Forschen und lehren sollen sie, die Professoren. Aber für die Verbreitung ihrer Resultate sollten sie auch schreiben können. Oder wenigstens den Mut haben, sich dabei unterstützen zu lassen. Während deutschsprachige Professoren oft mit dem Argument abwinken, ein flüssiger und unterhaltsamer Stil würde die Wissenschaftlichkeit ihrer Thesen gefährden, beweisen ihre angelsächsischen und amerikanischen Kollegen schon lange, dass dem nicht so sein muss. Ein Beispiel für viele ist Niall Ferguson. Gekonnt und ohne Angst vor Kollegenschelte legt er eine Geschichte des Geldes vor, die sich streckenweise wie ein Kriminalroman liest. Und dass die Finanzkrise sein Thema ganz plötzlich ins Rampenlicht rückte, ist das verdiente Glück des Tüchtigen.
Sachlich kann Niall Ferguson seinen Untersuchungsgegenstand auch deshalb betrachten, weil für ihn als Historiker zusammenbrechende Märkte und Banken nichts Neues sind. Das vermittelt er auch seinen Lesern, indem er sie am Auf und Ab der Wirtschaft teilnehmen lässt. Dabei verzichtet er nicht auf Zahlen und Fakten, aber er packt sie in Geschichten ein und arbeitet mit sprachlichen Formulierungen, die Verbindungsstücke nicht als lästige Fremdteile erscheinen lassen. Und weil er bei der Treibjagd auf Schuldige nicht mitmacht, kann er in einer wohltuenden Gelassenheit aufzeigen, dass Geld wesentlich zu den Fortschritten moderner Gesellschaften beigetragen hat. Das ist umso wichtiger, als aus der Ecke naiver Ideologen bereits in den Raum gerufen wird, man solle doch zur Tauschwirtschaft zurückkehren, Zinsgeschäfte verbieten und Spekulation als Werkzeug des Teufels brandmarken. Dass die Verfasser solch dummer Predigten ihr Unterhaltsgeld meist vom Staat erhalten, sei nur am Rande vermerkt. Und auch Niall Ferguson gibt sich mit allzu unreflektierten Kritiken wenig ab. Er zieht es vor, seine Leser auf eine Weltreise mitzunehmen, ihnen Einblicke in die Finanzstuben historischer Größen und fremder Länder zu gewähren und überraschende Querverbindungen aufzuzeigen.
Platzende Blasen betrachtet Niall Ferguson als ebenso natürlich wie die menschlichen Triebe. Und wenn er uns vor Augen führt, wie sich Habgier irgendwann in Furcht verwandelt, erfahren wir wesentlich mehr über das Wesen des Geldes, als in den meisten Kommentaren zur gegenwärtigen Finanzkrise. Selbstverständlich treffen wir in diesem Buch auf all die bekannten Ökonomen der Wirtschaftsgeschichte. Aber nur von Keynes, Smith & Co zu sprechen, würde dem Thema nicht gerecht. Also bittet Ferguson auch Persönlichkeiten der Gegenwart auf die Bühne, was zu spannenden Wiederbegegnungen mit Notenbankchefs und ehemaligen Spitzenmanagern führt.
Mein Fazit: Kein Schnellschuss, um aus dem Zusammenbruch der Finanzmärkte Profit zu schlagen. Was Niall Ferguson vorlegt, ist bestens recherchiert und in historisches Quellenmaterial eingebettet. Was das Buch besonders auszeichnet ist die Art, wie eine eher trockene Materie vermittelt wird. Dank der Formulierungskunst des Autors und vielen Abbildungen kann dieses Sachbuch auch Leser erreichen, die nicht Volkswirtschaft oder Finanzwesen studiert haben, sondern einfach das notwendige Interesse mitbringen. Es gibt sie also doch, die didaktisch begabten Professoren.