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Der Burenkrieg und die deutschsprachige Presse: Wahrnehmung und Deutung zwischen Bureneuphorie und Anglophobie 1899-1902
 
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Der Burenkrieg und die deutschsprachige Presse: Wahrnehmung und Deutung zwischen Bureneuphorie und Anglophobie 1899-1902 [Gebundene Ausgabe]

Steffen Bender
1.0 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (1 Kundenrezension)
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Produktinformation

  • Gebundene Ausgabe: 296 Seiten
  • Verlag: Schöningh; Auflage: 1., Aufl. (April 2009)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3506767143
  • ISBN-13: 978-3506767141
  • Größe und/oder Gewicht: 23,4 x 16 x 2,8 cm
  • Durchschnittliche Kundenbewertung: 1.0 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (1 Kundenrezension)
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Produktbeschreibungen

Kurzbeschreibung

Der Burenkrieg war der längste, teuerste und verlustreichste Krieg, den das britische Empire im Jahrhundert zwischen 1815 und 1914 führte. Wie in ganz Europa, wurde der Konflikt auch im Deutschen Reich aufmerksam verfolgt.
Eine bereits vor dem Krieg zu beobachtende »Bureneuphorie«, die unter anderem auf den ethnischen Verbindungen zu den Buren aufbaute, verband sich mit einer anglophoben Stimmung, die die deutsche Reichsleitung immer wieder zur Rechtfertigung ihrer strikten Neutralitätspolitik zwang.
Als Medienereignis wurde der Burenkrieg im Deutschen Reich maßgeblich durch die Presse vermittelt. Das Buch untersucht die Darstellung und Kommentierung des Krieges durch deutsche und österreichische Zei-tungen und Zeitschriften. Es zeigt, wie die Presse durch ihre Berichterstattung und Kommentierung an der Konstruktion und Verbreitung eines anglophoben Feindbildes mitwirkte. Weiterhin wird die journalistische Begleitung des Burenkriegs als ein frühes mediales Beispiel für die Umbruchsituation um 1900 vorgestellt: Die Entwicklung eines »politischen Massenmarktes« konfrontierte die Politik zunehmend mit politischen Forderungen öffentlicher Kreise, die konkret auf die Innen- und Außenpolitik einwirken konnten.

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Zeitschrift für Geschichtswissenschaft 60(2012)5, 472-474:

"Die hier als Buch vorliegende Dissertation wurde 2008 von der Universität Tübingen angenommen, entstanden ist sie im SFB 437 'Kriegserfahrungen. Krieg und Gesellschaft in der Neuzeit'. Die Zielsetzung der Arbeit war, herauszufinden, wie die deutsche Presse den sogenannten Burenkrieg von 1899-1902 dargestellt und gedeutet hat (S. 14). Methodisch stützt sich der Autor hauptsächlich auf die qualitative Auswertung von 20 deutschen bzw. österreichischen Tageszeitungen (S. 20), die nach Wahrnehmungs- und Deutungsmustern untersucht werden, um die Entstehung, die Kontinuität und den Wandel eines kollektiven Wirklichkeitsbewußtseins ins Zentrum der Analyse zu stellen (S. 18f.).

Nach der Einleitung (Teil I) definiert der Autor den Burenkrieg als Medienereignis und beschreibt dessen Ursachen und Verlauf (Teil II). Dabei beobachtet er eine emotionalisierte Wahrnehmung der Buren (Überhöhung zum 'niederdeutschen Stamm', S. 30), die später in 'Bureneuphorie' bzw. 'Anglophobie' münden sollte. Die Art der Informationsbeschaffung durch die Presse wird als 'fern dem Kugelregen' (S. 35) charakterisiert, da durch die räumliche Distanz kaum Korrespondenten entsandt wurden bzw. die wenigen nur mit enormer Zeitverzögerung berichteten und zudem der britischen Militärzensur unterlagen. Dass diese Bedingungen erfundenen Geschichten Tür und Tor öffneten und diese wiederum auf dankbare Empfänger trafen, vermag ob einer im Schematismus von 'David gegen Goliath' denkenden Öffentlichkeit kaum verwundern. Die Wahrnehmung der britischen Armee und die Auswertung der militärischen Aspekte in der Presse folgten chronologisch dem Kriegsverlauf, stets jedoch mit Sympathie für die Buren und Skepsis gegenüber Großbritannien.

In Teil IV der Arbeit erfolgt eine Kontextualisierung in Hinblick auf die Aus- und Rückwirkungen des Krieges auf das Deutsche Reich. Durch die erklärte Neutralität stand der Außenpolitik eine feindlich gesinnte, jedoch von der öffentlichen Meinung unterstützte inländische Presse gegenüber, die gerade im Begriff war, sich vom Diktat der Bismarckschen Presselenkung freizumachen. Die neutrale bis pro-britische Haltung des Kaisers, der 1896 noch durch seine 'Krüger-Depesche' dem Transvaal-Präsidenten zur Abwehr der Invasion gratuliert hatte, war der Öffentlichkeit auch mit dem Verweis auf seine verwandtschaftlichen Beziehungen zum englischen Königshaus kaum zu vermitteln. Die Ablehnung eines Empfangs des exilierten Paul Krüger durch den Kaiser wurde als gegen den Willen der ganzen Nation gerichtet empfunden (S. 213). Vor diesem Hintergrund gelang es Reichskanzler von Bülow nicht, direkt auf die Presse einzuwirken, da sich so der Eindruck einer 'Kriecherei vor den Engländern' nur verstärkt hätte.

Da eine Zusammenfassung durch den Verfasser fehlt, kann der Leser nur mit Mühe die eingangs aufgestellte Hypothese, wonach die Presse durch ihre Berichterstattung und Kommentierung an der Konstruktion und Verbreitung eines anglophoben Feindbildes mitwirkte, bestätigt finden. Durch den Burenkrieg wurde hingegen deutlich, dass die Regierungen noch nicht in der Lage waren, massenmedial kommunizierten Forderungen aus der Öffentlichkeit adäquat zu begegnen. Die Bereitschaft, den konkreten Kurs der Innen- und Außenpolitik dadurch beeinflussen zu lassen, widersprach dem traditionellen Selbstverständnis der politischen Akteure. Im Gegenzug dachte die sich gerade von der Obrigkeit emanzipierende Presse nicht daran, sich mit dieser Einflusslosigkeit abzufinden.

Aufgrund der gewählten hermeneutisch-deskriptiven Methode ist das Ziel der Untersuchung - herauszufinden, wie die deutsche Presse den Burenkrieg dargestellt und gedeutet hat - als erreicht anzusehen. Ein solches interpretatives Nachzeichnen als originäre Forschungsleistung anzuerkennen, muss hingegen angezweifelt werden. Die Gründe dafür sind leicht zu benennen:

1) Die bereits in den 1920er Jahren einsetzende akademische Beschäftigung mit dem Burenkrieg im deutschsprachigen Raum wird einfach nicht zur Kenntnis genommen. Sogar die in Tübingen eingereichte Dissertation von Erich Voegtle 'Die englische Diplomatie und die deutsche Presse 1898-1914: ein Beitrag zu den deutsch-englischen Beziehungen der Vorkriegszeit' (1936) oder die mit der vorliegenden Studie fast namensgleiche Arbeit von Gerda Weinhappl 'Die Stellung der öffentlichen Meinung Deutschlands zum Burenkrieg' (Wien 1966) tauchen bei Bender nicht auf. Sicher ließe sich begründen, warum manche Untersuchung nicht herangezogen wurde. Diese aber einfach zu verschweigen und so zu tun, als ob thematisch Neuland betreten würde, gibt Anlass zu ernsten Bedenken.

2) Der Autor ignoriert die komplette südafrikanische Forschungsliteratur in afrikaanser Sprache, der er offenbar nicht mächtig ist.

3) Mit dem gewählten methodischen Zugang, der quantitative Betrachtungen ausschließt, scheint es dem Rezensenten unmöglich, 'Intensitätskonjunkturen der publizistischen Reaktion' (S. 22) klar und systematisch erkennen zu können. Hier kann nur eine Inhaltsanalyse auf empirischer Basis verlässliche Aussagen bringen, da sonst je nach herangezogener Quelle ein Interpretationsspielraum entsteht, mit dem man Zyklen der 'Intensitätskonjunkturen' nach eigenem Gutdünken kreieren könnte.

4) Handwerklich weist die Studie erhebliche Schwächen auf. So wird das Zitat des Kolonial- und Afrikahistorikers Ulrich van der Heyden ins Gegenteil verkehrt, wenn bemerkt wird, dass Aussagen wie 'die gesamte deutsche Presse ['] wie selbstverständlich Partei für die Buren' ergriffen habe, seien wenig hilfreich, in ihrer Absolutheit schlicht falsch und fußten nicht auf einem eingehenden Quellenstudium (S. 16), wo sich doch der ganze Aufsatz um nichts anderes dreht, als um die Wechselfälle der deutschen kolonialen Propaganda im Burenkrieg. Korrekt lautet das Zitat 'Als am 11. Oktober 1899 der 'Burenkrieg' ausbrach, nahm allerdings die gesamte deutsche Presse, wie wohl auch nahezu die gesamte europäische Presse außerhalb Großbritanniens, wie selbstverständlich Partei für die Buren und richtete gegen England scharfe Angriffe.' 1, womit ausgesagt wird, dass lediglich zu Beginn des Krieges diese Einhelligkeit vorhanden war, die sich aber keineswegs nur auf Deutschland beschränkte. Könnte der Verfasser Afrikaans lesen, wäre ihm nicht van der Heydens Schrift 'Diplomasie en Politiek. Die Pers, die Boererepublicke en Duitsland tydens die Anglo-Boere-Oorlog' (Pretoria 2002) entgangen, die alle Fragen aus Benders Forschungsagenda beantwortet.

5) Leider vertraute der Autor einer fachfremden Betreuung und potenziert damit die vorhandenen Schwächen. Die genannten Unterstützer der Arbeit ' Dieter Langewiesche, Anselm Doering-Manteuffel bzw. Jost Dülffer ' sind bisher jedenfalls noch nicht als erfahrene Afrika- oder Pressehistoriker aufgefallen. Einer fachlich versierten Betreuung wäre es ein Leichtes gewesen, die aufgezeigten Mängel vor Einreichung der Arbeit zu identifizieren und abstellen zu lassen. Insofern muss man den Doktoranden ausdrücklich in Schutz nehmen, seinen Betreuern kann man allerdings völliges Desinteresse unterstellen, da sie sonst kaum riskiert hätten, ihren Schützling derart ins offene Messer laufen zu lassen.

Es ist wohl davon auszugehen, dass südafrikanische Universitäten die Arbeit in der vorliegenden Form nicht zur Promotion angenommen, sie aber mit einem guten Berg an Änderungswünschen dem Promovenden zurückgegeben hätten. Trotz eines erheblichen Einsatzes von Zeit und Mitteln wurden hier lediglich Ergebnisse re-produziert, die andere bereits vor Jahren und in besserer Qualität vorgelegt haben."
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