Mit leichter Hand hat Christian Schünemann seinen zweiten Fall für den Frisör zu Papier gebracht. Jakob Zimmermann, ein mittelloser Maler, taucht in dessen Münchner Leben auf und behauptet, sein Bruder zu sein. Einiges spricht dafür, dass es so sein könnte - oder ist Jakob nur ein Schwindler, der es aufs Familienerbe abgesehen hat? Die Zweifel und widerstreitenden Gefühle des Tomas Prinz bezüglich des rätselhaften Fremden sind eine ideale Ausgangsbasis für die gut konstruierte Geschichte, die sich in der Folge entwickelt. Was bei Schünemann auffällt, ist seine Liebe zum Detail und die Beiläufigkeit, mit der er diese Details beschreibt: präzise, treffend, originell formuliert. Jeder einzelne Satz scheint liebevoll komponiert - da ist kein Wort zu viel und keines zu wenig. Zuweilen schimmert ein warmer Humor zwischen den Zeilen auf, in genau der richtigen, dem Genre angemessenen Dosis. Obwohl das Buch spannend ist, verströmt es eine gewisse Ruhe - die Ruhe eines Autors, der weiß, dass er sein Handwerk versteht. Ich freue mich auf den dritten Fall für Tomas Prinz.