Ein kleines - 640 Seiten :-) -, weiteres Meisterwerk des britischen Autors Robert Wilson. Schon für sein Buch "Tod in Lissabon" wurde er völlig zu Recht mit dem 'Deutschen Krimipreis' sowie dem renommierten 'Golden Dagger Award' ausgezeichnet. Weitere Preise würden mich nicht überraschen.
Zum Inhalt:
Chefinspektor Javier Falcón ist ein äußerst kühler und rationaler Mensch. Doch der Anblick des ermordeten Restaurantbesitzers Raúl Jiménez ist selbst für ihn zuviel: Jiménez wurde an einen Stuhl gefesselt und mit allen Mitteln gezwungen, einen Videofilm anzuschauen. Dazu schnitt ihm der Mörder die Augenlider ab. Der Anblick der starren, panischen Augen des Opfers läßt Falcón nicht mehr los, und er ahnt, daß dieser Mordfall sein Leben für immer verändern wird.
Seine Vermutung bestätigt sich: In Jiménez' Wohnung findet Falcón Fotos aus den 50er Jahren, auf denen sein Vater, ein sehr renommierter Maler, abgebildet ist. Was für eine Verbindung bestand zwischen diesen beiden Männern?
Als sich der Chefinspektor daraufhin in die Tagebücher seines verstorbenen Vaters vertieft, lernt er dessen dunkle und grausame Seiten kennen. Das Bild, das sich Falcón von seiner Familie gemacht hat, wird schonungslos zerstört und bringt ihn an den Rand eines Nervenzusammenbruches.
Zugleich erkennt er jedoch, daß ihm gerade die Tagebücher die wichtigsten Indizien liefern, um dem Mörder auf die Spur zu kommen ...
Fazit: Der Autor besticht durch eine deutlich spürbare Freude am Erzählen, am Ausschmücken sowie Ausfeilen des Ambientes, des scheinbar Nebensächlichen, der Ränder der Geschichte.
Und all dieses hebt den vorliegenden Roman weit über die gängige Routine hinaus!
Ein erschreckender Roman, und doch gelingt es dem Autor seine Hauptperson so zu humanisieren, das sie auch glaubwürdig ist.
Es grüßt ein beeindruckter -
Reinhard Busse