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Der Besuch des Leibarztes
  
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Der Besuch des Leibarztes [Unbekannter Einband]


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Produktinformation

  • Unbekannter Einband
  • Verlag: München ; Wien : Hanser 1999 (1. Januar 1999)
  • ISBN-10: 3446199802
  • ISBN-13: 978-3446199804
  • ASIN: B002CELU9W
  • Durchschnittliche Kundenbewertung: 3.8 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (33 Kundenrezensionen)
  • Amazon Bestseller-Rang: Nr. 1.685.600 in Bücher (Siehe Top 100 in Bücher)

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Per Olov Enquist
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Kundenrezensionen

Die hilfreichsten Kundenrezensionen
43 von 46 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Format:Taschenbuch
Per Olov Enquist beschreibt die Ereignisse in zwei Jahren der Revolution in dem kleinen niedergehenden Königreich Dänemark am Ende des 18. Jahrhunderts. Enquist interessiert sich mit tiefer Empathie für die Menschen, die Abläufe und Prozesse, wie sie „ticken" und zueinander stehen. Königin Caroline Mathilde, schön, romantisch und eigensinnig, Tochter des englischen Königs, die Einheirat in das dänische Königshaus geschieht aus politischem Kalkül - Struensee, ein deutscher Arzt, intelligenter Aufklärer mit „schwieriger", rätselhafter Persönlichkeit, der ihr Geliebter wird - Der geistig gestörte König Christian, der eine erstaunliche seherische Gabe und Sensibilität hat, aber die meiste Zeit verwirrt und mit sich selbst beschäftigt lebt - der mächtige Gegenspieler Guldberg, intelligent, doch hässlich, unbeliebt und, sein besonderes Problem, impotent.

Struensee tritt in die Geschichte Dänemarks, indem er als Vormund des Königs Christian bestellt wird. Er beginnt die offene politische Chance zu ergreifen, die Regierungsgeschäfte auch inhaltlich selbst zu gestalten - Zug um Zug entsteht sein Masterplan demokratischer Reformen in Dänemark. Er verliebt sich in die Königin Caroline und sie haben ein Kind, geduldet, wenn nicht beinahe gewünscht von König Christian, der doch vor allem mit sich selbst beschäftigt ist. Christian mag Struensee und beginnt, beide fast als Eltern zu sehen - seine Mutter reagiert auf ihn allenfalls kalt, wenn nicht ablehnend. Einer der vielen bewegenden Passagen in diesem Buch, die Einordnung von Christians psychischen Problemen.

Doch der revolutionäre Umschwung, von Regierungsseite verordnet, scheitert. Struensee bezieht zum einen die Bevölkerung in keiner Weise ein, ferner gibt er sich distanziert gegenüber den Mitteln der Machtausübung und ignoriert das bestehende Machtgefüge. Endgültig scheitert er daran, die tief verwurzelten Verhaltens- und Glaubensgrundsätze seiner Zeit durch den Ehebruch mit der Königin und dem unehelichen Kind verletzt zu haben. Doch schlussendlich deuten auch seine Gegner die Stimmung nicht richtig, der Wunsch nach demokratischen Reformen ist nicht mehr aufzuhalten, auch wenn Struensee und einer seiner Gehilfen hingerichtet werden. Ganz Europa folgt bewegt, erstaunt und interessiert den demokratischen Entwicklungen in Dänemark und dem Schicksal seiner Akteure.

Enquist stellt Fragen, die genauso nicht in Geschichtsbüchern beantwortet werden können. Vorsichtig und tastend die Beobachtungen prüfend und wiederholend umkreist er die Ereignisse und die Akteure -es entstehen emotional packenden Momente, tiefgehende Porträts von Menschen, intellektuell fordernde Passagen, spannendes darüber, wie Politik funktioniert, wie Machtgefüge funktionieren. Er wird dem spannenden Stoff in einer skeptischen und fragenden Betrachtungsweise gerecht und findet einen genuin literarischen Ton.

Einfach eines der besten Bücher, dass ich je gelesen habe.

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19 von 20 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Der Arzt auf dem Schaffott 12. Januar 2002
Von FEB
Format:Gebundene Ausgabe
Dieser Mann ist ein Arzt, wie er im Buche steht: freundlich, hilfsbereit und so gut zu den Menschen, dass er in den Armenvierteln Altonas des 18. Jahrhunderts lieber die Volksimpfung voranbringt, statt gut bezahlte Anstellungen zu wählen. So stellt man sich idealistische Auklärer vor. Doch als ihm eines Tages angetragen wird Leibarzt beim absolutistischen König Christian VII. zu werden, willigt er ein, geht nach Dänemark und nimmt nach und nach den Raum ein, den ihm der geisteskranke König gewährt, um sich politisch zu betätigen. Struensee erlässt in seiner kurzen Zeit am Hof über 600 Gesetze, bis er auf dem Schaffott endet.
Aber die Aufklärung allein ist es nicht, die ihn umbringt, sondern seine Liebesbeziehung zur Königin. Der Gatte duldet sie genau so wie die gemeinsame Tochte mit Struensee. Die Höflinge nutzen aber die anstößige Liaison, um sich Struensees zu entledigen, der den Lesern als charaktervoller und einfühlsamer Freund und Liebhaber dargestellt wird.
Man mag kaum weiter lesen, als Struensee alle Warnungen ausschlägt und als Opferlamm endet, bevor er im Kerker noch lange Reueschriften verfasst hat. Das empört uns Leser, haben wir doch auf 300 brilliant geschriebenen, nie langweiligen Seiten erfahren, wie klug und vom Geist der Aufklärung überzeugt der Leibarzt aus Altona ist.
Per Olov Enquist hat die Sympathielenkung geschickt aufgebaut, so dass gut nachzuvollziehen ist, wie der junge Goethe sich über die vermeintliche Reue des Eingekerkerten Aufklärers aufregte. Selbst Katharina die Große kann die Hinrichtung nicht verhindern, was der Autor in einem Kurzbericht notiert, der so sachlich und stakkatohaft verfasst ist, wie das stumpfe Geräusch des Henkerbeils, das den jungen Mann gnadenlos zerteilt. Das versammelte Volk, so bemerkt die geschockte Leserschaft, zieht immerhin lautlos ab und jubelt nicht.
Enquist hat die Spannung so aufgebaut, dass wenigstens das beruhigende Wissen über die große französische Revolution bleibt, die Struensees Schergen über kurz oder lang entmachten wird. Und es verwundert nicht, dass Enquist dieses Thema wie schon etlich vor ihm (u.a Hebbel) aufgegriffen haben, um das Scheitern eines großen Individuums zu zeigen, das trotz - oder gerade wegen? - Ehebruchs und Amtsanmaßung unser aller unumschränkte Sympathie erhält. Das Buch hält die gefällige Waage zwischen historischem Roman, Liebesgeschichte und psychologischer Studie.
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23 von 25 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Die Mittel heiligen den Zweck 14. Dezember 2001
Format:Gebundene Ausgabe
Das Buch hat die höchsten Weihen der deutschsprachigen Literaturmedien erhalten: einhellige Befürwortung, ja nahezu Begeisterung im „Literarischen Quartett" des ZDF. Doch wer die eventuell aufgetretenen Bedenken gegen derartige Heiligsprechung durch Marcel Reich-Ranicki & Co. überwindet, der entdeckt mit Per Olof Enquists „Der Besuch des Leibarztes" tatsächlich eine der besten Neuerscheinungen des letzten Jahres.

Der vielseitige 1934 geborene schwedische Schriftsteller, der in seiner Heimat mit einem Theaterstück über August Strindberg bekannt wurde, feiert mit seinem dritten Roman den Durchbruch auch im deutschen Sprachraum. Zurecht, denn das als historischer Roman angepriesene Buch sprengt die Grenzen dieses Genres bei weitem.

Schauplatz des Buches ist das Dänemark der 60er und 70er-Jahre des 18. Jahrhunderts, beim Titelhelden handelt es sich um den deutschen Grafen Johann Friedrich Struensee, den aus Altona bei Hamburg stammenden Leibarzt des dänischen Königs Christian VII. Zwischen dem Herrscher, der - so sind sich die Historiker einig - an einer nicht näher bekannten Geisteskrankheit litt und seinem Arzt entwickelt sich rasch ein besonderes Vertrauensverhältnis, das so weit geht, dass Christian auch seine junge Königin unter Struensees besonderen Schutz stellt. Herzstück des Romans ist ein Sommer, den das Königspaar mit Struensee, der sich inzwischen in die Königin verliebt hat, auf einem entlegenen Schloss in der dänischen Provinz verbringen. Struensee weiht die Königin dort nicht nur in die Liebe, sondern auch in seine Gedankenwelt ein, die von der Aufklärung geprägt ist. Und da Christian ihm mittlerweile auch die Staatsgeschäfte voll und ganz überlassen hat, regiert Struensee an seiner Stelle Dänemark, erlässt in kurzer Zeit mehrere hundert Dekrete und erreicht eine aufklärerische Revolution der Tinte zwanzig Jahre vor der Französischen Revolution. Doch es kommt, wie es kommen muss: Da Struensee sich weigert, seine Machtbefugnisse auch zur Ausschaltung seiner gefährlichen politischen Gegner zu nutzen, wird er von diesen des Hochverrats beschuldigt, verurteilt und hingerichtet.

Was macht nun Enquists „Besuch des Leibarztes" zu einem so außergewöhnlichen Buch? Da wäre zunächst seine Sprache: In einer schmucklosen und doch in Satzbau und Duktus sehr poetischen Sprache erweckt Enquist die mehr als 200 Jahre zurückliegenden Ereignisse zum Leben und macht aus der Geschichte des Scheiterns eines Aufklärers eine faszinierende und zeitlose Parabel auf Macht und Moral.

Außerdem versteht er es, seine Figuren allesamt menschlich zu gestalten und die sonst gerade in historischen Romanen häufigen Klischees zu vermeiden. Sein Struensee ist ein grundguter, aber allzu blauäugiger Intellektueller, der für das Volk kämpft, ohne es wirklich zu kennen oder in allzu intensiven Kontakt mit ihm zu treten. Er liebt die Königin von ganzem Herzen, die cleverer und einfühlsamer ist als er, und doch bisweilen ein wenig zu kühl wirkt neben dem engagierten Struensee. Meisterleistungen der Charakterisierung gelingen Enquist bei Christian VII., in dessen gütige, aber erratische Persönlichkeit man sich hineingezogen fühlt, ohne sich zu ihm hingezogen zu fühlen. Dunkle Faszination und Mitleid wechseln sich schließlich ab beim protestantischen Eiferer Guldberg, der Gegenspieler Struensees und zugleich dessen dunkles Alter Ego ist. Durch seine Kleinwüchsigkeit und Impotenz zeitlebens von Minderwertigkeitsgefühlen geplagt, rächt er sich permanent an der Welt, indem er sie seinen Vorstellungen anzupassen sucht. Und während Struensee in seiner Naivität glaubt, allein durch seine klugen Dekrete die Macht sichern zu können, sucht und findet Guldberg Verbündete und triumphiert am Ende gegen die Menschlichkeit seines Widersachers.

Zuerst langsam und dann immer überwältigender wird das zentrale Thema des Romans aufgebaut: der scheinbare Widerspruch zwischen Macht und Menschlichkeit. Das Schicksal Struensees, der sich weigert, seinen vielen Dekreten einige hinzuzufügen, die seine Widersacher aus dem Wege räumen, hat zwar die Macht und will Gutes tun, kann es aber nicht, da er samt seinen Dekreten beseitigt wird. Hinter diesem Vorgehen, das auf den ersten Blick schlicht ein taktisch dummes Verhalten eines Amateurpolitikers zu sein scheint, verbirgt sich jedoch die zutiefst moralische Überzeugung des „Anti-Macchiavelli" Struensee, der seine Machtposition sich selbst gegenüber nicht mehr rechtfertigen könnte, wenn er seinen Grundsätzen zuwider handelte. Aus der scheinbaren Niederlage Struensees lässt Enquist in den Szenen von Struensees Hinrichtung einen menschlichen Triumph ersten historischen Ranges entstehen, und diese Passage gehört zu den bewegendsten des Buches und der Literatur überhaupt.

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Die neuesten Kundenrezensionen
O, keep me innocent, make others great
Die Geschichte um den Aufklärer Johann Friedrich Struensee liest sich durchaus spannend. Der deutsche Arzt, der zur Betreuung des psychisch kranken Königs bestellt wird,... Lesen Sie weiter...
Vor 2 Monaten von Bernd Hußnätter veröffentlicht
Spannende Geschichte schlechter Schreibstil
Die Geschichte an sich wäre sehr spannend, wenn nur, wenn...

... die Sätze nicht so kurz und fast gewalttätig wären,
... Lesen Sie weiter...
Vor 7 Monaten von chriba veröffentlicht
sehr gut
Sehr gut.Ich bin mit meinem erworbenen Buch ganz zufrieden;)Danke hierfuer. Es heisst: eigentlich war es ein Geschenk an meinem Freund. Das Buch hat ihm gefallen.
Vor 8 Monaten von christina veröffentlicht
Der Besuch des Leibarztes, 2 Kasetten
Ich war mit den Angaben zum Artikel sehr zufrieden. Die Belieferung erfolgte schnell und sachkundig. Der Zustand der Kassetten war bestens.
Vor 9 Monaten von Rudel, Christine veröffentlicht
Tolle Geschichte, Umsetzung mangelhaft
Die vielen Vorschusslorbeeren haben mich neugierig gemacht. Aber im Endeffekt habe ich mich durch das Buch durchquälen müssen. Lesen Sie weiter...
Vor 21 Monaten von Lombardei veröffentlicht
Dänemarks Geschichte rund um Christian VII.
Per Olov Enquist wurde 1934 in einem Dorf im Norden Schwedens geboren. Er ist einer der bedeutendsten zeitgenössischen Autoren Schwedens. Lesen Sie weiter...
Veröffentlicht am 20. Mai 2010 von Mag Sarah Krampl
Ein packender Roman in erstklassiger Umsetzung
Per Olov Enquists "Der Besuch des Leibarzt" dürfte wohl die bekannteste literarische Darstellung des Lebens Struensees sein. Lesen Sie weiter...
Veröffentlicht am 26. April 2010 von Olaf von der Heydt
pageturner
Diesen Roman habe ich verschlungen! Er bietet alles, was ich von guter Unterhaltung erwarte: eine spannende Geschichte, differenzierte Charaktere, viele Informationen über ein... Lesen Sie weiter...
Veröffentlicht am 1. Februar 2010 von B.B.
Düster, interessant - Einblicke in fremde Gedanken
Ich kannte diese unglückliche Romanze schon sehr lange von einem alten Film mit Horst Buchholz, der den geisteskranken König gespielt hat und O. W. Lesen Sie weiter...
Veröffentlicht am 6. August 2009 von Katzenfan
Historischer Roman, Tragödie und Romanze
eine facettenreiche Mischung aus Romanze und Tragödie, ein historischer Roman. Es geht um verbotene Liebe, Wahn, Politik und Macht, die Emanzipation einer Königin, die... Lesen Sie weiter...
Veröffentlicht am 12. Juli 2009 von K. Preuß
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