Mit der Jason Bourne Reihe hat sich ein Konkurrent von James Bond in den Kinos etabliert. Verkörpert von Matt Damon kämpft der von Robert Ludlum bereits 1980 ins Leben gerufene Geheimagent des amerikanischen Spionagedienstes DCI gegen die Schatten seiner eigenen Vergangenheit und für die Sicherheit Amerikas. Fürs Kino wurden Ludlums Romane ziemlich aufgepeppt, modernisiert und ins 21. Jahrhundert übertragen. Das Ergebnis kann sich sehen lassen, doch von der Genialität der Ursprungsromane bleibt im Kino zugunsten von Action und Tempo einiges auf der Strecke.
Robert Ludlum ist 2001 verstorben und so hat man sich aufgrund des unglaublichen Erfolges der bisherigen 3 Actionthriller entschieden, die Reihe fortzusetzen - offiziell auf der Basis von Skizzen Ludlums (funktionierte ja auch sonst ganz gut, wie man an den zwischenzeitlich rund 10 Neuerscheinungen nach seinem Tod sehen kann). Als Autor hat man sich Eric van Lustbader eingekauft, ein bis dato eher unbekannter Thrillerautor. Der offensichtliche Auftrag Lustbaders ist, eher Material für weitere Kinofortsetzungen zu liefern, als wirklich im Stil Ludlums weiterzuschreiben.
Dies war schon beim ersten Roman unter von Lustbaders Feder deutlich zu lesen und wird nun in "Der Bourne Betrug" konsequent fortgesetzt. Dieser neue Thriller ist die Steilvorlage für mindestens ein neues Drehbuch, denn er strotzt nur so vor Tempo, Action und visuellen Höhepunkten, die allesamt nur noch auf eine einzige Person zugeschnitten sind: Jason Bourne.
Das Muster ist denkbar einfach und fast Garant für einen kommerziellen Erfolg:
Bourne versucht seinen besten Freund Martin Lindros, der bei einem Auftrag im äthiopischen Hochland gefangen genommen wurde und sich nun offensichtlich in den Händen skrupelloser, fanatischer Islamisten befindet, zu finden und zu befreien. Dabei wird er, wie in allen vier Vorgängerromanen auch, auf perfide Art manipuliert, von seinem eigenen Geheimdienst fallen gelassen und lediglich von einer jungen und gut aussehenden Geheimdienstlerin - hier heißt sie Soraya Moore - unterstützt.
Der Rest des Thrillers ist schnell skizziert: Bourne wird vom Verfolger zum Verfolgten, mehrmals schwer verletzt, schafft es dennoch immer wieder auch dank Sorayas Hilfe seinen brutalen Verfolgern zu entkommen und den Widrigkeiten im eigenen Geheimdienst zu trotzen und rettet die Vereinigten Staaten spektakulär vor einem atomaren Anschlag. Dabei zeigt er sich in einer Form, wie James Bond zu seinen actionreichsten, mordernsten und meist auch überzogensten Zeiten. Nicht umsonst wurde in einer Feuilletonkritik die Bourne-Reihe als konsequentere Fortsetzung von 007 bezeichnet, wohingegen Bond mit Daniel Craig eher zu den konventionellen und pragmatischen Wurzeln im Stile Ian Flemmings zurückgekehrt ist.
Feinde, aber auch Freunde sind bei Bourne mittlerweile austauschbar und dementsprechend niemand vor einem Tod im Roman sicher, so dass in der Tat lediglich Bourne als feste Konstante bestehen bleibt - ebenfalls ein eindeutiges Zugeständnis ans Actionkino.
Tja - was zieht man also für ein Fazit beim einem Buch, das eigentlich eher ein bis mehrere Kinofilme sein soll?
Es ist sicherlich ein guter bis sehr guter Thriller mit einem charismatischen Held, der ziemlich viel einstecken muss und auch kann und trotzdem am Ende als Sieger das Feld verlässt. Gespickt ist das ganze mit jeder Menge Action, seien es rasante Verfolgungsjagden per Motorrad, Auto oder auch Flugzeug (!) oder spektakuläre Zweikämpfe und sonstige Kampfszenen - alles gepaart mit viel Explosionen, entsprechend hoher Spannung und einem hohen Unterhaltungswert. Die fundamentalistischen Bösewichte aber auch Bournes gegner in den eigenen Reihen sind einfach und schablonenhaft angelegt und mit wenig Tiefgang ausgestattet - auch wenn sie extrem gut ausgetüftelte Pläne zur Vernichtung der USA in der Tasche haben. Der Schreibstil von Eric van Lustbader ist einfach und klar - er hält sich nicht mit Nebensächlichkeiten auf, sondern konzentriert sich konsequent auf den rasanten Fortgang der Handlung.
Etwas störend sind jedoch einige ziemlich gravierende Logiklöcher. So kann Bourne z.B. viele Schritte seiner Gegner vorausahnen und legt eine übermenschliche Genialität im Befreien aus schier unmöglichen Situationen an den Tag. Und gleichzeitig begibt er sich einfach so in die Hände eines ihm unbekannten Psychologen ohne sich rück zu versichern, dass dieser auch der ist, für den er sich ausgibt und ohne zu merken, dass er von diesem an dem einzigen freien Praxistag behandelt wird (übrigens - keine Panik: ich verrate damit nur eine Szene ganz am Anfang des Romans, die auch sehr schnell dem Leser aufgelöst wird).
"Der Bourne Betrug" von Robert Ludlum und Eric van Lustbader ist für die actionlastigen Leser sicherlich ein Fest, spricht den Kinogänger eher an wie den anspruchsvollen Thrillergourmet. Der Roman ist kurzweilig, unterhaltsam und spannend, gleichzeitig aber auch sehr oberflächlich geraten und mit einigen Ungereimtheiten gespickt. Stellt man den Unterhaltungswert aber in den Vordergrund, so erwartet den Leser ein Thriller aus dem oberen Mittelfeld, dessen Kauf sich durchaus lohnt... wobei man aber auch gut und gerne auf die Taschenbuchversion warten kann.
Daher gebe ich 4 Sterne!