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Die eigentliche Handlungsstrecke beginnt, als Alex, nunmehr 20, sich in Londons Autogrammhändlerszene etabliert hat. Um allerdings endgültig zur festen Größe zu werden, fehlt ihm noch die blaue Mauritius unter den Philografen: die Signatur der fast schon mythengleichen Kitty Alexander, einer verblühten Hollywood-Aktrice. Eine merkwürdige und einseitige Brieffreundschaft beginnt. Am Ende fliegen ein Jäger und seine Beute heimlich nach London. Während Kitty für die Welt gestorben ist, besitzt Alex nun Autogramme von unschätzbarem Wert -- sein Lebensziel scheint erreicht.
Die Sammellobsession ihres Helden, eine Götzenverehrung stellvertretend für die Sinnsuche in der Leere einer Postmoderne, löst bei Smith beständig funkelnde Assoziationsketten aus. Ausflügen in die jüdische Kabbalistik (auch das hebräische Alphabet lernen wir bei ihr) folgen Bezugnahmen auf den Philosophen Ludwig Wittgenstein und den Schriftsteller Walter Benjamin. Das Verhältnis von Gois und Juden wird ebenso beleuchtet wie die Seelenlandschaft eines Filmstars. Pop-Kultur plus Zen-Buddhismus plus ein von Zeichnungen und Grafiken durchsetztes Schriftbild lassen zuweilen den Eindruck schriftstellerischer Anarchie bedrohlich nahe kommen.
Keine Missverständnisse. Nach all den Lobeshymnen, mit denen ihr Erstling Zähne zeigen überschüttet wurde, hat Zadie Smith -- die sich laut eigener Aussage von Hollywoods Blütezeit inspirieren ließ -- die wenig beneidenswerte Aufgabe eines würdigen Nachfolgers mutig und souverän gemeistert. Nur hat sie sich zu viel aufgebürdet. Etwas weniger wäre wesentlich mehr gewesen. --Ravi Unger -- Dieser Text bezieht sich auf eine vergriffene oder nicht verfügbare Ausgabe dieses Titels.
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Man lernt aber auch sehr viel von der Kabbala kennen, die zehn Sefirot, die zehn heiligen Spähren, von denen jede ein göttliches Attribut enthielt. Diese zehn Sefirots sind dann auch die Kapitelüberschriften, z.B. Binah, Chokmah. Man lernt die 22 Buchstaben des hebräischen Alphabets kennen.
Man erfährt etwas über die Liebe von Alex zu Esther, einen Witz über den Papst und den Oberrabbiner (sehr witzig) und etwas über Drogen.
Ein höchst eigenwilliges Buch, interessant, gewagt, nicht ganz einfach zu Lesen. Deshalb nur drei Punkt.
So beginnt Zadie Smiths zweiter Roman „Der Autogrammhändler". Ihr hochgelobter Debütroman "Zähne zeigen", der wochenlang auf internationalen Bestsellerlis-ten stand, machte sie zur gefeierten Newcomerin in der Literaturwelt.
Protagonist ihres neuen Buches ist der 27-jährige Alex-Li Tan, der sich jedoch des besseren Klangs wegen Alex-Li Tandem nennt. Alex-Li ist der Sohn einer jüdischen Mutter und eines chinesischen Vaters. Ein chinesischer Jude, der in Mountjoy, einem Vorort von London lebt und sich sein Geld als Autogrammhändler verdient. Er kauft, verkauft und verifiziert Autogramme, ist hypochondrisch veranlagt, verständigt sich gern mittels internationaler Gesten und teilt die Welt, seine Welt, in Goy und Jüdisch ein.
Sein großer Traum ist ein Autogramm des B-Movie Stars Kitty Alexander. Seit seinem 12. Lebensjahr schreibt er ihr wöchentlich Briefe - bislang unbeantwortet. Daher ist er umso erstaunter, als er eines Morgens nach einem Drogenrausch eine Postkar-te an seine Tür geheftet findet. Eine Postkarte mit dem Autogramm von Kitty Alexander.
Dieser Moment ist der Dreh- und Angelpunkt. Um ihn spinnt Smith die Geschichte von Alex-Li Tandem, die sie in zwei Teilen, umrandet von Pro- und Epilog, erzählt. Im ersten Teil lernt der Leser Alex-Li kennen, wird sozusagen auf den zweiten Teil vor-bereitet, in dem Smith die Spannung erst voll entfaltet.
Die Autorin schafft es gekonnt, poetische, literarische Sprache mit dem Slang der Straße zu kombinieren. Dabei spielt sie auch mit den formalen Möglichkeiten eines Buches, jongliert geschickt mit Überschriften, Bildern und verschiedenen Schriften.
Auf den ersten Blick scheint Alex-Li einer dieser Anti-Helden zu sein, mit denen der Literaturmarkt momentan geradezu überschwemmt wird. Einer dieser Menschen, vornehmlich Männer, die zuviel rauchen, trinken, kiffen und ihr Leben ohne jede Per-spektive, aber dafür mit jeder Menge Illusionen leben. Illusionen, die sich nach und nach verlieren, weil sie wie Seifenblasen zerplatzen. Auf den ersten Blick.
Alex-Li raucht, trinkt und kifft zwar auch zuviel. Aber er ist weder Held noch Anti-Held. Er hat Träumen und Wünsche und Ängste, denen er nachjagt. Träume wie jeder andere auch. Es ist die Jagd nach Göttern, denen im Himmel und denen in Hol-lywood. Die Sehnsucht nach Einzigartigkeit, Unsterblichkeit. Die Suche nach Liebe, Glück und Wissen.
Diese Suche Alex-Lis schildert Zadie Smith mal mit Ernst, mal mit Humor, jedoch immer hart an der Realität und mit einem Blick für das Detail. Dass sie sich dabei manchmal in ausschweifenden Exkursen, plötzlichen Gedanken- und Zeitsprüngen verliert, tut dem Lesefluss kaum Abbruch.
„Der Autogrammhändler" ist ein Buch, das man nicht in einem Zug durchlesen kann. Die Betonung liegt hierbei jedoch auf kann. Es liefert nämlich einfach zuviel Stoff zum Nachdenken, als dass man es könnte.
„Sie rollt sich von ihm weg und greift nach der Decke. Ihre Finger sind kalt geworden. Selbst als sie diese Filme drehte, selbst als ahnungslose junge Frau hatte ihr die Frage den Schlaf geraubt, wie viele von diesen Leuten, diesen Kinogängern, eine Textzeile, einen Blick nehmen würden, um ihn bei einem geliebten Menschen zu verwenden."
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