Der fünfte auf Deutsch erschienene Band setzt nahtlos die Geschichte um Rei Shimura fort. Wie in allen vorherigen Romanen erfährt der Leser wieder einmal etwas über japanische Kultur, in diesem Fall über den Kimono und seinen historischen Werdegang. Alles ist flott geschrieben, ein nettes Buch, das sich schnell "herunterliest".
Allerdings halte ich persönlich diesen Band der reihe für recht schwach, denn der Schauplatz ist zum ersten mal außerhalb Japans angesiedelt: in den USA, der ursprünglichen Heimat der halb-japanischen Protagonistin, wohin eine Sendung antiker Kimonos für eine museale Ausstellung begleitet wird und um die sich alsbald Mord und Mysterien ranken.
Aber anstelle aus den kulturellen Konflikten, die sich aus dieser Konstellation ergeben (könnten), etwas zu machen, bleibt Sujata Massey absolut oberflächlich und... aberwitzig. Und das ohne Not. Anders kann ich es nicht beschreiben, kopfschüttelnd.
Welche Leute alles aus dem ursprünglichen und charmant geschilderten japanischen Hauptschauplatz auf einmal "zufällig" in den USA auftauchen, geht auf keine Kuhhaut. Das Wiedersehen mit den Eltern (insbesondere mit Mutti) gerät in eine ausufernde Shopping-Orgie. Ich hatte den Eindruck, dass das Aufzählen von Markenlabeln beim Schreiben wichtiger als die Story selber war?
Natürlich gibt's auch wieder (platten) Sex und es schwärt Reis seit einigen Bänden gärende Beziehungskonflikt und ihr Streben nach Selbstverwirklichung. Allein dies macht letztlich doch noch Lust, auf den sechsten Band zu warten. Ein bisschen wenig, wie mir scheint.
Die Kriminalstory ("Ach, ja war doch noch was") verläuft daneben letztlich fast ins Belanglose.
Mein Fazit:
ein SEHR schwacher Band der Reihe. Unausgewogen, krude, der ursprüngliche kulturelle Charme fehlt. Wenn der Schauplatzwechsel neue Einsichten bringen sollte - mir jedenfalls nicht, und der Geschichte tut es m. E. nicht gut. "Der Brautkimono" ist weniger ein Krimi, denn ein "Frauenroman" oder Psychogramm. Bleibt aber die Frage, ob von Rei Shimura oder der Autorin selber?
Und es bleibt zu hoffen, das wieder mehr Kultur und vor allem japanischer Alltag, den ich persönlich an den früheren Bänden sehr geschätzt und als lehrreich empfunden habe, in die Story Einzug halten. Schade.
PS: Und ich will Richard wiederhaben!