Philipp Achenbach ist Einkäufer des Kölner Weinimporteurs France-Import, Anfang 50 und geschieden. Er liebt seine Arbeit und schätzt seinen Chef. Mit seinem Sohn Thomas, 22, BWL-Student, kommt er gut aus. So einen Hals kriegt Philipp allerdings, sobald die Rede auf die Banken und die von ihnen verursachte Krise kommt.
Dass er unter diesen Umständen von den aktuellen Plänen seines Chefs, Herrn Langer nicht begeistert ist, liegt auf der Hand. Auch wenn dieser mit Beförderung und Gehaltserhöhung lockt. Langer möchte nämlich für einen erfolgreichen britischen Investmentbankers die Abwicklung eines Champagner-Fonds übernehmen.
Wie das funktionieren soll, erklärt ihm der Chef so: "Ich als Anleger gebe jemandem Geld. Der kauft verschiedene Champagner und lagert sie. Der Champagner steigt im Wert, was abhängig ist von der Marktentwicklung, Dauer der Lagerung, vom Namen des Produzenten und einigen anderen Faktoren." (Seite 47)
France-Import würde dabei den deutschen Anteil verwalten, den Champagner nach Deutschland bringen und dort den Kunden anbieten. Doch Philipp Achenbach ist skeptisch. Nach seiner Kenntnis ist Champagner schon aus rein produktionstechnischen Gründen als Spekulationsobjekt ungeeignet, denn eigentlich sollte er nach dem Degorgieren noch drei Monate lang ruhen. Was ist, wenn in der Zwischenzeit der Preis wieder sinkt?
Während Sohn Thomas nach dem Fondsmanager, einem gewissen Mr. Goodhouse, recherchiert und lauter positive Informationen über einen seriösen Geschäftsmann findet, fährt Philipp Achenbach nach Reims. Die Gelegenheit, sich dort das Champagnerlager der Fondsgesellschaft anzusehen, kann er sich nicht entgehen lassen.
Obwohl Achenbachs Besuch im Champagnerlager angekündigt war, empfängt man ihn provozierend unverschämt und lässt ihn erst gar nicht hinein. Unverhoffte Hilfe erhält er von einem der Arbeiter. Was dieser weiß und welche Interessen er verfolgt, sagt er nicht, aber er lässt Philipp Achenbach und dessen Sohn nachts heimlich in die Lagerräume, damit sie sich selbst Reim und Vers auf die Geschichte machen können. Was die beiden Deutschen dort entdecken, verleiht dem Begriff "Etikettenschwindel" eine ganz neue Dimension!
Wenn der Geschäftsführer des Fonds hier seine eigene trübe Suppe kocht, müssen Fondsmanager Goodhouse und Achenbachs Chef dringend gewarnt werden! Aber mit dieser gut gemeinten Aktion reiten sich Vater und Sohn erst so richtig in die Sch***. Auf einmal haben sie nicht nur die Polizei am Hals, sondern auch noch ein paar Erfüllungsgehilfen der Fondsgesellschaft. Und die sind alles andere als zimperlich. Doch Philipp Achenbach glaubt inzwischen zu wissen, wo er hintreten muss, damit dieser Gegner in die Knie geht ...
Es ist schon praktisch für einen Autor, wenn er einen grantelnden und illusionslosen Helden wie Philipp Achenbach schafft, der keine Angst vor plakativen Äußerungen hat. Ihm kann man ungestraft politisch unkorrekte Äußerungen in den Mund legen, die man sonst so nicht publizieren würde. Der Leser grinst und freut sich, wenn die Mächtigen der Welt mal so richtig ihr Fett wegkriegen - auch wenn er erkennt, wo man vielleicht noch ein wenig differenzieren könnte.
Manchmal könnte man Achenbach und Sohn schütteln, weil sie in ihrer Naivität meinen, es allein mit Frechheit, gesundem Menschenverstand und der Hilfe guter Freunde mit professionellen Kriminellen aufnehmen zu können. Spannend für den Leser ist das allemal. Man muss auch kein Wein- oder Champagnerkenner sein, um der Handlung folgen zu können und Geschmack daran zu finden. Obwohl man schon ein bisschen schneller ahnt, wo der Hase im Pfeffer liegt, wenn man wenigstens der Spur nach weiß, wie Champagner hergestellt wird.