Der Schildknappe Tiuri soll in der Nacht vor seinem Ritterschlag wachend und nachdenkend in einer Kapelle verbringen, ohne mit irgend jemandem zu reden. Da klopft ein geheimnisvoller alter Mann an die Tür und bittet dringend um Hilfe: Ein Brief mit einer wichtigen Botschaft muss zum König des Nachbarlandes gebracht werden. Tiuri kann seine Hilfe nicht verweigern. Er verstößt gegen seine Pflicht, übernimmt den Brief - und gerät unversehnes in ein wildes Abenteuer: Man trachtet ihm nach dem Leben, er wird verfolgt und gejagt ... und schafft es schließlich, durch tausend Gefahren hindurch und mit Hilfe von Freunden, die er unterwegs kennenlernt, den Brief an seinen Bestimmungsort zu bringen und damit ein Königreich zu retten.
Bei dem Buch handelt es sich um eine von der ersten bis zur letzten Seite spannende Abenteuergeschichte für Kinder ab ca. neun Jahren. Während der junge und sympathische Hauptheld versucht, seinen schwierigen Auftrag zu einem guten Ende zu bringen, erfährt der Leser etwas über Freundschaft, Ehrlichkeit, Treue, Mut und Selbstlosigkeit.
Vier Sterne (und nicht fünf) gebe ich dem Buch aus zwei Gründen:
Erstens ist die Sprache ziemlich veraltet, stellenweise „zu einfach" und zu wenig abwechslungsreich. Zweitens finde ich Tiuri einfach zu edel, zu gut und zu hilfreich. Er ist von Anfang an die Tugend in Person. Abgesehen davon, dass sich die Autorin damit der Möglichkeit beraubt, ihn sich entwickeln zu lassen, empfinde ich seinen Charakter als zu unrealistisch und zu sehr idealisiert. Nebenbei ist es auch noch so, dass „die Bösen" immer sofort erkannt werden können (schon an den Augen ...) und dass die Guten immer von Grund auf gut und die Bösen abgrundtief schlecht sind.
Ich habe ziemlich lange darüber gegrübelt, ob diese „Eingleisigkeit der Charaktäre" gut ist oder nicht - und bin zu keinem abschließenden Ergebnis gekommen. Denn auch wenn uns Erwachsenen diese Schwarzweiß - Einteilung zu simpel erscheinen mag, hat sie doch etwas für sich: Das Gute und das Böse können ganz eindeutig unterschieden werden. In unserer komplizierten Welt, in der Kinder schon von klein auf mitkriegen, dass es oft nicht einfach ist, gut und schlecht zu unterscheiden und dass die Erwachsenen selbst manchmal verwirrt und verunsichert sind, ist es vielleicht gerade wichtig, eindeutig Stellung zu beziehen ...
Wie dem auch sei: 4 Sterne. (Ich bin aber eine harte Kritikerin, bei mir kriegt kein Buch so schnell 5 ... Ich will damit sagen: Es ist sehr lesenswert!! Meine neunjährige Tochter und ich haben es - teils gemeinsam, teils „parallel" lesend - verschlungen).