Manche Baumeister-Krimis sind tatsächlich deprimierend, melancholisch und manchesmal auch schockierend offen und ehrlich in ihrer Themenwahl und der Art und Weise, wie Jacques Berndorf ein Thema behandelt. Mord unter Jugendlichen, Eifersuchts- und Familiendramen oder bittergrausame Abhandlungen über Relikte aus dem Kalten Krieg. Doch das bereits 1999 geschriebene und nun neu veröffentlichte Fundstück 'Der Bär' zeigt die zartere Seite Jacques Berndorfs, gerade gemütlich und humorvoll widmet er sich der Aufklärung eines uraltes Mordfalls und den Unwegbarkeiten zweier sich ganz entzückend Liebender...
Zur Handlung: im Rahmen einer Diplomarbeit will eine Studentin einen mehr als 100 Jahre alten Mordfall aus der Gerolsteiner Gegend klären und zieht voreilig falsche Schlüsse. Der Journalist Baumeister kann es nicht lassen, gemeinsam mit seinen Kommissaren Rodenstock a.D. und weiteren, illustren Gestalten, zu recherchieren und deckt damit akribisch und schmunzelnd ein Liebesdrama aus dem gutbürgerlichen 19. Jahrhundert auf, das aber noch heute einigen finsteren Gestalten und Politikern zufolge lieber nicht an die Öffentlichkeit sollte...
Hier ein handzahmer, gemütlicher, entspannter und entspannender Eifel-Krimi, der gemächlich und humorvoll erzählt fast unblutig eine niedliche Geschichte aus dem vorletzten Jahrhundert erzählt und zugleich selbst bereits ein klein wenig antiquiert wirkt. Nun, die Zeiten, als man mit der Deutschen Mark noch zahlte, die sind wohl wirklich schon vorbei. Nichtsdestotrotz sind und bleiben die Baumeister-Krimis spannend, herzlich emotional und einfach nur nett - egal, wie alt die Manuskripte auch sein mögen, die jetzt erst veröffentlicht werden. Wer auf psychologisch tiefsinnige und detaillierte Krimis oder blutrünstige Thriller steht, wird hier nicht fündig. Wer aber niedlich erzählte und charmante Geschichten mag, wird Jacques Berndorf längst in sein Herz geschlossen haben.