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Der Balsamträger
 
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Der Balsamträger [Taschenbuch]

Wolf Serno
3.6 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (33 Kundenrezensionen)
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Produktbeschreibungen

Aus der Amazon.de-Redaktion

Das 18. Jahrhundet ist eine Zeit, in der die Namen der Menschen noch einiges über ihren Besitzer verraten. Zumindest ist das in Wolf Sernos Der Balsamträger so, dessen Titelheld auf den Namen Pausback hört: Riesenhaft gewachsen, aber leider mit einem allzu kleinen Hirn versehen, schlägt er sich mit seinem kleinen mobilen Laden im Jahr 1780 durch den Thüringer Wald. Auf den Schultern trägt er Listig, einen beinlosen Zwerg von überragender Verstandeskraft, der ihm einst über den Weg gelaufen ist. Gemeinsam bieten sie einer Welt Paroli, die von Räuberbanden, giftigen Pilzen und Betrügereien nur so wimmelt. Und in der auch eine schöne Giftmischerin lebt, die das perfekte Gespann gegeneinander auszuspielen sucht -- bis Listig seinen Freund ans Messer einer ungerechten Gerichtsbarkeit liefert.

Seit seinem Überraschungs-Bestseller Der Wanderchirurg ist Wolf Serno (Der Chirurg von Campodios, Hexenkammer, Die Mission des Wanderchirurgen) so etwas wie die deutsche Antwort auf Umberto Eco. Zumindest kann hierzulande keiner spannender und kenntnisreicher über historische Zeiten schreiben wie er. Sernos Paradezeitalter ist eigentlich das 16. Jahrhundert, wo viele seiner Romane spielen. Aber bereits mit Tod im Apothekenhaus hat der ehemalige Werbetexter bewiesen, dass er sich auch in der Medizin und Heilkunde des 18. Jahrhunderts ausagezeichnet auskennt. Der Balsamträger führt diese Tradition blendend fort. Auch wenn sich Motive und Bilder der Bücher beizeiten ähneln und der Plot nicht immer Neues verspricht: auch Der Balsamträger ist wieder ein Buch in bester Serno-Manier, dass man am besten an langen Winterabenden am Kamin verschlingen sollte. --Isa Gerck -- Dieser Text bezieht sich auf eine vergriffene oder nicht verfügbare Ausgabe dieses Titels.

historische-romane.de, Dezember 2006

Für alle Liebhaber von schlagfertigen Wortgefechten und raffinierten Streichen ist der Roman eine blendende Unterhaltung.

Kurzbeschreibung

Der ›Buckelapotheker‹ Pausback ist riesengroß – doch sein Hirn ist ziemlich klein. Mit einem Reff auf dem Rücken zieht er von Dorf zu Dorf, um seine Tinkturen und Arzneien anzubieten – und wird dabei mehr als einmal übers Ohr gehauen. Da naht Rettung in Gestalt eines Mannes, der zwar keine Füße mehr hat, dafür aber einen blitzschnellen Verstand. Gemeinsam ziehen die beiden fortan ihrer Wege, doch dann verlieben sie sich ausgerechnet in dieselbe Frau. Von Stund an ist es aus mit der innigen Kameradschaft zwischen den Balsamträgern. Beide ahnen nicht, dass die schöne Eva ein dunkles Geheimnis umgibt: Sie ist eine Giftmischerin ...

Über den Autor

Wolf Serno arbeitete 30 Jahre als Texter und Creative Director in der Werbung. Mit seinem Debüt-Roman "Der Wanderchirurg" - dem ersten der fesselnden Saga um Vitus von Campodios - gelang ihm auf Anhieb ein Bestseller, dem viele weitere folgten, unter anderem: "Der Balsamträger", "Hexenkammer", "Der Puppenkönig" sowie "Das Spiel des Puppenkönigs", "Die Medica von Bologna" und "Das Lied der Klagefrau". Wolf Serno, der zu seinen Hobbys "viel lesen, weit reisen, gut essen" zählt, lebt mit seiner Frau und seinen Hunden in Hamburg.

Auszug aus Der Balsamträger von Wolf Serno. Copyright © 2006. Abdruck erfolgt mit freundlicher Genehmigung der Rechteinhaber. Alle Rechte vorbehalten.

Prolog
Potzblitz, gute Frau! Da hätt ich Euch fast über den Haufen gerannt, ich bitte um Vergebung!« Der blonde Jüngling riss voller Schrecken die Arme hoch, ließ sie wieder sinken und setzte ein entwaffnendes Lächeln auf. Die Frau, der seine Worte gegolten hatten, war eine schwere Matrone mit streitlustigen Augen. »Wer mich umrennen will, muss mehr Fett auf den Rippen haben!«
Der Jüngling lachte schallend. »Trefflich gesagt, trefflich gesagt, fürwahr!« Plötzlich wurde er wieder ernst. »Aber was sehen meine Augen? Ist es ein Trugbild, ein Irrlicht gar? Jetzt erkenn ich Euch! Wie schön, Euch zu begegnen! Ihr seid die Witwe Findteisen, stimmt’s?«
»Allerdings«, versetzte die Dicke ungerührt. Denn um das zu wissen, musste man kein studierter Kopf sein. Sie war in der Stadt bekannt wie ein bunter Hund. »Allerdings«, wiederholte sie und wollte weiter, denn an diesem heiteren Morgen, man schrieb den 23. Aprilis Anno 1777, war Mittwochsmarkt in Schmalenbach, einem kleinen Ort im Thüringer Land. »Ich hab’s eilig!« Doch irgendwie war der Bursche ihr noch immer im Weg, und da sie nicht recht vorwärts kam, fragte sie schließlich: »Wer bist du? Ich kenne dich nicht.«
»Ich bin Listig!«, strahlte der Jüngling.
»Das mag sein. Wie du heißt, wollte ich wissen. Ich habe dich noch nie gesehen.«
»Listig heiß ich, gute Frau.«
»Lächerlich. Das ist kein Name.«
»Vielleicht. Vielleicht auch nicht.«
»Ja, ja, stiehl mir nicht länger meine Zeit.« Die Findteisen hatte endgültig genug von dem Spaßvogel. Der Markt wartete, und sie hoffte auf eine frische Forelle aus der Schwarza. »Vielleicht heiße ich nicht Listig, aber ich bin’s. Immerhin hab ich bemerkt, dass Euch bei unserer kleinen Rempelei Geld zu Boden gefallen ist.«
»Wie?«
»Ihr habt Geld verloren.« Der Jüngling bückte sich, sammelte die Münzen auf und übergab sie der Witwe mit einer artigen Verbeugung.
»Waaas? Ja, das ist doch …« Die Dicke schluckte. »Danke.«
Widerstrebend musste sie dem Burschen Abbitte leisten. Er schien nicht nur ein Spaßvogel zu sein, sondern auch eine ehrliche Haut. »Nun ja. Hier, nimm. Ein kleiner Finderlohn. Niemand soll sagen, die Witwe Findteisen ließe sich lumpen. Kauf dir etwas zu essen, bist ja klein wie ein Spatz und dünn wie ein Spargel.«
»Ergebensten Dank, und vergelt’s Gott!« Der Jüngling verbeugte sich erneut, diesmal noch tiefer, und blickte der schweren Matrone nach. Die Münzen in der Hand wiegend, kicherte er: »Ich bin Listig, und ich bin listig, du dicke Vettel! Wenn ich’s nicht wär, hätt ich dir alles geklaut – und wär Gefahr gelaufen, dass du den Büttel auf mich hetzt. So aber bin ich kein Dieb, sondern ein ehrlicher Finder.«
Er ging zu einem Stand, an dem es verführerisch nach Gebratenem duftete, und kaufte sich zwei Würste. Mit vollen Backen kauend, schlenderte er die Marktgassen entlang. Wieder einmal hatte er sein Ziel erreicht: satt zu werden, ohne dafür einen Finger krumm machen zu müssen.
Alles in allem war er kein schlechter Kerl, und gegen Arbeit hatte er noch nie etwas gehabt – solange andere sie verrichteten. Er selbst fasste sie nur ungern an. Umso eifriger war er, wenn es um die Freuden der Tafel ging. Er konnte gewaltige Mengen vertilgen und ebenso viel trinken. Dabei blieb er stets schlank wie eine Gerte, und niemand hätte zu sagen vermocht, warum er kein Jota zunahm.
Beschwingt stopfte er sich den Rest der Wurst in den Mund und verließ den Markt. -- Dieser Text bezieht sich auf eine vergriffene oder nicht verfügbare Ausgabe dieses Titels.
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