Schade - Chance verpasst. Das definitiv schwächste Buch des Autors (nach den - in Abstufungen - durchaus gelungenen Titeln "GSG9", "SEK", "PersonenschutZ" und "KSK"). Das größte Manko vorweg: die Fotos und Abbildungen des Buches sind zu 90% schwarz-weiß! Und das im Jahr 2006. Das mag für die Archiv-Bilder aus den 50er und 60er-Jahren selbstverständlich sein, aber auch die Bilder aus neuerer Zeit sind fast durchgängig scharz-weiß...
Inhaltlich keine Struktur, verquaste Sprache, viele Passagen aus zeitgenössischen Dokumenten, kein klarer Stil.
Das Kapitel zur "Bewaffnung in den 50er Jahren" umfasst von den Fotos her auch spätere Jahre, endet aber inhaltlich in den 50ern. Warum? Warum wird kein Bild bis heute gezeichnet? Kein Wort zu weiteren Ausrüstungsgegenständen wie Reizgas, Mehrzweckstöcken, usw. Stattdessen 4 Seiten zu "Kugelsicheren (sic) Westen", die überhaupt keinen Aufschluß über das Thema geben.
Ein absolutes No-No für jedes Sachbuch: die doppelte (!) Verwendung eines völlig identischen Fotos (einer GSG9-Übung) mit identischer Bildunterschrift, S. 77 und S. 213. Ein weiteres, vom Motiv her nahezu identisches, Bild dann als Zugabe noch auf S. 175. Und weil der SW4 neben der El Al-Maschine so schön ist, gibt's auf zwei aufeinanderfolgenden Seiten nahezu dasselbe Bild.
Übersichtskarten über Standorte, Tabellen zur Organisationsstruktur oder Typenverzeichnissse der Fliegerstaffel - Fehlanzeige.
Das Kapitel "Fahrzeuge im BGS" unterschlägt die wichtigsten Sonderwagen der 60er und 70er Jahre, von technischen Daten der abgebildeten Fahrzeuge ganz zu schweigen.
Zum Thema "Frauen im BGS" vermag Scholzen am Schluß des Kapitels zu vermelden: "Na, dann sollen die Mädchen mal zeigen, was Sie können", nachdem er vorher schon über "hübsche" und "zarte" Beamtinnen schwadroniert. Aha.
Und auch ansonsten ist klar, wo der Feind steht: "Die Kader der DKP und kommunistischer Studentengruppen schufen im Cordon (sic!) blauäugiger Friedensbewegter von Brokdorf bis Wackersdorf Plattformen für Ihre Agitation". Genau.
Von einer "umfassenden Geschichte der Bundespolizei" (Titel) darf man wohl mehr erwarten, als Notstands-Rhetorik der Spätsiebziger.