Wir glaubten, ihn und seine Zeit zu kennen: Richard Löwenherz, der in unseren Kindertagen die Vorstellung von Gerechtigkeit, Edelmut, und Selbstlosigkeit sicherlich mit geprägt hat. Wie enttäuscht waren wir später, als kein Staatslenker aus den Geschichtsbüchern, geschweige denn in der Gegenwart, dem vermeintlich hehren Vorbild gleichen wollte. Nun, König Richard I hat diesem Bild selbst nicht entsprochen, ebenso wenig, wie seine politischen Kontrahenten oder Mitstreiter im ausgehenden 12. Jahrhundert. Was die Mutter Richards, Eleonore von Aquitanien, bewegte, ohne Rücksicht auf die Staatsökonomie und das Wohl der Untertanen das Lösegeld für ihren entführten Sohn einzutreiben, welche Kräfte, konzentriert auf seinen Bruder John, sich gegen seine Mutter und damit gegen Richard wandten, kurz, aus welchen Motiven heraus und auf welchem Hintergrund die damaligen Herrscher Europas agierten, all das wird sehr anschaulich und gut recherchiert im „Bastard" dargestellt. Es ist kein trockenes Geschichtsbuch, sondern die Autorinnen haben es geschafft, den historischen Figuren wieder Leben einzuhauchen, sie als Charaktere zu präsentieren, so daß uns die Beweggründe für ihr Handeln verständlich werden und wir ein lebendiges Bild jener Zeit vor uns sehen. Richard Löwenherz tritt übrigens als Person gar nicht auf - da ist ja noch Weiteres zu erwarten!
Ein schönes Buch! Und viel zu selten: Endlich mal wieder eine schöne Sprache!