"Der Baron auf den Bäumen" erzählt eine anfangs recht abstrus anmutende Geschichte, die eines Mannes, der als Kind auf einen Baum klettert, zunächst aus Trotz dort bleibt und dann beschließt, sein Leben auf den Bäumen zu verbringen und niemals mehr die Erde zu berühren. Die Erzählung ist so leicht geschrieben, daß man anfangs meinen könnte, sie entbehre jeglichen Ernstes, doch ähnlich wie in "Der kleine Prinz", "Gullivers Reisen" oder "Alice im Wunderland" verbirgt sich hinter der "kindlichen" Fassade ein tieferer Ernst, als er in vermeintlichen "Erwachsenenbüchern" vertreten ist. Es soll nun keinesfalls der Eindruck entstehen, es handele sich hier um ein Kinderbuch. Doch läßt es sich auch als solches lesen, wenngleich natürlich der volle Gehalt von einem Kind nicht erfaßt werden kann. Es stellt sich die Frage, warum der Baron den Kontakt mit der "Mutter Erde" aufgibt, warum er sogar auf einem Baum stirbt. Die Antwort muß jeder für sich selbst finden. Gleichzeitig gewinnt diese Lebensweise jedoch solche Anziehungskraft aufgrund der bildreichen und eindrücklichen Schilderung, daß man sich bisweilen versucht fühlt, ebenfalls auf einen Baum zu klettern und dieses Leben zu kosten. Die Erzählung ist ungemein mitreißend und eindringlich und hat, wie jede Literatur von Rang, nicht im geringsten an Aktualität verloren. (Dies ist eine Amazon.de an der Uni-Studentenrezension.)