An ihrem 27. Geburtstag hat Catherine die traurige Pflicht, ihren Vater zu beerdigen. Die letzten Jahre verbrachte das einstige Mathematik-Genie trotz Demenz mit der besessenen Suche nach einer weiteren bahnbrechenden Entdeckung. Die Pflege ihres Vaters und die damit verbundene Aufgabe ihrer eigenen wissenschaftlichen Karriere haben bei Catherine ihre Spuren hinterlassen. Als Hal, ein ehemaliger Student des Professors und sich behutsam nähernder Freund, im Nachlass ein Notizbuch mit einem sensationellen mathematischen Beweis entdeckt, dessen Herleitung Catherine für sich beansprucht, stellt sich plötzlich die Frage, ob die Tochter tatsächlich die Genialität ihres Vaters oder womöglich dessen Geisteskrankheit geerbt hat. Während ihre Schwester Claire Letzteres für die tragische Wahrheit hält, schickt Hal sich an, den Gegenbeweis zu führen.
Wenn ein Film mit der Traumbesetzung Paltrow, Hopkins, Gyllenhaal unter der Regie des oscargekrönten Regisseurs John Madden (SHAKESPEARE IN LOVE) unter Ausschluss der Öffentlichkeit nur kurze Zeit in den Kinos läuft und knapp ein Drittel seiner Produktionskosten von lächerlichen 20 Mio. Dollar einspielt, sagt das nicht zwangsläufig etwas über dessen Qualität aus. Vielmehr stellt sich die Frage, weshalb ein thematisch verwandter Streifen wie A BEAUTIFUL MIND zum Riesenerfolg und PROOF (so der Originaltitel), von Kritik und Publikum als Theaterstück bereits gefeiert und somit bestens vorgetestet, ein kapitaler Flop wird. Sicher liegt die Antwort irgendwo zwischen Marketingbudget und Veröffentlichung zum richtigen Zeitpunkt. Ein Grund mehr, meine Entdeckung dieses kleinen Juwels auf DVD als Empfehlung an alle Freunde erlesener Schauspielkunst weiterzugeben.
Abgesehen von der Güte des Drehbuchs bietet der Film gleich drei Fangruppen grandiose, der Mehrzahl bislang verborgene Auftritte ihrer Lieblinge: Gwyneth Paltrow werden alle, die die zerbrechliche Blondine bisher als nervige, überschätzte Aktrice abgetan haben, auch nach DER BEWEIS weiterhin genüsslich (aber unverdient) hassen. Und zweifellos ist der von ihr gelebte und bereits in der Theateraufführung verinnerlichte Charakter Catherine, am Rande der Hysterie, oft schwer anzuschauen. Dennoch ist ihr, gerade im Zusammenspiel mit dem unvergleichlichen Anthony Hopkins, das sich stetig weiterentwickelnde Talent nicht abzusprechen. Hopkins selbst hat leider - zumindest für seine Bewunderer - nur eine Handvoll Szenen. Erwartungsgemäß reißt der Grandseigneur mit seiner energiegeladenen Präsenz diese Rückblenden unweigerlich an sich. Ohne Zweifel nimmt ihm, der nach eigenem Bekunden in Wirklichkeit mathematischen Niete, der Zuschauer den der Mathematik beinahe schon fanatisch verschriebenen, ungemein charmanten Professor mit jeder Faser ab. Jake Gyllenhaal schließlich untermauert erneut seinen Status als vielversprechendster Newcomer seiner Generation, den er durch seine sorgfältige Rollenwahl mittlerweile als fest zu kalkulierende Größe mehr als überlebt haben dürfte.
Wie eingangs erwähnt, handelt es sich um kein spektakuläres Werk, sondern vielmehr um ein Ensemblestück, unaufdringlich, aber nichtsdestotrotz brillant fotografiert. Auch sollte die mathematische Komponente niemanden abschrecken, denn der titelgebende Beweis steht eher stellvertretend für den Beweis, den jeder der drei, inklusive Catherines Schwester Claire eigentlich vier Hauptcharaktere erbringen muss: Catherine, dass sie nicht wie ihr Vater der geistigen Umnachtung verfällt, sondern ebenfalls intellektueller Höchstleistungen fähig ist; Claire, dass sie ihre Schwester nicht schon als verrückt abgeschrieben hat und daraus ihre vermeintliche Fürsorge resultiert; Hal, dass ihm tatsächlich etwas an Catherine liegt und er die Aufzeichnungen ihres Vaters nicht aus karrieristischem Kalkül durchforstet hat; und Robert abschließend, dass trotz schleichendem geistigen Verfall sein scharfer Verstand immer gegenwärtig war - allein ihm bleibt die erlösende, positive Beweisführung versagt. Wer also im Schaffen eines der drei Ausnahmeschauspieler keine Lücke wissen möchte, sollte ohne Zögern diese im großen Bohey aufwändigerer und manchmal einfach nur besser beworbener Hollywoodspektakel untergegangene Perle genießen. Den Beweis, dass es sich lohnt, bin ich hoffentlich nicht schuldig geblieben...