Das Werk sticht wohltuend aus der Serie von Büchern hervor, die sich mit dem Bombenkrieg im 2. Weltkrieg befassen. Der Verfasser, einer der renomiertesten Militärhistoriker Deutschlands, stellt auf vergleichsweise geringem Raum kondensiert und sprachlich unaufgeregt die Entwicklung des Luftkriegs, v.a. über Deutschland, dar. Müller scheut sich nicht, zur moralischen Diskussion der Berechtigung der alliierten Luftangriffe auf militärisch nicht besonders bedeutsame Ziele zum Kriegsende wie z.B. Dresden Stellung zu nehmen, behält aber dort wie auch im gesamten Buch einen ruhigen, historisierten Blick auf das Gesamtbild und ist nie in Gefahr, Ursache und Reaktion zu verwechseln. Das Buch ist außerordentlich informativ und sehr gut zu lesen. Die vielen Einschübe mit schlaglichtartigen Einblicken in persönliche Schicksale stören hier nicht - wie in vielen anderen neuen historischen Büchern -, weil sie hier das Bild sinnvoll ergänzen und dem manchmal etwas zu nüchternen Blick des Militärhistorikers die notwendige Wärme und Farbe geben. Diese Ergänzungsbedürftigkeit ist auch die einzige kleine Schwäche des Buches, die kurz erwähnt werden sollte. Hätte der Fachtext selber noch etwas mehr Gesellschaftsgeschichte aufgenommen, wären es für mich sicher 5 Sterne gewesen. Wenn Amazon es zulassen würde, hätte ich 4,5 gegeben.