Die Breite des behandelten Wissens ist sehr groß: Von Konzepten der theoretischen und angewandten Informatik reichen die Themen bis zu sehr konkreten und praktischen Dingen; auch über die Geschichte der Computer (weit weniger aber der Informatik) erfährt man sehr viel. Zum Beispiel werden auch die Heimcomputer der 1980-er-Jahre ausführlich gewürdigt und hat auch jeder historische Intel- oder Motorola-Prozessor sein Stichwort.
Was mich an diesem Brockhaus enttäuscht hat, ist die in meinen Augen nicht ausreichend große Tiefe. Dass die Themen populär erklärt sind, ist gut; so kann jeder z.B. nachvollziehen, was ein Baum in der Informatik ist und wozu er gut ist. An dieser Stelle endet aber der Brockhaus, und die Frage, WIE man das macht, d.h. wie z.B. in einem B-Baum eingefügt oder gelöscht wird, wird nicht thematisiert. Das hätte ich von einem Werk, das den Titel "Fachlexikon" trägt, eigentlich erwartet.
Ein Werk, das meiner Vorstellung von FACH-Lexikon weit mehr entspricht, ist der Informatik-Duden aus derselben Verlagsgruppe. Dort werden Themen der Informatik etwas tiefer behandelt, alle anderen Themen des Computer-Brockhaus (z.B. die Geschichte von Windows) aber ausgespart.
Der Brockhaus ist sicher sehr interessant, wenn man beruflich bzw. von der Ausbildung her außerhalb der Informatik tätig ist und von außen Einblicke in die Thematik sucht. Wenn man sich innerhalb der Thematik aufhält, dann bietet er immer noch viel historische Information, die man aber im Prinzip im Internet auch findet.
Formal finde ich es nicht sehr gelungen, dass im Buch zu den meisten Artikeln Weblinks angegeben sind. Deren Lebensdauer ist meist deutlich geringer als die eines hochwertig gebundenen Buches, das auch dieser Brockhaus ist. Da man zum Verfolgen von Links obendrein ohnedies einen Computer braucht, wäre es aus meiner Sicht sinnvoller und der Lebensdauer (Brauchbarkeitsdauer) des Buchs zuträglicher gewesen, wenn die Links nur auf der beiliegenden CD enthalten wären.
Für Außenstehende ist gegen den Erwerb des Computer-Brockhaus sicher nichts zu sagen. Leuten vom Fach würde ich allerdings empfehlen, das Werk vor dem Kauf durchzublättern und selbst zu sehen, ob die Darstellung den eigenen Erwartungen entspricht.