- durch Katastrophen, die aus dem chaotischen Gebrüll der Instrumente zum Schluss eine Symphonie bilden, die Sphärenmusik heißt. Werkschöpfung ist Weltschöpfung." ( Zitat Wassily Kandinsky)
"Der blauer Reiter" ist der Katalog zur gleichnamigen Ausstellung, die vom 27.6.-11.10.2009 im Museum Frieder Burda in Baden-Baden gezeigt wird.
Das Buch enthält 195 Abbildungen, davon 88 in Farbe und 55 in Duplex.
Die gezeigten Gemälde und Skulpturen stammen von Franz Marc, Alexej Jawlensky, Gabriele Münter, Wassily Kandinsky, Marianne von Werefkin, August Macke, Paul Klee und Heinrich Campendonk.
Den Kunstwerken sind Essays von Frieder Burda, Helmut Friedel, Annegret Hoberg und Matthias Mühling vorangestellt. Diese Essays vermitteln dem Leser Wissenswertes über die Künstlergemeinschaft "Der blauer Reiter".
Besagte Künstlergemeinschaft wurde 1911 in München gegründet. Der Name leitet sich von einem Gemälde Kandinskys aus dem Jahre 1903 ab. Allerdings nannte Kandinsky Franz Marc als Miterfinder des Titels:"Den Namen "Blaue Reiter" erfanden wir am Kaffeetisch in der Gartenlaube in Sindeldorf( Marcs Wohnsitz); beide liebten wir Blau, Marc Pferde, ich Reiter. So kam der Name von selbst."
"Der blaue Reiter" wurde zu einer wesentlichen künstlerischen Bewegung des 20. Jahrhunderts.
Zuvor waren die ersten Mitglieder der Gruppierung, Wassily Kandinsky, Alfred Kubin, Franz Marc und Gabriele Münter, aus einer anderen Künstlervereinigung, der "Neuen Künstlervereinigung München" ausgetreten, der sie u.a. mit Alexander Erbslöh, Alexej von Jawlensky, Alexander Kanold und Heinrich Schnabel angehörten. Diese Gruppe war allerdings auseinandergefallen, nachdem Kandinsky deren Vorsitz aus Protest gegen die Ablehnung seiner künstlerischen Ziele durch einige Gruppenmitglieder niedergelegt hatte.
Der Austritt Kandinskys, dem sich Gabriele Münter, Marc und Kubin anschlossen, ist eigentlich die Geburtsstunde des "Blauen Reiter", der zunächst zum Sammelpunkt der Maler wurde, die sich mit Kandinsky solidarisch erklärten und dem Verein nach und nach den Rücken kehrten.
Als Otto Fischer im November 1912 die Ziele der nun von Erbslöh geleiteten "Neuen Künstlervereinigung" in dem Buch "Das Neue Bild" im Sinne eines expressionistischen Jugendstils formulierte, traten auch Marianne von Werefkin und Jawlensky aus.
Kandinsky und Marc, die Wortführer der Gegenpartei, wollten ihrerseits keine neue organisierte Vereinigung gründen, sondern unbelastet von Vorschriften ein offenes Diskussionsklima herstellen. Ihr einziges Ziel war zunächst einmal eine Ausstellung. Die Galerie Thannhauser stellte zwei Räume zur Verfügung, in denen Kandinsky und Marc am 18.11.1911 ihre Ausstellung unmittelbar neben den Kabinetten der "Neuen Künstlervereinigung" eröffneten, die zur gleichen Zeit ihre dritte Ausstellung veranstaltete. Die Verantwortung für die Werke der ausgetretenen Maler übernahm erstmals "Die Redaktion der Blaue Reiter".
Die erste Ausstellung umfasste 43 Werke: Neben Kandinsky, auch Eugen Kahler, Elisabeth Epstein die Brüder Burljuk, Albert Block und der Komponist Schönberg. Marc hatte die Rheinländer August Macke, Heinrich Campendonk und Jean Bloé Niestlé gewonnen.
Die Vereinigung solch unterschiedlicher Künstler verdeutlicht, wie ohne Rücksicht auf den persönlichen Stil, die Nationalität oder die öffentliche Geltung ein Sammelplatz für alle Bestrebungen angeboten wurde. Kandinsky ging es darum, dass der blauer Reiter keine bestimmte, exklusive, Richtung propagierte, sondern das Nebeneinanderstellen von verschiedenen Erscheinungen in der neuen Kunst auf internationaler Basis im Auge hatte.
1912 hatten Kandinsky und Marc eine zweite Ausstellung der Redaktion der "Blaue Reiter" in der Münchner Galerie Hans Goltz eröffnet. Diesmal wurden 315 rein grafische Arbeiten, dazu einige Aquarelle gezeigt.
Es folgten einige Ausstellungen u.a. stellte Walden in Berlin 1912 die Werke von Kandinsky, Jawelensky, Block, Marc, Münter und Marianne von Werefkin aus. Damit trug er dazu bei, dass die Ideen des "Blauen Reiter" weiter verbreitet wurden. Der Ausbruch des Krieges vereitelte weitere Aktivitäten der im "Blauen Reiter" vereinten Maler, die von der Kritik als ein bunt zusammengewürfelter Haufen und als Schwarmgeister verspottet wurden.
Doch gerade dies kennzeichnet im Grunde positiv die geistige Auseinandersetzung mit der Wirklichkeit und Offenheit gegenüber den unterschiedlichen Ausdrucksmitteln eines jeden Künstlers, die vom "Blauen Reiter" propagiert wurden, eine Haltung, die u.a. über das Bauhaus, an dem Kandinsky und Klee lehrte, einen erheblichem Einfluss auf die Kunstentwicklung im 20. Jahrhundert ausübte.
Kandinsky hatte übrigens in seiner 1912 veröffentlichten Schrift" Über das Geistige in der Kunst" das übergeordnete Ideengebäude geliefert, das als gemeinsame Grundhaltung alle Anhänger des "Blauen Reiter" auszeichnete. Ausdruck sollte formal gewonnen werden durch eine abgestufte Farbskala und eine geschmeidige Linie, inhaltlich durch eine meditative, geistige Schau. Jenseits des optischen Oberflächenreizes sollten Menschen und Gegenstand in einen übergeordneten kosmischen Zusammenhang gestellt werden.
Den sehr guten Gemäldeablichtungen im Katalog sind Kurzbiografien der einzelnen Maler vorangestellt. Die bedeutendste Malerin des Expressionismus Gabriele Münter war übrigens Schülerin und langjährige Lebensgefährtin von Kandinsky. Das Buch enthält auf den letzten Seiten eine große Anzahl von Fotografien des Paares und des Münter-Hauses in Murnau.
Ein wirklich gelungenes Buch zu einer Ausstellung, die man sich nicht entgehen lassen sollte.