Entgegen des etwas reißerischen Titels handelt es sich bei Frank Sierens neuestem Werk um eine Mischung aus sachlich-kühler Analyse und Reisebericht.
Nachdem er im Vorgänger China-Code vor allem die Vorgänge im Reich der Mitte beleuchtet hatte, widmet sich der Autor diesmal intensiv der Außenpolitik des Riesenreichs. Sieren bereiste daher Afrika und Chinas Nachbarn in Asien, sprach mit Politikern, Unternehmern und Einheimischen, immer auf der Suche nach Antwort auf folgende Frage: "Was will Peking und wie versucht es sein Ziel zu erreichen?" Eingebettet in die persönlichen Berichte Sierens, findet sich auch immer ein umfangreicher Abriss über die Geschichte und Entwicklung des jeweiligen Landes, so dass man die gewachsenen außenpolitischen Verflechtungen und Abhängigkeiten auch als Laie sehr gut nachvollziehen kann.
Anhand zahlreicher Beispiele aus Politik und Wirtschaft, wie etwa dem irakisch-iranischen Krieg, den chinesisch-afrikanischen Handelsbeziehungen, sowie zahlreicher Entwicklungsprojekte schildert er die vielfältigen Versuche Chinas, seine Rohstofflieferungen zu sichern und gleichzeitig an Prestige und Einfluss in der dritten Welt zu gewinnen.
Trotz Sierens gelegentlicher Neigung eigene Überlegungen und Theorien als Fakten auszugeben und einem recht deutlichen Fokus auf Wirtschaftsthemen, erhält der Leser ein sehr detailliertes und realistisches Bild über den langsamen, aber unaufhaltsamen Machtzuwachs Chinas, das dank seiner riesigen Devisenreserven und seiner Wirtschaftskraft gerade dabei ist, sich als Weltmacht zu etablieren. Jedem, der sich für das Politik- und Machtgleichgewicht im 21. Jahrhundert interessiert, ist Sierens Buch wärmstens ans Herz gelegt