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Der Briefwechsel [Taschenbuch]

Raimund Fellinger , Martin Huber , Julia Ketterer , Thomas Bernhard , Siegfried Unseld
5.0 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (2 Kundenrezensionen)
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Kurzbeschreibung

25. Dezember 2010
30 Jahre alt, ohne Resonanz auf seine bis dahin veröffentlichten drei Gedichtbände, vom eigenen überragenden schriftstellerischen Können allerdings überzeugt, schreibt Thomas Bernhard im Oktober 1961 an Siegfried Unseld: "Vor ein paar Tagen habe ich an Ihren Verlag ein Prosamanuskript geschickt. Ich kenne Sie nicht, nur ein paar Leute, die Sie kennen. Aber ich gehe den Alleingang." Obwohl der Suhrkamp Verlag das Manuskript ablehnte, gingen der Alleingänger und der Verleger seit dem Erscheinen von Bernhards erstem Roman "Frost" 1963 gemeinsam den Weg, der den Autor in die Weltliteratur führte. In den etwa 500 Briefen zwischen beiden entwickelt sich ein einzigartiges Zwei-Personen-Schauspiel: Mal ist es eine Tragödie, wenn etwa Bernhard die aus seinen Werken bekannten Schimpftiraden auf den Verleger losläßt, der seinerseits auf die Überzeugungskraft des Arguments setzt. Dann gibt Bernhard ein Kammerspiel mit Unseld als Held – 1973 schreibt er ihm: "mit grösster Aufmerksamkeit, mit allen Möglichkeiten, gehe ich gern mit Ihnen." 1984 agieren beide, bei der Beschlagnahme von "Holzfällen", als Kämpfer für die Literatur in einem von Dritten inszenierten Schurkenstück. Es dominiert das Beziehungsdrama: Der Autor stellt die für sein Werk und seine Person unabdingbaren Forderungen. Der Verleger seinerseits weiß, daß gerade bei Bernhard rücksichtslose Selbstbezogenheit notwendige Voraussetzung der Produktivität ist. Solch einen dramatischen Briefwechsel zwischen Autor und Verleger, in dem bei jeder Zeile alles auf dem Spiel steht, kennt das Publikum bislang nicht.

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Produktinformation

  • Taschenbuch: 869 Seiten
  • Verlag: Suhrkamp Verlag; Auflage: 1 (25. Dezember 2010)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3518422138
  • ISBN-13: 978-3518422137
  • Größe und/oder Gewicht: 20 x 12,4 x 4 cm
  • Durchschnittliche Kundenbewertung: 5.0 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (2 Kundenrezensionen)
  • Amazon Bestseller-Rang: Nr. 203.319 in Bücher (Siehe Top 100 in Bücher)

Produktbeschreibungen

Pressestimmen

»Was die beiden Champions hier darstellen, ist eine wahre Comédie humaine. Wie von einem modernen Molière erdacht.«

(Der Tagesspiegel )

»Falls jemand auf ein letztes, unentdecktes Drama von Thomas Bernhard gehofft haben sollte: Hier ist es. Es heißt Briefwechsel und entstand zwischen 1961 und Bernhards Tod 1989.«

(Die Zeit )

»Bernhard grantelt. Bernhard beleidigt. Bernhard flucht und haut genau auf die Glocke. Der Verleger muss viel einstecken. Wir liegen zu seinen Füßen und krächzen ergeben: Immer schön gemein sein!«

(Die Welt )

»Wer etwas über die Bedingungen erfahren will, unter denen Literatur entsteht, darüber, was es bedeutet, ein Verleger zu sein, und was ein solcher Verleger als Ermöglicher großen Formats auszuhalten bereit sein muss - der findet die Antworten in dieser Korrespondenz.«

(Julia Encke Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung )

»Großes Kino: Der Verleger und sein zorniger Autor schreiben sich. Und beschreiben sich. Korrespondenz als Fight Club.«

(Florian Illies Die Zeit )

»Der Briefwechsel zwischen Bernhard und Unseld ist ein gewaltiges, ein ungeheuerliches Buch. In dieser hochdramatischen Korrespondenz präsentiert sich uns einer der besten Romane und zugleich die herrlichste Tragikomödie aus Thomas Bernhards Oeuvre. Das hat auch damit zu tun, dass ein Co-Autor, ein Mit- und Gegenspieler seltenen Ranges am Werk war. Wer bis dato vom Wesen, von der Lebensleistung des Jahrhundertverlegers Siegfried Unseld keine genaue Vorstellung hatte, weiß danach ausreichend Bescheid.«

(Ulrich Weinzierl Literarische Welt )

»Bernhards genussvoller Qual-und-Lust-Slalom, sein Überbietungs-, Übertreibungs- und Übersteigerungs-Stil ist im Briefwechsel mit seinem Verleger genauso präsent wie in seiner sonstigen Prosa. Es gibt auf den mehr als 800 Seiten des Bandes kaum eine Atempause. ... Der Briefwechsel bietet nicht nur einen ungewohnten Einblick in den Literaturbetrieb jener Jahre, der mittlerweile unendlich weit ferngerückt scheint, er hilft auch, das Geheimnis dieses Verlegers besser zu verstehen.«

(Helmut Böttiger Süddeutsche Zeitung )

Über den Autor

1931
geboren am 9. Februar in Heerlen (Niederlande) als unehelicher Sohn von Herta Bernhard, der Tochter des Schriftstellers Johannes Freumbichler; den Vater Alois Zuckerstätter lernt Bernhard nie kennen

1931-35
zusammen mit der Mutter und deren Eltern in Wien; schwierige ökonomische Situation; enge Beziehung zum Großvater mütterlicherseits

1935
Übersiedlung mit Mutter und Großeltern nach Seekirchen am Wallersee (Land Salzburg)

1938
Übersiedlung nach Traunstein (Bayern); Bernhards Mutter hat mit ihrem Ehemann Emil Fabjan zwei weitere Kinder; Peter (geb. 1938), Susanne (geb. 1940)

1943
ab Herbst im NS-Schülerheim in Salzburg; Gymnasium; in den folgenden Jahren u.a. Geigen- und Gesangsunterricht

1945
katholisches Schülerheim Johanneum

1946
Übersiedlung der gesamten Familie nach Salzburg (Radetzkystraße )

1947
Abbruch des Gymnasiums; Kaufmannslehre (Scherzhauserfeldsiedlung)

1949-51
in der Folge Lungentuberkulose; Aufenthalte im Krankenhaus, in Sanatorien und Heilstätten (u.a. in der Lungenheilstätte Grafenhof bei St. Veit im Pongau, Land Salzburg)
1949
Tod des Großvaters

1956
lernt Hedwig Stavianicek - seinen ›Lebensmenschen‹ - kennen; Tod der Mutter

1952-55
freie Mitarbeit beim Salzburger ›Demokratischen Volksblatt‹; Gerichtssaalberichte, Buch-, Theater- und Filmkritiken; erste literarische Veröffentlichungen: Gedichte, Erzählungen 1955 erste von zahlreichen Jugoslawienreisen mit Hedwig Stavianicek

1955-57
Hochschule für Musik und darstellende Kunst ›Mozarteum‹ in Salzburg: Musikunterricht, Regie- und Schauspielstudium

1956
erste Venedigreise mit Hedwig Stavianicek

1957-60
Freundschaft mit dem Komponisten Gerhard Lampersberg; längere Aufenthalte auf dessen Tonhof (Maria Saal, Kärnten)

1957
erster Gedichtband: Auf der Erde und in der Hölle

1958
In hora mortis; Unter dem Eisen des Mondes (Gedichtbände)

1959
die rosen der einöde. fünf sätze für ballett, stimmen und orchester

1960
Aufführung der Kurzoper Köpfe und einiger Kurzschauspiele im Theater am Tonhof; erste große Italienreise mit Hedwig Stavianicek (u.a. Sizilien), Reise nach England (kurzer Aufenthalt in London)

1963
literarischer Durchbruch mit dem Roman Frost; erste Polenreise

1964
Amras; Julius Campe-Preis

1965
Literaturpreis der Freien Hansestadt Bremen; Kauf eines Vierkanthofs in Obernathal bei Ohlsdorf (Oberösterreich; vermittelt durch den Immobilienmakler Karl Ignaz Hennetmair), jahrelange Restaurierung des Gebäudes; später Kauf zweier weiterer Häuser bei Reindlmühl und Ottnang; daneben immer wieder Aufenthalte in Wien (Wohnung Hedwig Stavianiceks in der Döblinger Obkirchergasse) und Reisen vor allem in den mediterranen Süden (Jugoslawien etc.), wo auch einige Werke entstehen

1967
Verstörung; Prosa; Operation im Pulmologischen Krankenhaus der Stadt Wien auf der Baumgartner Höhe

1968
Ungenach; Kleiner Österreichischer Staatspreis 1967; Anton Wildgans-Preis

1969
Watten; Ereignisse (entstanden 1957); An der Baumgrenze

1970
Das Kalkwerk; Ein Fest für Boris (uraufgeführt in Hamburg unter der Regie von Claus Peymann, der auch einen Großteil der weiteren Stücke erstinszeniert), Fernsehfilm Drei Tage (Regie: Ferry Radax); Vortragsreise durch Jugoslawien und Italien

1971
Gehen; Midland in Stilfs; Der Italiener (verfilmt von Ferry Radax)

1972
Der Ignorant und der Wahnsinnige (Uraufführung bei den Salzburger Festspielen); Franz Theodor Csokor-Preis, Adolf Grimme-Preis, Grillparzer-Preis

1974
Die Jagdgesellschaft (Uraufführung am Wiener Burgtheater); Die Macht der Gewohnheit; Der Kulterer (verfilmt von Vojtech Jasny); erste Portugalreise

1975
Die Ursache (erster Band der autobiographischen Pentalogie; wie die übrigen Bände erschienen im von Wolfgang Schaftier geleiteten Salzburger Residenz-Verlag; Ehrenbeleidigungsklage des Salzburger Stadtpfarrers Franz Wesenauer); Korrektur; Der Präsident

1976
Der Keller; Die Berühmten

1977
Minetti; größere Reisen nach Italien (u.a. Rom, Sizilien), in den Iran, nach Ägypten und Israel

1978
Der Atem; Ja; Der Stimmenimitator; Immanuel Kant; erste Reise nach Mallorca

1979
Der Weltverbesserer, Vor dem Ruhestand; Austritt aus der Deutschen Akademie für Sprache und Dichtung; Reise in die USA (New York)

1980
Die Billigesser

1981
Die Kälte; Ober allen Gipfeln ist Ruh; Am Ziel; Ave Vergil Ende der fünfziger Jahre entstandenen Gedichten); Reise in die Türkei

1982
Ein Kind; Beton; Wittgensteins Neffe; Premio Prato

1983
Der Untergeher; Der Schein trügt; Premio Mondello; erste Reise nach Spanien

1984
Tod Hedwig Stavianiceks
Holzfällen (vorübergehende Beschlagnahmung des Romans auf Antrag Gerhard Lampersbergs); Der Theatermacher; Ritter, Dene, Voss

1985
Alte Meister

1986
Auslöschung; Einfach kompliziert

1987
Elisabeth II

1988
Heldenplatz (große öffentliche Auseinandersetzung um Bernhards am Wiener Burgtheater uraufgeführtes Theaterstück zum ›Bedenkjahr‹ 50 Jahre Anschluß Osterreichs an NS-Deutschland); Prix Medicis; letzte Reise nach Spanien (Torremolinos)
1989
gestorben nach jahrelanger schwerer Krankheit am 12. Februar in Gmunden (Oberösterreich); beigesetzt im Grab Hedwig Stavianiceks auf dem Grinzinger Friedhof in Wien



Raimund Fellinger, geboren 1951 im Saarland, arbeitet nach Studium von Germanistik, Linguistik und Politikwissenschaft seit 1979 als Lektor im Suhrkamp Verlag, seit 2006 als Cheflektor.



Siegfried Unseld wurde am 28. September 1924 in Ulm geboren und starb am 26. Oktober 2002 in Frankfurt am Main. Nach dem Abitur wurde er im Zweiten Weltkrieg zum Kriegsdienst einberufen und war drei Jahre lang, bis 1945, als Marinefunker im Einsatz. Nach seiner Rückkehr absolvierte er beim Ulmer Aegis Verlag eine Lehre als Verlagskaufmann. 1947 erhielt er durch die Vermittlung von Professor Weischedel die erstrebte Zulassung an der Universität Tübingen und studierte dort Germanistik, Philosophie, Nationalökonomie, Völkerrecht, Bibliothekswissenschaften und Sinologie. Seinen Lebensunterhalt bestritt Unseld als Werkstudent. Bis 1950 arbeitete er im Verlag J. C. B. Mohr in Tübingen. 1951 promovierte er mit einer Dissertation über Hermann Hesse zum Dr. phil. 1952 trat er in den Suhrkamp Verlag ein, wurde 1958 Gesellschafter der Suhrkamp Verlag KG und übernahm nach dem Tod Peter Suhrkamps die Verlagsleitung. Neben seiner beruflichen Tätigkeit besuchte er 1955 das von Henry Kissinger geleitete Internationale Seminar der Harvard Universität in Cambridge/Mass. (USA). Unseld führte die Verlage Suhrkamp und Insel und den 1981 von ihm gegründeten Deutschen Klassiker Verlag bis zu seinem Tod im Jahr 2002.


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5.0 von 5 Sternen Unterhaltsamer Ringkampf 3. Februar 2011
Format:Taschenbuch
Wunderbar! Über Jahrzehnte ringen Autor und Verleger, Thomas Bernhard und Siegfried Unseld, miteinander. Es geht um Verträge, Honorare und Darlehen, um Verlagsprogramme, Buchcover und natürlich Buchinhalte. Und der Autor beschimpft, beleidigt, stellt Forderungen, trifft Vereinbarungen, um sie gleich wieder zu brechen. Gleichzeitig wünscht er alle Aufmerksamkeit des Verlegers. Bernhard ist gekränkt, wenn er zu selten von Unseld persönlich angerufen und aufgesucht wird, wenn andere Autoren öffentlichkeitswirksam und auflagensteigernd gefördert werden.

Die Beziehung beider ist ein permanentes Auf und Ab. Momente der perfekten Harmonie, in denen Bernhard Unseld als den besten aller möglichen Verleger preist, wechseln mit Phasen der Kritik und der Entfremdung. Mehr als einmal kündigt Bernhard an, die Beziehung zu Suhrkamp sei beendet.

Dabei ist Bernhard der impulsgebende Part, Unseld ist stets um Ausgleich bemüht. Unseld setzt alle seine Kraft ein. Streckenweise fühlt er sich arg strapaziert. Der Verleger sei auch nur ein Mensch, schreibt er Bernhard einmal. Letztlich geht Bernhard über seine Kräfte.

Der Briefwechsel endet mit einem Brief und dem Hinweis Bernhards, er sei von allen Autoren des Verlages stets der pflegeleichteste gewesen. Eine gelungene Schlusspointe eines unterhaltsamen Buches.
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1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Perfekt! 22. April 2012
Von Bücherwurm TOP 1000 REZENSENT
Format:Taschenbuch
Thomas Bernhard - ein Genie, ein Wahnsinniger...wahrscheinlich beides zusammen! Auf alle Fälle aber ein Garant für einen Aufreger. Österreicher lieben es, wenn sie sich aufregen können. Thomas Bernhard lieferte früher immer gerne das Thema dazu.
In diesem Buch ist der gesamte (!) Briefwechsel von Suhrkamp-Verlag Chef Siegfried Unseld mit seinem wohl besten "Pferd im Stall" Thomas Bernhard. Die 2 entwickeln eine Hass-"Liebe" zueinander, die von tiefster Überzeugung heraus existiert. Beidseitig.
Bernhard schreibt mal im flehenden, verrückten, unabrückbaren, neidvollen, agressiven, bittenden und von sich selbst überzeugten Ton. Unseld gibt aber nicht nur kontra, sondern bietet Bernhard auch Paroli. Und trotzdem sind die beiden immer höflich und respektvoll und "immer per Sie".

Fazit: Auf über 800 Seiten kann man sich ein Bild von Bernhard machen, wie ich persönlich sogar glaube, intensiver, als je ein Buch von ihm ihn zeigt. Bernhard schenkt seinem Verleger weder eine Zeile, noch eine noch so kurze Antwort, die manchmal Seiten füllen. Unseld hingegen bietet Paroli, weiß aber, was er an Bernhard hat; was der widerum weiß. Ein endlos Spiel. Dieser Briefwechsel zeigt mehr "Biografie", als jede andere und sollte in keiner Bibliothek fehlen. Lesenswert!
Viel Spaß!
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