Es ist keine schöne Sache, wenn der Chefchirurg der napoleonischen Armee erzählt. In Ägypten ist man umgeben von verdurstenden, verzweifelten Soldaten und der Pest, in Austerlitz von Verwundeten, die noch auf dem Schlachtfeld ihr Leben aushauchen. Und mittendrin steht Jean Dominique Larrey, und versucht, soviele Leben wie möglich zu retten - und stößt dabei mehr als nur einmal mit seinem General, Kaiser und Feldherrn zusammen. Wo wir gerade beim kleinen Korsen sind - der kriegt stellenweise auch sein Fett weg, besonders von seinem Chefchirurgen (der witzigerweise aber mit einem bösen Blick davon kommt - Napoleon weiß eben, was er an ihm hat) und mir persönlich kommt mehr als einmal die Galle hoch, wenn der junge Feldherr das Wohl der Verwundeten seinem persönlichen Ehrgeiz únterordnet. Aber sehr schön geschrieben, mitreißend, berührend - und lehrreich! Wir ertrinken nicht in medizinischem Kauderwelsch, erfahren aber sehr viel über die damaligen Möglichkeiten der Medizin, als man nicht einfach mal ANtibiotika nehmen konnte. Durch Larreys mitfühlende, aber starke Art werden für den Leser (zumindest für mich) aus den Zahlen aus dem Geschichtsbuch Schicksale, die einen berühren.
Soyener hat hier vielleicht keine hochtrabende Literatur geschaffen, aber ein Buch, dass der geneigte Leser, wenn ihn die Materie stark genug interessiert, so schnell nicht aus der Hand legen kann. Und wenn man nach der brütenden hitze Ägyptens, der Sonne bei Austerlitz und der Kälte Russlands schließlich "gemeinsam" mit Larrey am Sarg des Kaisers im Invalidendom steht kann man (ich jedenfalls) nachvollziehen, dass dieser talentiere Chirurg nicht kam, um seinem Kaiser die letzte Ehre zu erweisen, sondern um einen Schlussstrich zu ziehen.