Vergleiche zu "Doktor Schiwago" liegen nahe; es handelt sich auch um ein opulentes, romantisches, tragisches Liebesepos, doch der Unterschied ist dieser: während Schiwago weder russische Schauspieler, noch russische Regie aufweist und noch nicht mal in Russland gedreht worden ist und damit eine häufig kitschige und unglaubwürdige Pseudo-Atmosphäre aufbaut, ist der "Barbier von Sibirien" durch und durch russisch, in Russland gedreht unter der Leitung eines ungemein begabten russischen Regisseurs, Nikita Mikhalkow. Und mehr: durch Besetzung zweier Hauptrollen durch Julia Ormond und Richard Harris, die schlüssigerweise ja auch Ausländer spielen, findet der künstlerische Anschluß und Austausch mit dem "Westen" statt. Wer zu sehr die amerikanische Art und Sichtweise von Filmen schätzt, kann bei der russischen, andersartigen Sicht, die häufig in einzelnen Situationen verharrt und diese schwelgerisch ausschöpft, seine Probleme haben. Nicht so viel nachdenken, eher mitfühlen, könnte eine Form von Devise sein. Und meinerseits wäre es wünschenswert, viel mehr "östliche" Perspektive in die vom Amerikanismus überschwemmte Filmbranche zu lassen, was keineswegs heißen soll, daß es nicht zahlreiche, begabte, hervorragende Filme aus den USA gibt - doch wo bleibt der Osten? Wer mal etwas anderes als Hollywood sucht, dem sei dieser lange, gut inszenierte "Historienfilm" warm empfohlen.