Bei eingefleischten Berg-Nostalgikern wie mich, schlägt das Herz beim Anschauen der herrlichen Bilder höher, zumal die Szenen zum größten Teil in der Tat am Matterhorn gedreht wurden und es sich nicht um die Plastikfelsen eines Studios handelt. Zwar kippt der bis zu dem dramatischen Unglück bergsteigerisch noch recht authentisch gezeigte Film dann leider um und verliert sich in maßlos übertriebenen, kitschigen Kinoszenen, die typisch klischeehaft den unerschrockenen Helden (Luis Trenker natürlich) in völlig irrealer Handlung zeigen:
Zunächst hat er jahrelang gebraucht, dem Gipfel des Berges überhaupt ein Stück näherzukommen. Als er es dann schaffen konnte, kehrte er deprimiert 200 Meter unter dem Gipfel wieder um, weil er seinen Kontrahenten Whymper oben bereits jubeln sah, womit der restliche Weg zum Ziel also nach wie vor eine Unbekannte für ihn blieb. Um so kinokitschiger ist dann sein förmlicher Hals-über-Kopf-Dauerlauf, mit dem er ohne Seil, ohne Rucksack und folglich ohne jeden Proviant, auf den Viertausender rennt, dabei in ein verheerendes Unwetter aus peitschenden Schneestürmen gerät, um mit bloßen Händen, ohne Handschuhe, in dem tobenden Schneetreiben bei Dunkelheit das Gipfelbuch der Unglücks-Seilschaft liest, und schließlich noch zur Absturzstelle robbt, um das zerrissene Seil zu finden und zu bergen. Aus der Darstellung heraus, daß er direkt vom Berg kommend, sich völlig erschlagen mit dem Seil als Beweisstück für die Entlastung Whympers, in den Gerichtsaal schleppt, resultiert die Annahme, daß er dies alles auch noch innerhalb der wenigen Verhandlungsstunden bewältigt hat.
Man muß sich im letzten Viertel des Films also daran erinnern, daß man tatsächlich einen Kinofilm von 1938 schaut und keine Dokumentation. Und als solcher ist er kurzweilig und packend.
Luis Trenker war und bleibt einer der ganz Großen. Aber besonders hervorzuheben, weil zu oft vergessen, sind die vielen Erstbesteiger der ganzen damaligen Epoche. Während man heutzutage aus der Bergsteigerei, wie aus allen Aktivitäten, eine komplizierte Wissenschaft macht, die letztlich nur darauf abzielt, neben dem hauptsächlich industriellen Profit, die Physik und die Natur nach Möglichkeit so zu bremsen, daß man gefährliche Handlungen vollbringen kann, ohne selbst in Gefahr zu geraten, haben diese Männer die Natur noch geachtet und gefürchtet und waren bereit, sich ihr so zu stellen, wie sie waren: mit Pumphose, Hanfseil und die Gefahren in kauf nehmend.
All die heutigen mit Chemie gezüchteten High-Tech-Kletterer, die die Berge nur noch als Sportgeräte nutzen, ständen zu damaligen Bedingungen so da, wie der dröhnende rollende Rockstar, dem man den Strom einach mal abstellt.
Ebenso wären die stolzen Berge von dem entehrenden Massentourismus verschont geblieben, gäbe es diese vorgefertigten Klettersteige nicht, an denen sich mittlerweile sogar ansonsten seilbahnfahrende Wanderer fortgeschrittenen Alters versuchen, wohlwissend um den Hubschrauber, der ja nur einen Handyknopfdruck weit entfernt ist.
In all dem gegenwärtigen Wahnsinn ist es also um so schöner, mal wieder einen Film aus bescheideneren Zeiten gesehen zu haben.