Der Verlag über das Buch
In Ausgabe Nr. 23 vom Mai 1976 veröffentlichte die Jugendzeitschrift BRAVO folgende Titelstory: Explosion einer Liebe. Christian Anders schrieb für Bravo einen Roman, der Euch alle in Atem halten wird. Gemeint war der Liebesroman Der Brief, den Christian Anders zum gleichnamigen Hit geschrieben hatte. Das Buch wurde Bravo - Roman des Jahres. Da Christian Anders mit seinem demnächst bei Koch erscheinenden neuen Lied Der Tag, an dem die Erde still stand musikalisch zu seinen Wurzeln zurückgefunden hat, entschloss sich der Verlag Elke Straube zur Neuauflage des damals so erfolgreichen Buches. Von vielen Fans sehnsüchtig erwartet, wird die Geschichte zweier Liebender hoffentlich auch heute noch oder wieder gefallen und den Leser in die Welt der Liebe und Romantik entführen.
Der Autor über sein Buch
Liebe Leser, meine lieben Fans, da meine alten Hits wieder in sind bei jung und alt, scheint es mir eine gute Idee zu sein, nun auch meine BUCH-HITS von früher wieder zu veröffentlichen. Einer der größten Bestseller war das Buch DER BRIEF, das ich zu dem gleichnamigen Hit schrieb. Darin geht es um die Liebe zweier junger Menschen mit all ihren Schwierigkeiten, Hürden und Problemen. Angekündigt wurde er im Mai 1976 in Ausgabe Nr. 23 der BRAVO mit folgender Schlagzeile: Explosion einer Liebe. Christian Anders schrieb für BRAVO einen Roman, der Euch alle in Atem halten wird. DER BRIEF wurde Bravo-Roman des Jahres und ein großer Verkaufserfolg. In der Schweiz rangierte er auf Platz zwei nach Mario Simmel. Ich danke meiner Verlegerin Elke Straube, dass sie diesen schönen Roman wieder veröffentlicht hat und hoffe, dass Ihnen DER BRIEF auch heute noch oder wieder gefällt und Sie in die Welt der Liebe und Romantik entführt. Liebe und Licht. Ihr Christian Anders
Klappentext
Hallo allerseits! Ich habe da eine ganz große Bitte. Ich habe mit 12 Jahren mein erstes und letztes dickes Buch gleich 3 mal gelesen. Es war von Christian Anders. Es wurde von ihm selbst zum gleichnamigen Lied Der Brief geschrieben. Leider wurde mir das Buch 1989 von einer Schulkameradin gestohlen. Seither suche ich auf der ganzen Welt mein Lieblingsbuch. Meine letzte Hoffnung ist, dass Herr Anders noch ein paar davon rumliegen hat. Ich werde in 8 Wochen 30 Jahre alt und das wäre mein schönstes und größtes Geburtstagsgeschenk, wenn ich Ihnen dieses Buch abkaufen könnte. Es würde wirklich einer meiner Lebenswünsche in Erfüllung gehen, wenn ich wieder ein Exemplar hätte. Marlene Gunzinger aus der Schweiz
Umschlagtext
Hit Der Brief (1976)
Siebzehn Jahre jung und so allein,
und sie fragt, warum muß das so sein?
Die Welt, in der sie lebt, ist kalt und leer,
jemand, der sie liebt, fehlt ihr so sehr.
Sie sagt nichts ihren Eltern,
die haben andere Sorgen.
Bis zu jenem Morgen, als für ihre Mutter
Eine Welt zusammenbricht,
denn sie liest den Brief, den ihr Baby schrieb:
Siebzehn Jahre jung und so allein,
und sie fragt, warum muß das so sein?
Die Welt, in der sie lebt, ist kalt und leer,
jemand, der sie liebt, fehlt ihr so sehr.
Sie sagt nichts ihren Eltern,
die haben andere Sorgen.
Bis zu jenem Morgen, als für ihre Mutter
Eine Welt zusammenbricht,
denn sie liest den Brief, den ihr Baby schrieb:
O Mammy, ich gehe fort, es gibt einen
Menschen, der mich versteht, und er liebt mich,
ich hab sein Wort.
Was soll ich tun ohne ihn?
Und zu Hause kann man nicht verstehn,
war es unsre Schuld, wie konnte das geschehn.
Hatte sie nicht alles, was ihr Herz begehrt?
Es gab doch keinen Wunsch, den man ihr verwehrt.
Und dann die Leute, was werden sie sagen,
wenn sie hören von diesem Brief.
O Mammy, ich gehe fort, es gibt einen
Menschen, der mich versteht.
Und er bleibt bei mir, ich hab sein Wort.
Und grüß auch Daddy und sage ihm,
ich weiß, ihr habt alles für mich getan,
so schreibt sie, doch verstanden habt ihr
nie...
Über den Autor
Christian Anders wurde am 15. 01. 1945 in Österreich geboren. Zum Kriegsende wanderten seine Eltern nach Sardinien aus, wo er die Klosterschule von Cagliari besuchte. Mit 10 Jahren kehrte er nach Deutschland zurück und musste zunächst eine Zeit lang im Umsiedlerlager in Offenbach leben. In der Schule hatte er es als Ausländer schwer und lernte seine Fäuste zu gebrauchen, bis man ihn respektierte. Seine Ambitionen zu schreiben reichen bis in diese Zeit zurück. Er sagt selbst dazu: Schon als Kind wollte ich immer etwas sagen, aber keiner hat mir zugehört. Da habe ich es aufgeschrieben. Er beherrschte zu diesem Zweck eine Runenschrift, die er aber wieder verlernt hat. Orte haben sein Schreiben aber nie sonderlich geprägt; es war vielmehr die Literatur, die er las. Und das waren griechische Sagen, Henry Miller, Bukowski, Hermann Hesse und bis zu einem gewissen Grade auch Arthur Schopenhauer. Erst viel später im Leben stieß er auf Schriften von Beatrice Flemming und Dr. Georg Grimm, die zusammen mit der Lehre des BUDDHA fortan sein Leben beeinflussten. Seine Karriere als Schlagersänger begann 1969 mit dem Titel Geh nicht vorbei, ein Millionenhit, für den er die Goldene Europa und den Silbernen Löwen von Radio Luxemburg erhielt. 1970 folgte sein erster großer Hit, den er selbst komponiert hatte: Es fährt ein Zug nach nirgendwo ein Hit, der, zusammen mit vielen anderen Kompositionen, sein Publikum noch heute immer wieder begeistert. Seitdem sang Christian Anders bis auf wenige Ausnahmen nur eigene Kompositionen. Die Liste seiner Hits und Auszeichnungen ist endlos. Er verkaufte über 20 Millionen Tonträger, schrieb über 900 Lieder, 5 Drehbücher, 10 Bücher, spielte und führte Regie in 9 Filmen, schrieb 2 Musicals, ein Theaterstück (Der Mann, der AIDS erschuf) und eine Sinfonie (Malibu-Sinfonie). Trotzdem wurde er nicht glücklich. Er spürte, dass er dem wahren Sinn des Lebens noch hinterher lief. Und so verließ er enttäuscht von Ruhm und Reichtum Europa und flüchtete nach Los Angeles, wo er mehrere Monate lang obdachlos war. Aber seine spirituelle Lehrerin, Beatrice Flemming hatte ihm gesagt, dass er auserkoren sei, das Buch des Lichts zu schreiben, die wiedererwachte Urschrift, in der alle Religionen und Wissenschaften, und sind sie auch heute noch so verfälscht und missinterpretiert, ihren Ursprung haben. Und so schrieb er dieses Buch 3000 handschriftliche Seiten über den Ursprung von Mensch und Universum. Nachdem dies getan war, produzierte Chris Ahsford mit Lanoo ein Album esoterischer Lieder unter dem Titel Lanoo Alive in America. Anfang der 90-er Jahre wurde Christian Anders mit einer neuen Herausforderung konfrontiert. In seiner wöchentlichen Fernsehshow Lanoo on the BOOK of LIGHT interviewte er Alan Cantwell Jr., Arzt, und Robert B. Strecker, Arzt. Sie erklärten in seiner Show, dass AIDS eine künstlich erzeugte Krankheit sei, geschaffen in Laboratorien und injiziert in Homosexuelle und Schwarzafrikaner. Drei Jahre lang stellte Lanoo Nachforschungen an. Alle Untersuchungen führten zu einem Mann Dr. Wolf Szmuness und zu dem Buch Der Mann, der AIDS erschuf. Dieses Buch tanzt, verglichen mit den Themen der anderen Bücher, fast aus der Reihe. Es ist ein Produkt der aktiven Auseinandersetzung mit Problemen, die uns alle angehen. Ein brisantes Thema, mit dem man auch anecken kann. Aber das hat Christian Anders noch nie abgeschreckt. Er schrieb es zunächst in englischer Sprache für den Markt in den USA (die engl. Originalfassung erscheint demnächst bei BOD!). In seiner Übersetzerin Elke Straube fand er eine Verbündete, die nach wenigen Seiten erkannt hat, dass dieses Buch so schnell wie möglich auch auf den deutschen Büchermarkt muss. Zurückgekehrt nach Deutschland, singt Christian Anders (Gott sei Dank) wieder. Sehr zur Begeisterung seiner Fans. Seine Stimme ist hell und klar wie gewohnt, aber zugleich kraftvoller und ausdruckstärker als jemals zuvor. Christian Anders möchte nicht mehr nur von Liebe singen. Die Texte seiner Lieder offenbaren einen Schatz an Lebenserfahrung, genaue Beobachtung von Mensch und Umwelt sowie tiefe buddhistische Weisheit. Eine völlig neue Profilierung eines großen Künstlers hinterlässt Spuren in seinen neuen Liedern Lieder, die mehr wollen als nur unterhalten. Als Autor bei Libri Books on Demand hat Christian Anders die ideale Möglichkeit gefunden, die buddhistische Lehre IM SINNE BUDDHAS weiterzugeben. Christian Anders sieht sich dabei nicht als Guru, wie ihm von den Medien gern unterstellt wird. Er wählte für sich den Namen LANOO, was Schüler bedeutet. Schüler und nicht Meister. Auch er ist ein Lernender, der straucheln kann und nicht perfekt ist. Guru sei die Lehre, nicht er. Seine Fans und alle Freunde der esoterischen Wissenschaften und des wahren Buddhismus sind ganz herzlich eingeladen, ihre Meinungen und Kommentare zu seinen Büchern mitzuteilen.
Auszug aus Der Brief. von Christian Anders. Copyright © 2002. Abdruck erfolgt mit freundlicher Genehmigung der Rechteinhaber. Alle Rechte vorbehalten.
Das laute Schrillen der Glocke tönte durch die Räume des Mädchen-gymnasiums in Schwabing. Lachend und schwatzend stürmten die Mädchen aus den verschiedenen Klassen nach draußen. Der strahlende Aprilnachmittag trug dazu bei, ihre Laune noch zu steigern.
Tschüss, Hannelore.
Tschüss, Karin. Und vergiss meine Party nicht, heute Abend um halb sieben.
Karin Lehnert gab ihrer Freundin die Hand und meinte lächelnd: Vergess ich bestimmt nicht, Hannelore.
Die beiden Mädchen trennten sich vor dem Schulgebäude. Karin Lehnert sah dem etwas kleineren, pummeligen und immer quicklebendigen Mäd-chen hinterher, als sie auf das Moped ihres Freundes stieg, der vor der Schule bereits auf sie gewartet hatte und mit ihm davonfuhr. Hannelore Weber war ihre beste Freundin, und die beiden Mädchen hatten keine Geheimnisse voreinander.
Karin Lehnert war ein Meter siebzig groß und hatte eine schlanke, fast zerbrechlich wirkende Figur. Ihre blonden Haare, die in weichen Locken bis auf die Schultern fielen, umgaben ihr feingeschnittenes Gesicht wie ein goldener Helm. Wer in ihre großen, türkisblauen Augen sah, hatte das Gefühl, in den unergründlichen Tiefen eines Bergsees zu versinken. Karin war mit Abstand das schönste Mädchen der Klasse. Dennoch empfanden ihre Klassenkameradinnen sie nicht als Konkurrentin. Sie war stets freundlich und hilfsbereit, und ihre Noten lagen immer über dem Durchschnitt. Was Jungen anbelangte, so war sie kein Typ, den man einfach anquatschen und auf ein Glas Bier einladen konnte. Weiter als bis zu einigen harmlosen Partyflirts hatte sie es nie kommen lassen.
Was ziehe ich bloß heute Abend zu der Party bei Hannelore an? fragte sich Karin und ging über die Straße zur Bushaltestelle. Da geschah es: Sie hatte den Wagen nicht kommen sehen, bemerkte ihn erst, als er mit kreischenden Bremsen knapp vor ihr zum Stehen kam. Der Schreck schoss ihr derart in die Glieder, dass es ihr sekundenlang schwarz vor den Augen wurde. Um nicht das Gleichgewicht zu verlieren, stützte sie sich einen Augenblick auf den Kühler des Wagens, einer hellgrünen Ente.
Der dunkle Nebel verschwand erst wieder vor ihren Augen, als sie fühlte, wie jemand sie bei den Schultern fasste und sich über sie beugte. Ist ihnen etwas passiert? Die Stimme gehörte einem gut aussehenden jungen Mann mit schwarzgelockten Haaren. Er sah sogar unerhört gut aus. Sekundenlang begegneten sich ihre Blicke. Er wiederholte seine Frage: Ist ihnen etwas passiert? Er sprach ein perfektes Deutsch, jedoch mit südländischem Akzent.
Karin antwortete nicht, blickte nur weiter wie gebannt in seine Augen, in denen sie noch etwas anderes außer Besorgnis entdeckte; etwas, das sie gefangen nahm, nahezu willenlos machte.
Er führte sie um den Wagen herum, öffnete die Tür und sagte: Kommen Sie, ich fahre Sie nach Hause. Sie ließ es geschehen. Sie nannte ihm ihre Adresse, und während sie durch den regen Verkehr in der Leopoldstraße fuhren, musterte Karin den jungen Mann verstohlen von der Seite. Er sah aus wie ein Jüngling aus der römischen Antike, mit kühn vorspringender Nase und sensiblem Mund. Er hatte eine hohe, intelligente Stirn, und die glatte Haut seines Gesichts war leicht gebräunt. Sogenannte schöne Männer hatte Karin eigentlich nie ausstehen können. Aber dieser Junge war mehr als nur gut aussehend. Er wirkte nachdenklich, fast ernst, als hätte es in seinem jungen Leben schon irgendwann eine große Ent-täuschung gegeben. Jetzt blickte er kurz zu ihr hinüber, und so als hätte er sie bei irgend etwas ertappt, schaute sie schnell zur Seite.
Ich heiße Franco Giacoletti. Er hatte eine warme, tiefe Stimme. Sind Sie auch ganz sicher, dass ihnen nichts passiert ist, Fräulein...?
Lehnert, Karin Lehnert, vollendete sie den Satz. Ohne den Blick von der Straße zu wenden, reichte er ihr seine Hand. Ich hoffe, Sie sind mir nicht böse, aber es war wirklich nicht meine Schuld.
Wie lustig er das R rollte. Zögernd ergriff sie seine Hand. Als seine schlanken, kräftigen Finger sich um die ihren schlossen, durchzuckte es sie wie ein elektrischer Schlag. Sie konnte sich einfach nicht wehren gegen dieses Gefühl, und schnell zog sie ihre Hand wieder zurück. Es ist nur ein paar Straßen weiter, sagte sie. Halten Sie bitte hier, ich gehe den Rest zu Fuß.
Eine Sekunde war Stille. Dann sagte er mit einem Lächeln, das sie nie vergessen würde - das erste Lächeln, das er ihr schenkte -: Hier in der Nähe ist ein kleines Café. Ich möchte Sie gerne zu einem Drink einladen. Auf diesen Schrecken hin bin ich Ihnen das, glaube ich, schuldig.
Tschüss, Hannelore.
Tschüss, Karin. Und vergiss meine Party nicht, heute Abend um halb sieben.
Karin Lehnert gab ihrer Freundin die Hand und meinte lächelnd: Vergess ich bestimmt nicht, Hannelore.
Die beiden Mädchen trennten sich vor dem Schulgebäude. Karin Lehnert sah dem etwas kleineren, pummeligen und immer quicklebendigen Mäd-chen hinterher, als sie auf das Moped ihres Freundes stieg, der vor der Schule bereits auf sie gewartet hatte und mit ihm davonfuhr. Hannelore Weber war ihre beste Freundin, und die beiden Mädchen hatten keine Geheimnisse voreinander.
Karin Lehnert war ein Meter siebzig groß und hatte eine schlanke, fast zerbrechlich wirkende Figur. Ihre blonden Haare, die in weichen Locken bis auf die Schultern fielen, umgaben ihr feingeschnittenes Gesicht wie ein goldener Helm. Wer in ihre großen, türkisblauen Augen sah, hatte das Gefühl, in den unergründlichen Tiefen eines Bergsees zu versinken. Karin war mit Abstand das schönste Mädchen der Klasse. Dennoch empfanden ihre Klassenkameradinnen sie nicht als Konkurrentin. Sie war stets freundlich und hilfsbereit, und ihre Noten lagen immer über dem Durchschnitt. Was Jungen anbelangte, so war sie kein Typ, den man einfach anquatschen und auf ein Glas Bier einladen konnte. Weiter als bis zu einigen harmlosen Partyflirts hatte sie es nie kommen lassen.
Was ziehe ich bloß heute Abend zu der Party bei Hannelore an? fragte sich Karin und ging über die Straße zur Bushaltestelle. Da geschah es: Sie hatte den Wagen nicht kommen sehen, bemerkte ihn erst, als er mit kreischenden Bremsen knapp vor ihr zum Stehen kam. Der Schreck schoss ihr derart in die Glieder, dass es ihr sekundenlang schwarz vor den Augen wurde. Um nicht das Gleichgewicht zu verlieren, stützte sie sich einen Augenblick auf den Kühler des Wagens, einer hellgrünen Ente.
Der dunkle Nebel verschwand erst wieder vor ihren Augen, als sie fühlte, wie jemand sie bei den Schultern fasste und sich über sie beugte. Ist ihnen etwas passiert? Die Stimme gehörte einem gut aussehenden jungen Mann mit schwarzgelockten Haaren. Er sah sogar unerhört gut aus. Sekundenlang begegneten sich ihre Blicke. Er wiederholte seine Frage: Ist ihnen etwas passiert? Er sprach ein perfektes Deutsch, jedoch mit südländischem Akzent.
Karin antwortete nicht, blickte nur weiter wie gebannt in seine Augen, in denen sie noch etwas anderes außer Besorgnis entdeckte; etwas, das sie gefangen nahm, nahezu willenlos machte.
Er führte sie um den Wagen herum, öffnete die Tür und sagte: Kommen Sie, ich fahre Sie nach Hause. Sie ließ es geschehen. Sie nannte ihm ihre Adresse, und während sie durch den regen Verkehr in der Leopoldstraße fuhren, musterte Karin den jungen Mann verstohlen von der Seite. Er sah aus wie ein Jüngling aus der römischen Antike, mit kühn vorspringender Nase und sensiblem Mund. Er hatte eine hohe, intelligente Stirn, und die glatte Haut seines Gesichts war leicht gebräunt. Sogenannte schöne Männer hatte Karin eigentlich nie ausstehen können. Aber dieser Junge war mehr als nur gut aussehend. Er wirkte nachdenklich, fast ernst, als hätte es in seinem jungen Leben schon irgendwann eine große Ent-täuschung gegeben. Jetzt blickte er kurz zu ihr hinüber, und so als hätte er sie bei irgend etwas ertappt, schaute sie schnell zur Seite.
Ich heiße Franco Giacoletti. Er hatte eine warme, tiefe Stimme. Sind Sie auch ganz sicher, dass ihnen nichts passiert ist, Fräulein...?
Lehnert, Karin Lehnert, vollendete sie den Satz. Ohne den Blick von der Straße zu wenden, reichte er ihr seine Hand. Ich hoffe, Sie sind mir nicht böse, aber es war wirklich nicht meine Schuld.
Wie lustig er das R rollte. Zögernd ergriff sie seine Hand. Als seine schlanken, kräftigen Finger sich um die ihren schlossen, durchzuckte es sie wie ein elektrischer Schlag. Sie konnte sich einfach nicht wehren gegen dieses Gefühl, und schnell zog sie ihre Hand wieder zurück. Es ist nur ein paar Straßen weiter, sagte sie. Halten Sie bitte hier, ich gehe den Rest zu Fuß.
Eine Sekunde war Stille. Dann sagte er mit einem Lächeln, das sie nie vergessen würde - das erste Lächeln, das er ihr schenkte -: Hier in der Nähe ist ein kleines Café. Ich möchte Sie gerne zu einem Drink einladen. Auf diesen Schrecken hin bin ich Ihnen das, glaube ich, schuldig.