Norddeutschland in der zweiten Hälfte des 14. Jahrhunderts: Die Hanse blüht, und weitgehend krisenlose Zeiten bescheren Kaufleuten gute Geschäfte. So auch dem Bremer Händler Lambrech, der allerdings höher hinaus möchte und mit der Kontrolle des Bernsteinhandels großen Reichtum anstrebt. Als "Bernsteinbund" haben Lambrech und seine drei Kinder der Mutter am Sterbebett unter dem Symbol von deren Bernsteinkette versprochen immer zusammenhalten. Freilich interpretiert Lambrech den Bund so, dass die Kinder sich seinen Zielen zu opfern hätten: Der älteste Nachkomme Henric wird optimal fürs Geschäft verheiratet und bekommt die beste Händlertochter der Stadt Christine zur Frau, die jedoch mit Henrics Bruder Daniel in platonischer Liebe verbunden ist. Der talentierte Daniel eckt in dem Kloster, für das er vorgesehen ist, mit seinem Interesse für weltliche Genüsse an, wird von seinem Mentor zum Medizinstudium nach Italien geschickt und begegnet bei seiner Wiederkehr Christine als seine Schwägerin. Henric ist weitaus anständiger als sein Vater Lambrech, und als er dessen Intrigen und Verbrechen auf die Schliche kommt, wendet er sich von ihm ab, geht mit Christine nach Lübeck und wird dort aus eigenen Stücken ein erfolgreicher Geschäftsmann. Da sich überdies die kleine Schwester Mette ihm anschließt, um ihrer Verheiratung mit einem alten Geldsack ("Pfeffersack") zu entgehen, schwört Lambrecht Rache. Auf Henrics Bitte zieht Daniel ebenfalls nach Lübeck; zu dem Konflikt mit dem skrupellosen Vater kommt noch der zwischen Brudersolidarität und unerfüllter Liebe.
"Der Bernsteinbund" entwickelt schnell einen Sog, so flüssig und stilsicher ist der Roman geschrieben, so gut ist er erzählt und so weitgehend kurzweilig bleibt auch die Handlung über 650 Seiten. Die Figuren und die Umstände der Zeit könnten noch etwas plastischer sein, aber bei dem historischen Rahmen ist es mehr die Geschichte von pekuniären und richtigen Werten, die hier eben zu Beginn der Blütezeit der Hanse spielt. Ein paar Konstruktionen im Plot sind ein wenig als solche erkennbar und vorauszuahnen, aber insgesamt ist "Der Bernsteinbund" ein rundes, schön zu lesendes Werk.