnliche Eidechse, sagte Mandioca, nachdem er sie genommen, gründlich studiert und schließlich beschnüffelt hatte.
-Irgendwas muß es aber bedeuten, meinte Cosmos.
-Laßt uns jedenfalls deutlich machen, daß wir jetzt wissen, was in ihren Koffern ist, sagte Nelio. Woher ihm diese Idee gekommen war, wußte er nicht, genausowenig wie bei so vielem anderem, was in seinem Kopf vorging. Er stellte sich vor, es gäbe da einen heimlichen Raum, wo die überraschenden Gedanken auf einen günstigen Moment warteten, um in die Freiheit zu entschlüpfen.
-Wie machen wir das, ohne daß sie uns erwischen? fragte Cosmos.
Nelio überlegte. Plötzlich wußte er es.
-Wir fangen eine lebende Eidechse und stecken sie in den Koffer, sagte er. Dann legen wir ihn zurück ins Auto. Mandioca und Tristeza knacken die Autotür so, daß man nichts merkt. Der Mann bekommt etwas, worüber er grübeln kann, solange er lebt. Wir haben jetzt die Macht über ihn. Wir wissen, wie es zugegangen ist. Er weiß es nicht.
Cosmos nickte. Dann rief er Alfredo Bomba und erteilte ihm den Auftrag, sofort eine der Eidechsen zu fangen, die an den Baumstämmen auf und ab huschten oder sich in den Ritzen der Hausfassaden versteckten. Alfredo Bomba stellte sich regungslos neben einen Baum, legte seine Hand an den Stamm und wartete, bis eine Eidechse ganz in der Nähe war. Dann ruckte er mit dem Handgelenk, und die Eidechse steckte zwischen seinem Daumen und Zeigefinger fest.
Nelio wollte wissen, wie er diese Kunst gelernt hätte.
Alfredo Bomba hatte sich über die Frage gewundert.
-Ich habe den Eidechsen abgeschaut, wie sie die Insekten fangen, sagte er.
Da es Tristeza war, der das Auto bewachte, konnten Mandioca und Tristeza ungehindert die Autotür noch einmal öffnen und den Koffer zurückstellen. Als der Besitzer des Wagens zurückkam, gab er Tristeza einen Schein über ganze 5000, weil er das Auto so gut gehütet hatte. -- Dieser Text bezieht sich auf eine vergriffene oder nicht verfügbare Ausgabe dieses Titels.

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