"Der Augenblick der Wahrheit" ist ein atmosphärisch dichter und präzise erzählter Kriminalroman. Die Idee, politische Hintergründe aus der Ära Francos sowie der terroristischen Bewegungen der ehemaligen DDR und Deutschlands miteinander in einem Buch zu verweben, erschien mir persönlich auf den ersten Blick wenig reizvoll. Der Autor hat es jedoch verstanden, die Handlung gekonnt in die politisch-geschichtliche Rahmenhandlung einzubetten, ohne die Politik als solche in den Mittelpunkt zu rücken.
Der Protagonist, der Papparazzo Peter Lime, verliert bei einem Brand in ihrer gemeinsamen Madrider Wohnung seine Frau und Tochter. Dass es sich um keinen Unfall handelt, ist schnell klar. Getrieben von grenzenloser Wut und Trauer macht Peter Lime sich auf die Suche nach den Schuldigen für diese Tat. Er muss tief in seine Vergangenheit eintauchen, um Licht ins Dunkel zu bringen. Der Leser folgt Peter Lime bereitwillig auf dieser Reise, die lange Zeit von Alkoholexzessen, düsterer Trauer und Hass geprägt ist. Die Schilderung der menschlichen Gefühle, die Empfindungen der handelnden Personen stehen bei diesem Roman im Vordergrund. Der Autor Leif Davidsen erzählt mit leisen, ruhigen Tönen von Ängsten und Leid seines "Helden" und als Leser wird man von diesem langsamen, dichten Erzählstil unweigerlich mitgerissen. Die Handlung des Krimis erscheint mir insgesamt eher bedächtig, es passiert nicht "viel" und dennoch geschieht so einiges. Peter Lime muss in diesem Roman viel erleiden, seine Gefühlswelt gerät durch den Tod seiner Familie vollends aus den Fugen und mehr als einmal fragt man sich als Leser, ob er die Kurve kriegt und aus dem Sog seiner teilweise selbstzerstörerischen Handlungen entkommen kann. So exakt wie die Gefühle der handelnden Personen beschreibt der Autor auch deren Umgebung, ohne dabei langatmig zu erscheinen. Im Gegenteil, das Buch lebt von diesen atmosphärischen Schilderungen - als Leser fühlt man sich unwillkürlich ins schwül-warme, brodelnde Madrid versetzt, um im nächsten Moment im skandinavisch-kühlen Dänemark zu landen.
Lediglich das Ende erscheint mir etwas übereilt und hat mich nicht komplett überzeugt. Insgesamt betrachtet hat Leif Davidsen ein intelligentes und spannendes Buch vorgelegt, das mehr als gut unterhält.