Mit Sicherheit gehöre ich nicht zur Zielgruppe dieses Buches. Ich muss auch gestehen, dass ich nicht wirklich verstanden habe, was wir nun planieren und nicht sanieren sollen. Wenn damit "Augen zu und mit dem Kopf durch die Wand" gemeint ist, dann erscheint mir dies ein nicht für alle kluger Ratschlag zu sein. Es ist eben nicht jeder ein Dieter Bohlen. Und damit wären wir bei einem Problem der lustigen Art.
Hat denn der kleine Dieter ein solches Buch gelesen? Eher nicht. Hätte er auf solche Ratschläge gehört? Wohl kaum. Man kann seine vielen wirklich guten und sehr lebensnahen Empfehlungen getrost vergessen, denn gewöhnlich muss jede Generation ihre eigenen Erfahrungen machen. Und außerdem: was für Dieter gilt, muss für Heinz-Egon noch lange nicht gelten. Viele Menschen würden zum Beispiel die vielen Niederlagen, die Bohlen in seinem Leben einstecken musste, nicht oder ganz anders verkraften.
Bohlen ist ein ehrlicher Typ, intelligent und nicht zu verbiegen. Er weiß, was er will, und das versucht er mit der ihm eigenen Energie durchzusetzen. Was man auf den ersten Blick nicht vermutet, wird beim Lesen dieses Buches sehr deutlich: Bohlen ist ein extremer Einzelgänger. Solche Menschen sind in der Regel einsam. Sie vertrauen anderen nicht ("Wenn du dich verlässt, bist du verlassen."). Bohlen ist nicht durch einen Schicksalsschlag oder schlimme Erlebnisse so geworden, er war es schon immer. Das ist sein Weg. Nicht anpassen, den eigenen Weg wählen und gehen, sich nicht davon abbringen lassen. Man sollte sich nicht durch seine Weibergeschichten oder seine Popularität blenden lassen. Menschen, die soweit weg vom Normalmass angesiedelt sind, haben in der Regel nur wenige oder gar keine Freunde.
An vielen Stellen dieses Buches beichtet der selbsternannte Poptitan seine Unsicherheit und berichtet Dinge, die man auf den ersten Blick nicht vermutet. Das macht ihn sympathisch, weil man vieles so auch schon selbst erlebt hat und deshalb versteht, wie Bohlen grundsätzlich denkt.
Bohlen will sich mit seiner Musik nicht selbst verwirklichen. Er will Geld verdienen, um frei und unabhängig zu sein. Und dazu muss man den Massengeschmack treffen. Erfolg hat immer Neider. Das ist normal und letztlich eben auch Anerkennung, wenn auch ungewollte. Mit der Sicherheit im Rücken kann er wenigstens sagen, was er will. Keiner der in diesem Lande allgegenwärtigen Hüter der politischen Korrektheit kann ihn zum Rücktritt zwingen. Er muss sich auch nicht ständig für seine Meinung entschuldigen.
Der Preis dafür ist allerdings hoch. Bohlen arbeitet mehr als andere, er muss ständig fit und halbwegs jugendlich und sportlich aussehen. Andauernd im Mittelpunkt zu stehen, permanent beobachtet zu werden und ohne Unterlass infantiles, nicht mehr ganz altersgerechtes Zeug zu quatschen, ist bestimmt auch nicht jedermanns Sache.
Fazit.
Egal, wie man zu diesem Mann steht: Wenn man sich an den Stil gewöhnt hat, den man von seinen Auftritten kennt, dann liest sich das Buch gut. Ich kann alle seine Lebensregeln und Erkenntnisse sofort unterschreiben. Ist es nicht schön, dass es noch einige Leute in diesem Land gibt, die reden und schreiben, was sie denken? Ob seine sicher allgemeingültigen Lebensweisheiten anderen helfen, steht auf einem ganz anderen Blatt. Durch Bücher wird man selten klug. Beim Lesen dieses Buches kann man viel lachen. Schon allein deshalb ist es empfehlenswert.