Als Musiker, namentlich als Cellist, geht man mit sehr grossen Erwartungen an die Lektüre dieses Erstlingsromans von Andromeda Romano Lax heran. Hat es doch den Anspruch in Anlehnung an das Leben und Wirken des legendären Cellisten Pablo Casals enstanden zu sein. Andere Roman-Werke wie zum Beispiel "Vindings Spiel" von Ketil Bjoernstad oder das Franco-Themenverwandte Werk mit dem Titel "Die Stimmen des Flusses" von Jaume Cabré steigern diese Erwartung wegen ihrer Meisterschaft umso mehr.
Aber wie jäh wird man von Romano-Lax enttäuscht ! Die Spache ist weit davon entfernt, literarisch geannt zu werden. Sie plätschert eher in reinem chonologischen Erzählstil kunstlos dahin - brav reiht sich eine Episode an die andere.
An der Bearbeitung eines der beiden Hauptthemen, die Musik und insbesondere das Cellospiel versagt die Autorin vollständig. Sie hat wohl sicher schon mal etwas vom Cellospiel gehört, aber die gesamte Terminologie, die mit der Musik und dem Cellospiel verbunden ist hat sie einfach nicht drauf (Beispiel: die Partitur der Solo Suiten von Bach: contradictio in objecto!) Auch kann sie nie dem Leser den Eindruck vermitteln, warum und mit welcher Leidenschaft die Roman Hauptfigur sich dem Instrument widmet - nur der vom Vater vermachte Cello-Bogen aus der Nachlass-Holzkiste - zunächst noch ohne Bezug kanns eigentlich nicht gewesen sein.
Mit ausreichendem Nichtwissen auch über die Lernvorgänge kommt es zu schmerzhaft laienartigen Formulierungen über Musik, Komposition, Instrumente und zum Musikerleben - Es ist als schriebe eine Schlange ein Buch übers Fliegen...
Halbherzig auch die Schilderungen der politischen Grundhaltung der Protagonisten des Buches. Daß Feliu unter Franco aufhört mit dem Cellospielen erfährt man zwar, eine plastische Schilderung zum Verständnis dieser Tatsache bekommt man nicht. Literarisch bewegt sich das Erstlingswerk auf dem Niveau der Historienschmöker von Astrid Fritz. Die Qualität eines Björnstedt oder Cabré wird nie auch nur annähernd erreicht. Die zudem schlechte Übersetzung trifft sicherlich eine Teilschuld. Nein - das Buch kann man nicht loben oder empfehlen. Es gehört leider zu den überflüssigen Elaboraten, mit denen man ohne Gewinn seine Zeit vertut.